Knöllchen beim Sprung in den Supermarkt

dzNeue Kurzzeitparkregelung nicht im Blick

Nach dem Einkauf folgt die böse Überraschung: Neue Kurzzeitparkplätze sorgen in der City für Irritation. Das stadtweit kostenfreie Parken auf öffentlichen Flächen wurde 2011 beschlossen.

Kamen

, 30.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Karl-Georg Oertel wohnt an der Humboldtstraße in der Nähe des Ende vergangenen Jahres neu eröffneten Norma-Marktes an der Lessingstraße, wo er regelmäßig einkaufen geht. Was er neben dem Lebensmittelmarkt beobachtet, erzeugt bei ihm kräftiges Stirnrunzeln. Auf den vor einigen Wochen zu Kurzzeitparkplätzen verwandelten Stellplätzen an der Bergkamener Straße, die neben dem Markt verläuft, handeln sich, so stellt er immer wieder fest, die Autofahrer regelmäßig Knöllchen ein, weil sie schlichtweg ihre Parkscheiben nicht auslegen. „Offenbar hat es sich noch nicht herum gesprochen, dass man die Parkplätze nur zeitlich befristet nutzen kann“, sagt er.

Unter dem blauen Parkplatzschild mit dem weißen „P“ ist auf den beiden Zusatzschildern eigentlich deutlich abzulesen, dass neben dem Gebäude eine Stunde lang kostenlos geparkt werden darf. Die Regelung gilt werktags zwischen 7 und 19 Uhr. Voraussetzung fürs freie Parken ist freilich, dass eine Parkscheibe ausgelegt wird. Die Stadt Kamen kontrolliert das offenbar regelmäßig, wie Oertel beobachtet hat. „Es sind viele betroffen. Es kann doch nicht sein, dass man für sieben Euro einkaufen geht und dann zehn Euro Strafe bezahlen muss“, mahnt er die Nutzer, auf ihre Parkscheibe zu achten. Er selbst achte darauf und habenoch kein Knöllchen erhalten, wenn er den Parkplatz regelmäßig ansteuert.

Der Norma-Markt war an dem Standort nach einem nahezu dreijährigen Leerstand am 16. April eröffnet worden. Er folgte einem Netto-Markt, der wie ein zweiter an der Königsberger Straße im Jahr 2015 im Zusammenhang mit der Netto-Neueröffnung im Einkaufszentrum „Kamen Quadrat“ geschlossen worden war. Danach gab es Initiativen, den Standort neu zu belebten. Über 700 Menschen machten bei einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Nahversorgungsstandorts mit.

Das Parken ist auf öffentlichen Parkplätzen innerstädtisch eigentlich kostenlos, seit 2011 fällt auf privaten Plätzen allerdings auch der Parkgroschen: Das kostenpflichtige Parken wurde 2011 im UKBS-Parkhaus am Severinshaus an der Nordenmauer eingeführt, gefolgt vom im Jahr 2012 sanierten City-Parkhaus an der Kämerstraße. Gebühren werden zudem erhoben auf dem Krankenhaus-Parkplatz und auf dem Parkdeck am Kamen-Quadrat.

Politisch fiel eine Entscheidung zugunsten des kostenlosen Parkens im Jahr 2011. Die zu jenem Zeitpunkt verheerend schlechte Haushaltslage der Stadt Kamen war Ausgangspunkt einer Parkraumanalyse, bei der man sich Erträge durch die Einführung des Parkgroschens versprochen hatte. Zuvor hatte das Regierungspräsidium Arnsberg die Stadt aufgefordert, alle Möglichkeiten der Haushaltsverbesserung auszunutzen. Die Parkraumbewirtschaftung erschien dabei zunächst als ein taugliches Mittel.

Letztlich gab es mehrere Gründe, warum erste Kalkulationen von einem jährlichen Ertrag von 800.000 Euro nicht zu erreichen waren: Die ursprünglich angenommene Anzahl von 1200 zu bewirtschaftenden Parkplätzen reduzierte sich bei genauer Betrachtung auf 600: Anwohnerparkplätze und Stellplätze mit vertraglicher Bindung mussten abgezogen werden. Bei einer Auslastung von 30 bis 60 Prozent blieben statt errechneter 800.000 Euro ein Erlös von 212.000 bis 485.000 Euro jährlich. Eine Summe, mit denen entsprechende Investitionen in die Infrastruktur nicht lohnenswert erschienen.

Und so haben die hiesigen Parkplatz-Nutzer an vielen Stellen der Stadt immer noch die Möglichkeit, kostenfrei zu parken – sie müssen nur, dort wo es entsprechend ausgeschildert ist, an die Parkscheibe denken.

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