Die Stadt Kamen hat alle Bürger zum Gießen der Straßenbäume aufgerufen. Dabei reicht es aus, zwei Mal pro Woche zu gießen, dann aber kräftig mit fünf bis sechs Gießkannen, so die Empfehlung. © dpa
Hitze und Trockenheit

Klimaopfer Baum: Bei brütender Hitze sind beim Gießen auch die Bürger wieder gefragt

Schlechte Luft, starke Bodenverdichtung, zu kleine Baumbeete für viel zu große Wurzeln. Jetzt kommt noch die Hitze dazu. Um den Stress für die Bäume zu verringern, sollen Bürger zur Gießkanne greifen.

Trocknungsschäden sind an vielen Stadtbäumen bereits auch für Laien zu sehen: Die Krone licht, das feine Astwerk ist schon hinaus gefallen. Es gibt schon einige Klimaopfer unter den Stadtbäumen, weil es in den vergangenen Jahren deutlich zu trocken war.

Und auch wenn es im Juli zwischenzeitlich geregnet hat: „Die Lage für die Bäume in Kamen entspannt sich nicht grundlegend“, meldete Stadtsprecher Peter Büttner am Donnerstag. Die Stadt Kamen, so setzt er fort, „bittet deshalb die Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung. Das bedeutet: Bitte möglichst viele Bäume an den Straßen gießen.

9315 Bäume gibt es im Übrigen im öffentlichen Raum. Dazu kommt eine Gesamt-Grünfläche von 2.046.488 Quadratmetern. Das entspricht rund 205 Hektar.

Junge Bäume sind heutzutage oftmals mit einer Bastmanschette als Verdunstungsschutz ausgestattet, damit sie auch trockene Tage überstehen können. © Janecke © Janecke

Stadtbäume sind zahlreichen Stressfaktoren ausgesetzt

Stadtbäume sind zahlreichen Stressfaktoren ausgesetzt: Schlechte Luft, starke Bodenverdichtung, zu kleine Baumbeete für viel zu große Wurzeln. Jetzt kommt noch der Klimawandel mit vielen zu trockenen Tagen. „Die Regenmengen der vergangenen Wochen haben nicht ausgereicht, um den Boden bis in tiefere Schichten zu durchfeuchten“, so Büttner. Insbesondere Straßenbäume, die meistens in nur kleinen Beetflächen stehen und zusätzlich die Wärmestrahlung von aufgeheizten Straßen und Gebäuden aushalten müssen, kämen bei Wassermangel schneller in eine Stresssituation. „Deshalb bleiben sie auf zusätzliche Wassergaben angewiesen“, sagt er.

Die Feuerwehrmänner Stefan Möbus und Rainer Ashoff versorgten in den letzten heißen Sommern nicht nur Bäume und Pflanzen im Stadtgebiet, sondern kühlen sich gelegentlich auch gegenseitig ab. © Stefan Milk © Stefan Milk

Traktor mit 5000 Litern fährt von Grünfläche zu Grünfläche

Die Stadt Kamen ist selbst aktiv bei der Bewässerung und bringt einen Traktor des Bauhofs mit einem 5000 Liter fassenden Tank auf die Straße, der zu den städtischen Grünflächen gezogen wird. Doch diese 5000 Liter sind im Angesicht der jetzt brüllenden Hitze ein Tropfen auf den heißen Stein.

„Wir sind zwar bemüht, möglichst viele städtische Bäume mit dem frischen Nass zu versorgen und so über die Sommerzeit zu bringen, allerdings können wir von den mehreren Tausend Bäumen längst nicht alle bewässern“, so Büttner.

Aus diesem Grund bittet er um die Mithilfe: Die Straßenbäume – insbesondere die noch jungen – seien in diesen Tagen für jede Gießkanne Wasser dankbar. Dabei sei es nicht nötig, den Straßenbaum jeden Tag zu gießen – zwei Mal die Woche reiche aus, dann aber möglichst reichlich mit fünf bis sechs Gartengießkannen.

Wasser über die gesamte Baumscheibe verteilen

Das Wasser sollte übrigens über die gesamte Baumscheibe verteilt und nicht direkt an den Stamm gegossen werden. Wenn verfügbar, sollte man natürlich zuerst auf aufgefangenes Oberflächenwasser, zum Beispiel von Dachabläufen, zurückgreifen. „Das Wässern eines Baumes wäre eine kleine Geste mit großer Wirkung“, sagt Karsten Harrach vom Fachbereich Planung, Bauen, Umwelt der Stadt Kamen. „Jede Wassergabe hilft unseren Bäumen, möglichst unbeschadet durch die trockene Jahreszeit zu kommen. Und wie wichtig die Bäume für das Stadtklima sind, weiß jeder, der sommertags schon mal im Schatten eines Baumes gesessen hat.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
Zur Autorenseite
Carsten Janecke
Lesen Sie jetzt