Keine Vorfahrt fürs Radfahren: Lange Klöcknerbahnweg-Umleitung und kein RS1 in Sicht

dzUmbau zum Radschnellweg nicht vor 2026

Noch bis Mitte oder sogar Ende November müssen sich die Benutzer des Klöcknerbahn-Radwegs gedulden. Erst dann wird das gesperrte Stück zwischen Bredde und Heerener Straße wieder freigegeben.

von Werner Wiggermann

Kamen

, 05.08.2019, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Grund der Sperrung ist der Neubau der Autobahnbrücke (A 1), die den Klöcknerbahnweg überquert. Zwei Jahre waren von vornherein dafür vorgesehen - gut zweieinhalb Jahre werden es nun. Die Brücke ist zwar fertig, der Weg darunter aber noch nicht wieder hergestellt. Immerhin ist das Ende jetzt abzusehen: „Wir sind auf einem guten Weg", findet Markus Miglietti, Sprecher der Autobahnniederlassung Hamm.

Ob das auch für die Erweiterung des Radwegs zu einer asphaltierten Schnellstrecke git, ist weniger klar. Die Trasse soll bekanntlich Teil des neuen „schnellen“ Radschnellwegs Ruhr (RS1) werden. Bis der aber als Ganzes tatsächlich schnell und befahrbar sein wird, gehen wahrscheinlich noch mindestens sieben Jahre ins Land. An komplizierten Bauweisen liegt das weniger.

Keine Vorfahrt fürs Radfahren: Lange Klöcknerbahnweg-Umleitung und kein RS1 in Sicht

Endstation Autobahnbaustelle - wie viel Wert den Behörden an einer guten Fahrradinfrastruktur liegt, erkennt man daran, wie schnell die Bauarbeiten dort vorangehen. © Marcel Drawe

Wenn ein Radschnellweg langsam ist

Die vorhandenen Wege auf knapp sieben Meter auszuweiten und zu asphaltieren, wird wahrscheinlich nur wenige Monate in Anspruch nehmen. Vorher aber laufen diverse Planungs- und Baurechtsverfahren. Bisher wurden mögliche Streckenvarianten voruntersucht. Bald beginnt die Umweltverträglichkeitsprüfung, die klären soll, welche Pflanzen und Tiere durch die geplante Asphaltierung Schaden nehmen könnten. Ergebnisse sind Ende 2020 zu erwarten. Standards für einen Radschnellweg sind folgende: Durchgängige Trennung zwischen Rad-und Fußgängerverkehr, bei baulichen Radwegen eine Mindestbreite von vier Metern, wenig Steigungen, eine umfassende Beschilderung, innerorts Beleuchtung, geregelter Winterdienst und Reinigung.

Eigentlich eine groteske Situation: Das vorrangige Ziel des Radschnellweg-Projekts ist es schließlich, mehr Menschen vom Auto aufs Rad zu locken - und das eben nicht nur als Freizeitspaß. Klima- und Umweltschutz sind also der Zweck des Ganzen - und Rücksicht auf die Umwelt, die gerade in diesem Fall mitunter etwas kleinlich erscheint, steht einer zügigen Realisierung im Wege.

Keine Vorfahrt fürs Radfahren: Lange Klöcknerbahnweg-Umleitung und kein RS1 in Sicht

Deutschlands größtes Radweg-Projekt, der Radschnellweg Ruhr (RS1), kommt nicht wesentlich voran. Die rund 100 Kilometer lange „Fahrrad-Autobahn“ im Ruhrgebiet soll die Städte zwischen Hamm und Duisburg miteinander verbinden und auch durch Kamen gehen. Das kann noch Jahre dauern. © picture alliance / Ina Fassbende

„Wir bauen rechtlich eine Landstraße“

„Das Problem sehe ich auch“, sagt Sebastian Artmann, RS1-Fachmann bei Straßen.NRW. Allerdings gibt es keine Umleitung - und erst recht keine Abkürzung in dem vielschichtigen Planungsvorgang. „Wir bauen rechtlich eine Landstraße“, erklärt Artmann. Der Umstand erzwingt die aufwendigen Schritte. Wenn die Linienführung konkret feststeht (wohl etwa 2023), kann das Planfeststellungsverfahren beginnen, an dem eine Vielzahl von Behörden beteiligt sein werden. Der RS1 soll der erste Radschnellweg Deutschlands werden: Ein 100 Kilometer langer Schnellweg für Pendler, Touristen und alle, die sich mit dem Fahrrad schnell auf der Achse zwischen Hamm und Duisburg bewegen möchten. Die Planer erinnern dabei noch ans Jahr 2010. „Ein wenig so, wie es 2010 im Kulturhauptstadtjahr tatsächlich auf der Spur der A 40 schon war – beim Still-Leben - , als drei Millionen Menschen mit dem Rad oder zu Fuß die Autobahn in Beschlag nahmen.“

Hoffnung auf 2024

Tatsächlich etwas schneller könnte es aber auf den Streckenabschnitten der Klöcknerbahn-Trasse gehen, die zur RS1 gehören sollen. Hier müssen jedenfalls keine Grundstücke erworben werden, neue Bahnübergänge sind in Kamen und Bergkamen auch nicht vonnöten - und schließlich dürfte auch die langwierige Erneuerung der Autobahnbrücken abgeschlossen sein - wenn vielleicht doch schon 2024 hier mit der Erweiterung und Asphaltierung begonnen wird.

Erste Abschnitte fertiggestellt

Der Radschnellweg Ruhr (RS1)

  • Im Ruhrgebiet entsteht der Radschnellweg RS1. Erste Abschnitte sind fertiggestellt, weitere in Bau. Dieser rund 100 Kilometer lange Radschnellweg soll für Berufspendler eine attraktive Verbindung zwischen den Städten Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm bieten.
  • Nachdem bereits in einer Konzeptstudie die grundsätzliche Machbarkeit des Projekts ermittelt wurde, ging die Anfang September 2014 vorgestellte Machbarkeitsstudie in die Detailplanung.
  • Im August 2015 bekannt gewordene Planungen im Bereich Mülheim sehen hier im Stadtzentrum faktisch eine Unterbrechung des 100 Kilometer langen Radschnellwegs vor. Auf dem 300 Meter langen Viadukt im Bereich der Bahnstraße soll eine Hochpromenade entstehen. Der RS1 soll hier „kein Weg zum Durchbrettern“ werden.
  • Am 27. November 2015 wurde der erste Teilabschnitt des Radschnellwegs Ruhr zwischen den Zentren von Mülheim an der Ruhr und Essen eröffnet. Die zum Radschnellweg ausgebaute Teilstrecke der Rheinischen Bahnverläuft über fast elf Kilometer, wobei die Trennung zum Fußverkehr bzw. das Angebot für diesen noch nicht überall den angestrebten Standards entspricht.
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