Herzblatt gesucht: Die schwierige Partnerwahl im Kamener Stadtrat

dzKommentar der Redaktion

Eine Große Koalition ist genauso möglich wie Rot-Grün. Wer Bündnisse mit der SPD für die Regierungsmehrheit eingeht, riskiert, selbst an Profil zu verlieren. Die Partnerwahl wird schwierig.

Kamen

, 16.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Meistens stand die 50 – mal 53,2 Prozent (1994), mal 49,0 Prozent (2004) und mal 52,2 Prozent (2009). In den vergangenen Jahrzehnten gab es bei den Kommunalwahlen keine erkennbaren Ermüdungserscheinungen beim bisher treuen Wahlvolk der SPD. Und so müssen Kamens Sozialdemokraten einen heftigen Einbruch von über zehn Prozent, wie sie am Sonntag erlebten, erst einmal verkraften.

Sich jetzt unbekümmert einen Partner zu suchen, dürfte nicht leicht fallen nach einer so langen Zeit der Alleinherrschaft, wo man anderen Parteien höchstens mal das Gefühl gegeben hat, mitentscheiden zu dürfen. Jene Zeiten, wie man hier zuweilen volkstümlich sagt, sind vorbei, in denen auch eine rote Laterne gewählt wird, wenn sie aufgestellt würde.

Ungewohnte Rolle für die Dauer-Opposition

Auch für die andere Seite, jene der Dauer-Opposition, ist die Situation ungewohnt. Macht in Kamen? Das machen doch die anderen. Nun ja, jetzt nicht mehr. Aber wie könnte die neuen Konstellation der Macht aussehen? Eine Große Koalition? Nicht das Schlechteste für Kamens Stabilität, aber Menschen mit Demokratieverständnis zucken.

Denn es ist für die Volksparteien, zu der nach wie vor die SPD zählt, in der Partnerschaft noch schwerer, eigenes Profil zu zeigen. Beide Parteien könnten Schaden nehmen bei der nächsten Wahl in fünf Jahren. Denn die Wähler könnten das als „Weiter so“ empfinden, wenn sich die CDU nicht ausreichend von einem roten Klammergriff befreien könnte.

Jetzt lesen

Wie groß wäre eine Große Koalition noch?

Doch vielleicht stimmt die alte Weisheit von der Gefahr der Großen Koalition gar nicht mehr, denn so groß erscheint sie andernorts und wohl auch in Kamen nicht mehr, seitdem die Werte der Volksparteien schrumpfen und die Bündnisgrünen erhebliche Zugewinne verbuchen können.

Da ist plötzlich eine dritte Partei mit stattlicher Größe, ein Partei, die vom Bundestrend getragen wird und nun eine größere Rolle spielen will. Vielleicht im Bündnis mit CDU und den kleinen Fraktionen.

Das würde reichen, um die SPD auszustechen. Fraglich ist, ob die Grünen dazu bereit sind – im doppelten Wortsinn. Die Partei, die oftmals zu stark in Programmatik verstrickt wirkt, weiß, dass viel Grünes auch bereits durch Rot umgesetzt wurde. Es wird nicht einfach, weitere Potenziale zu schöpfen. Immerhin: Die Laubbläser blasen noch. Vielleicht dann ja bald nicht mehr.

Rot-Grün als etablierte Konstellation naheliegend

Weitere Option: Rot-Grün als etablierte Konstellation in der Parteienlandschaft. Klingt erst einmal naheliegend. Ob das aber in Kamen klappt, ist fraglich. In Ausschüssen und Ratssitzungen ist oft erkennbar, dass die Wellenlinien der Parteien doch weit auseinander liegen. Sie aufeinander abzustimmen, könnte ein Zukunftsmodell sein.

Jetzt lesen

Vielleicht gibt es aber auch Bündnisse nur auf Themen bezogen. Das ist die Hoffnung der kleineren Parteien, die sonst auf dem Abstellgleis stehen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sicherheit und Ordnung
Ordnungsdienst in Kamen: Was ist dran am Vorwurf unseriöser Auftritte?
Hellweger Anzeiger Lesung und Konzert
„Mein Leben ist wie ein Roman“ – Singende Superhelden auf dem Minigolfplatz