Droht der Südkamener Spange nun doch das endgültige Aus? Noch immer gibt es keine Reaktion aus den Bauministerien von Land und Bund. Das liegt womöglich an den explosionsartig gestiegenen Baukosten.

Kamen

, 19.12.2019, 13:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Südkamener Spange springt möglicherweise schon wieder von der Schiene. Für das ehrgeizige Verkehrsprojekt in Südkamen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Grund: Eine Hängepartie im komplizierten Genehmigungsverfahren, das eigentlich bis zum Jahresende abgeschlossen sein sollte. Das hat mit der Kostenexplosion auf jetzt geschätzte 33 Millionen Euro zu tun. Damit hat sich die ursprüngliche Kostenschätzung nahezu verdreifacht. Das endgültige Aus droht.

Die Hoffnung des Kreises Unna, jetzt grünes Licht für das Projekt zu erhalten, hat sich zerschlagen, wie Jürgen Busch, Sachgebietsleiter Tiefbau des Kreises Unna, auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. „Wir hatten gehofft und damit gerechnet, dass wir bis Weihnachten Klarheit haben“, sagte er am Donnerstag. Der Kreis Unna plant die südliche Umgehungsstraße zusammen mit der Deutschen Bahn, weil die neue Strecke unter den Bahngleisen neben der Südkamener Straße durchführt. Der dortige schienengleiche Bahnübergang soll dabei beseitigt werden.

Genehmigungen müssen bis März vorliegen

Diese Klarheit gibt es aktuell nicht. Falls das Verkehrsprojekt, das sich in den vergangenen Jahren erheblich verteuert hat, doch noch im kommenden Jahr realisiert werden soll, müssen laut Busch die Genehmigungen spätestens bis Mitte März vorliegen. Denn bereits ab Juni hat die Deutsche Bahn erste Sperrpausen für die Bahnstrecke angemeldet.

Solche Sperrpausen, bei denen der Bahnverkehr auf der Strecke Dortmund-Hamm stillgelegt wird, waren auch in den vergangenen Jahren festgelegt worden. Sie konnten aber nicht genutzt werden, weil die letzten Details für Planung und Finanzierung noch nicht vorlagen.

Nun droht eine erneute Hängepartie. Pikant: Die Sperrpausen müssen jeweils etwa zwei Jahre vorher bei der DB Netz, die die Fahrpläne erstellt, angemeldet werden. Platzen die Pläne fürs kommende Jahr, könnte sich das nächste Zeitfenster für den Baustart erst 2022 öffnen.

Kostenexplosion auf 33 Millionen Euro: Springt Südkamener Spange nun ganz von der Schiene?

Jürgen Busch, Sachgebietsleiter Tiefbau des Kreises Unna, ist enttäuscht: Die Südkamener Spange hängt im Genehmigungsverfahren noch immer in der Warteschleife. Eigentlich sollten die Weichen bis zum Jahreswechsel gestellt sein.

Enorme Detailarbeit für die Ausführungsplanung geleistet

Busch will keine Prognose mehr abgeben, ob es in den verbleibenden drei Monaten gelingen kann, das komplizierte Genehmigungsverfahren abzuschließen. „Wenn der Zeitplan platzt, dann würde ich mich nicht festlegen, ob die Spange überhaupt noch gebaut wird“, sagt er enttäuscht.

Busch verweist auf die enorme Detailarbeit für die Ausführungsplanung, für die jeder Posten des geplanten Bauprojekts einzeln beschrieben wurde. Mehrere Aktenordner umfassen die Dokumente der planenden Ingenieure. „Wir haben das lange gut vorbereitet. Es ist nicht so, dass es an den hiesigen Institutionen gelegen hat.“

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Eine Straßenplanung, die es seit den 80er-Jahren gibt

Zur Erinnerung: Eigentlich sollte die Südkamener Spange schon längst den Verkehr zwischen der Westicker Straße und der Dortmunder Allee führen. Bereits seit den 80er-Jahren gibt es die Planung, die seit über zehn Jahren so konkret ist, dass mit der Umsetzung begonnen werden könnte.

„Wir hatten gehofft und damit gerechnet, dass wir bis Weihnachten Klarheit haben“
Jürgen Busch, Sachgebietsleiter Tiefbau im Kreis Unna

Aus unterschiedlichen Gründen wurden die Bautrupps bisher allerdings nicht bestellt, um nicht nur ein neues Gleisbrückenbauwerk zu errichten, sondern auch die Straße, die unter den Schienen durchführt. Es gab unter anderem Klagen der Anwohner, Schwierigkeiten beim Grunderwerb und durch nicht vorhandene Baustellenflächen. Kritiker des Projekts zweifeln an, ob die Pläne überhaupt noch zeitgemäß sind im Angesicht der Planungsgrundlagen aus den 80er-Jahren.

Kostenexplosion von 13 auf 33 Millionen Euro

Jetzt beschäftigt die Genehmigungsbehörden allerdings das liebe Geld: Das Bauprojekt, das ursprünglich mit einer Kostenschätzung von 13 Millionen Euro an den Start gegangen war, soll nun etwa 33 Millionen Euro teuer sein. Die Gesamtkosten waren bereits im Jahr 2015 auf 20 Millionen Euro geschätzt worden.

„Es glaubt wohl zurzeit kein Mensch mehr an die Spange. “
JÜRGEN BUSCH, SACHGEBIETSLEITER TIEFBAU IM KREIS UNNA

Bereits voriges Jahr hatte unsere Redaktion mit Blick auf allgemeine Baukostensteigerungen errechnet, dass diese geschätzte Summe auf 30 Millionen Euro steigen könnte. Nun ist dieser Wert noch übertroffen und könnte bei einem weiteren Aufschub noch weiter ansteigen. Für den Kreis Unna, der an den Baukosten beteiligt ist, steigt der Eigenanteil von einst geplanten 2,5 Millionen Euro auf 7 Millionen Euro.

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Genehmigungsverfahren läuft durch fünf Instanzen

Das Genehmigungsverfahren läuft durch fünf Instanzen: Die Deutsche Bahn und der Kreis Unna haben das Projekt jeweils durchgewunken, auch das Eisenbahnbundesamt und die Bezirksregierung. Jetzt stehen noch die Genehmigungen der Bauministerien aus Land und Bund aus. Wo die Unterlagen gerade geprüft werden, ist dem Kreis Unna nicht bekannt.

Fest steht: Gibt es irgendwelche Einwände, dann müssen die Dokumente noch einmal durch alle Instanzen laufen. Und das frisst wieder Zeit.

Jürgen Busch will keine Einschätzung mehr geben, ob die Südkamener Spange überhaupt gebaut wird. Er sagt ehrlich: „Es glaubt wohl zurzeit kein Mensch mehr an die Spange. Würde ich zu diesem Zeitpunkt jemanden erzählen, dass sie kommt, würde ich wohl nur ein Lachen ernten.“

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