Sascha Dönges aus Lünen kommt aus der Sterneküche des Dortmunder Palmgarden und ist nun Chefkoch der Familienbande in Kamen. Er startet mit Corona-Handicap.

Kamen

, 20.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sascha Dönges hat schon in besten Häusern gekocht. Wie im Restaurant „Palmgarden“, dem kulinarischen Herz der Spielbank Hohensyburg, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. Sein Herz verloren hat der 33-jährige Lünener jetzt aber an das Café Glück der Familienbande an der Bahnhofstraße 46, in dem er seit Anfang des Jahres beschäftigt ist. Der Familie zuliebe hat der zweifache Familienvater das brodelnde Karriere-Tempo etwas gedrosselt und ist aus der Sterneküche in das Café des Kamener Mehrgenerationenhauses gewechselt. „Ich koche jetzt nicht mit weniger Leidenschaft oder geringerem Qualitätsanspruch“, sagt er. „Aber ich habe mich hier sofort sehr wohlgefühlt.“

Das Café Glück mit den kleinen Augenblicken des Glücks, wenn der Durst mit Capri-Sonne gestillt werden kann. Die Getränke werden nur auf Abstand herausgegeben.

Das Café Glück mit den kleinen Augenblicken des Glücks, wenn der Durst mit Capri-Sonne gestillt werden kann. Die Getränke werden nur auf Abstand herausgegeben. © Stefan Milk

Corona durchkreuzt schon früh die Arbeitsabläufe

Er hatte sich erst wenige Wochen lang eingearbeitet, da durchkreuzte schon die Corona-Pandemie alle Arbeitsabläufe. Das Café wochenlang geschlossen, aber immerhin ein gut laufender Lieferservice, der jetzt noch von der „Aktion Mensch“ unterstützt wird, damit das Essen kostenlos ausgegeben werden kann.

„70 bis 80 warme Mahlzeiten sind es täglich, die wir liefern oder hier abgeholt werden“, sagt Christiane Fuest, die zweite Vorsitzende der Familienbande ist und im Haus eine Hebammenpraxis betreibt.

Mit Blumen dekorierte Zweiertische in Kreidekreisen, beides orangefarben abgestimmt. Die Familienbande empfängt ihre Gäste vor dem Café Glück.

Mit Blumen dekorierte Zweiertische in Kreidekreisen, beides orangefarben abgestimmt. Die Familienbande empfängt ihre Gäste vor dem Café Glück. © Stefan Milk

Currywurst im Weckglas als moderne Variation des Klassikers

Sie war auch Hebamme bei der Geburt von Dönges Kindern. Und der fühlte sich in der Bandenfamilie so gut aufgehoben, dass er sich gleich vorstellen konnte, die Küche an der Bahnhofstraße zu schmeißen. Was er jetzt auch gerade tut. Da gibt es Currywurst im Weckglas, eine moderne Variation des Klassikers. Aber wenn es Gulasch gibt, dann fliegen die Bestellungen massenweise ein: „So viel Fleisch kann ich gar nicht schneiden“, sagt er lachend.

Katharina Silva in der Küche der Familienbande. Waffeln sind eine Spezialität des Hauses.

Katharina Silva in der Küche der Familienbande. Waffeln sind eine Spezialität des Hauses. Danach strecken auch die Rolling Stones ihre Zunge heraus. © Stefan Milk

Zunächst lediglich Außengastronomie

Seit Montag ist nun wieder geöffnet. Werktags von 9 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr. Doch unter ganz anderen Vorzeichen als bisher. Denn ist gibt zurzeit nur Außengastronomie am Rande der Hochstraßenbrücke.

Mit orangefarbenen Kreidekreisen sind die Tische abgezeichnet. „Mit abwaschbarer Sprühkreide“, wie Ewelina Czekala, die bei der Familienbande die Finanzen managt, betont. Sie hat sich auch um das Hygienemanagement gekümmert. „Es war klar, dass das Café zu klein ist, um es jetzt wieder zu öffnen.“ Klar war auch, dass sich die Preise trotz weniger Ertrag durch die Corona-Pandemie nicht erhöhen sollen. „Wir bleiben bei 4,90 Euro pro Mahlzeit.“

Ausgenommen jene Mahlzeiten, die jetzt kostenlos ausgegeben werden. An jene, die sich ein tägliches Essen nicht leisten oder kochen können. Bei wem das der Fall ist, der kann sich noch melden. Bestellungen werden unter Tel. (0157) 32212931 angenommen.

„Schön, dass du da bist“ - der auf das stilisierte Haus aufgedruckte Spruch gilt weiterhin bei der Familienbande. Auch wenn sich der Alltag im Café in Zeiten der Pandemie nachhaltig verändert hat.

„Schön, dass du da bist“ - der auf das stilisierte Haus aufgedruckte Spruch gilt weiterhin bei der Familienbande. Auch wenn sich der Alltag im Café in Zeiten der Pandemie nachhaltig verändert hat. © Stefan Milk

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Zwei Ausgabestellen am Haus eingerichtet

Auch wenn jetzt viel auf „To-go“, sprich „Zum Mitnehmen“ ausgerichtet ist, verzichtet die Familienbande weitgehend auf Plastik „Das Besteck ist aus Holz“, berichtet Fuest. Statt Zuckerstreuern gibt es aber nun Einzelportionen. Zwei Ausgabestellen fürs Essen und Trinken sind eingerichtet – eine zum Eingang, eine andere zum Spielplatz. Die Tische werden regelmäßig desinfiziert. „Wir versuchen, allen Auflagen gerecht zu werden“, so Fuest. Und im Kreidekreis als Private-Area könnte jeder Gast ein gutes Gefühl haben und sich auch die Mitarbeiter gut dabei fühlen.

Hände desinfizieren: Auf der Tafel vor dem Eingang ist abzulesen, welche Regeln in Zeiten von Corona gelten.

Hände desinfizieren: Auf der Tafel vor dem Eingang ist abzulesen, welche Regeln in Zeiten von Corona gelten. © Stefan Milk

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Herstellung von Pralinen als Steckenpferd

Das beherzigt auch Sascha Dönges nach allen Regeln der Kochkunst. Er freut sich, dass er von zuhause nur noch 15 Minuten benötigt, um seine neue Arbeitsstelle zu erreichen – und dass seine Zielgruppe viel größer ist als zuvor. „Vom Baby bis zum Über-90-jährigen, alles ist dabei“, sagt er mit einem Schmunzeln. Die Leidenschaft, zu kochen, sei nicht geringer als in der Dortmunder Sterneküche. „Ich gebe nichts heraus, was diesen Ansprüchen nicht genügt.“

Und ein Spezialgebiet hat er als ehemaliger stellvertretender Chef der Palmgarden-Patisserie auch noch: Die Herstellung von Pralinen. Diese gibt es nun in verschiedenen Geschmacksvariationen auch bei der Familienbande, liebevoll in kleinen Tüten abgepackt. Und so hat er doch ein Stück gerettet von seiner bisherigen Tätigkeit, die in einem Punkt ganz besonders anders ist: „Hier arbeiten nur Frauen!“

GASTRONOMIE IN CORONA-ZEITEN
  • Restaurants, Kneipen, Eisdielen dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen.
  • Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft.
  • In loser Folge stellen wir unsere heimischen Lokale vor.
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