Kleinschwimmhalle in Heeren: Vorläufige Rettung wird teuer

dzStadtteilbad geschlossen

Die Kleinschwimmhalle in Heeren-Werve ist wie ein altes Auto, das jeden Moment liegen bleiben kann. Dieses Szenario ist jetzt eingetreten – und es kostet eine sechsstellige Summe, das Bad wieder flott zu machen.

Kamen, Heeren-Werve

, 05.11.2019, 14:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch die Leitungen floss rostiges Trinkwasser: Nicht nur der Hubboden des Schwimmbeckens ist kaputt, sondern auch Schäden an weiteren Installationen sind zu beseitigen. Zum Schadensbild der auf unabsehbare Zeit geschlossenen Kleinschwimmhalle in Heeren-Werve gibt es neue Einzelheiten.

Reparatur der Kleinschwimmhalle kostet sechsstelligen Betrag

Die außerplanmäßige Reparatur wird wohl einen sechsstelligen Betrag erfordern.

Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) beziffern den Aufwand, um das an der Astrid-Lindgren-Schule gelegene Lehrschwimmbecken wieder betriebsbereit zu machen, auf 150.000 Euro.

Diese Zahl steht in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der GSW. Diese Summe werde investiert, um das Schwimmbad wieder betriebsfähig zu machen.

Am Tag zuvor hatte die Stadt Kamen die Schließung der Kleinschwimmhalle wegen technischer Probleme und daraus resultierenden Reparaturarbeiten bekannt gegeben.

Nicht nur der Hubboden ist defekt, wie GSW-Sprecher Timm Jonas auf Nachfrage erklärt hatte. Es gibt noch weitere Schäden, die nun in der neuen Mitteilung aufgelistet sind.

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In den feuchten Katakomben der Kleinschwimmhalle Heeren

Damit man sich vor Ort ein Bild von der Lage der Kleinschwimmhalle Heeren machen kann, laden die GSW zur Badbesichtigung ein. Die Mängel werden besonders deutlich, als es in den Keller geht.
07.03.2019
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Sanieren oder der Neubau eines Kombibades in Kamen-Mitte? Die Tage für die Kleinschwimmhalle Heeren könnten gezählt sein. Bei einer Besichtigung zeigt Architektin Daniela Kersting die Mängel, die sie bereits in einem ausführlichen Gutachten zusammengefasst.© Stefan Milk
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Im Keller werden die manche Mängel besonders deutlich. Manche Wände sind vollkommen nass. An anderen Wänden sind Ausblühungen zu erkennen.© Stefan Milk
An der Besichtigung am Donnerstag nahmen Bäderleiter Marcus Müller (v.l.), GSW-Chef Jochen Baudrexl, Bürgermeisterin Elke Kappen sowie die Derzernenten Ingelore Peppmeier und Dr. Uwe Liedtke teil. Architektin Daniela Kersting führte die Delegation auch die Kleinschwimmhalle Heeren.© Stefan Milk
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Diese Stehleiter soll angeblich immer noch in der Kleinschwimmhalle zum Einsatz kommen. Das bestreitet jedoch Burkhard Allebrodt von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Bades.© Stefan Milk
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Vier Treppen führen zum Eingangsbereich hoch. Wer beispielsweise mit einem Rollator unterwegs ist, wird seine Mühe haben, die Tür zu erreichen.© Stefan Milk

Schließung der Kleinschwimmhalle mit Gesundheitsamt abgestimmt

„Neben aufwendigen Arbeiten am Hubboden müssen Abluftsystem, Heizung, Wasseraufbereitung, Filtermaterialien und alte Rohrleitungen modernisiert werden“, heißt es. Während der Revision hätten die Mitarbeiter „extrem rostiges Wasser“ in der Trinkwasserinstallation vorgefunden.

Proben des Trinkwassers hätten zudem einen Befund an „Pseudomonaden“ und „eine leichte Legionellenbelastung“ ergeben. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt habe der Betrieb „prophylaktisch nicht wieder aufgenommen“ werden können. Pseudomonaden sind Bakterien, die Menschen mit geschwächtem Immunsystem krank machen können. Auch die Trinkwasserleitungen sollen erneuert werden.

Das Ausmaß der Schäden wurde im Rahmen der Revision erst nach und nach klar, wie der GSW-Mitteilung zu entnehmen ist.

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Stellungnahme

Was die Bürgermeisterin zur Schließung sagt

Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) tritt Befürchtungen entgegen, dass die reparaturbedingte Schließung der Kleinschwimmhalle zu einer dauerhaften wird. „Durch Ratsbeschluss hat sich die Stadt Kamen für den möglichen Erhalt der Kleinschwimmhalle in Heeren positioniert“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt Kamen. „Auch Bürgermeisterin Elke Kappen hat sich ausdrücklich für eine Prüfung aller Fördermöglichkeiten zum weiteren Betrieb der Kleinschwimmhalle ausgesprochen. Der Wille, die Halle zu erhalten, ist für die Bürgermeisterin unbestritten. Die GSW unterstreicht dies unter anderem durch die Bereitschaft, kurzfristig erhebliche Mittel in die Sanierung zu investieren.“ Alle betroffenen Nutzer seien immer zeitnah und transparent für die aktuelle Situation informiert worden.

Und so spielte sich die Schließung und die Information darüber zeitlich ab: Die Schwimmhalle stellte in den Herbstferien ihren Betrieb zunächst wegen der jährlichen Revision ein. Die Nutzer seien am 18. Oktober „über eine bis dato noch vorübergehende Schließung bis zum 3. November informiert worden“, erklärten die GSW.

In den folgenden Tagen der Revision habe sich jedoch „ein anderes Schadensniveau“ ergeben. Nach einer „komplizierten Ursachenforschung und dem Erfassen des gesamten Schadensbildes“ wurden die Nutzer laut GSW am 30. Oktober erneut informiert. Erst am 4. November machte die Stadt Kamen die Schließung öffentlich.

Zeithorizont für Wiedereröffnung ist offen

Das Stadtteilbad (Baujahr 1967) gilt durch Neubaupläne für ein zentrales Kamener Schwimmbad sowie wegen eines auf mindestens 3,9 Millionen Euro geschätzten Sanierungsaufwands als existenzbedroht.

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Eine Bürgerinitiative setzt sich für den Erhalt ein. Vor diesem Hintergrund kommt jetzt die Hiobsbotschaft von der voraussichtlich vorübergehenden Schließung. Ein möglicher Wiedereröffnungstermin ist nicht zu erfahren – wegen „der umfangreichen Arbeiten, Lieferfristen von Ersatzteilen und der Abhängigkeit von den Kapazitäten der ausführenden Fremdfirmen“, so die GSW.

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