Kitas im Einkommensvergleich: Hier mehr Sozialfälle, dort schlechtere Versorgung

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Einerseits mehr Familien, die Unterstützung benötigen, anderseits eine schlechtere Versorgung. Das Jugendamt vergleicht bei der Standortsuche für das Familienzentrum auch das Einkommen der Eltern.

Kamen

, 03.03.2020, 10:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

205 zu 566. Das ist der Unterschied zwischen Kamen-Mitte und Methler. Und ein ausschlaggebender Grund, warum der Zuschlag für ein Familienzentrum nach Methler und nicht nach Kamen-Mitte erteilt wurde.

Was das für Zahlen sind? Sie geben die durchschnittliche Anzahl der unter sechsjährigen Kinder wieder, für die ein Familienzentrum zuständig ist. Das sind für Kamen-Mitte 205 Kinder und für Methler 566. Die Versorgungslage in Methler ist, was Familienzentren betrifft, damit deutlich schlechter, so das Kamener Jugendamt.

Der Kindergarten-Neubau an der Wasserkurler Straße: Während der Kindergarten Brausepulver schon im vorigen Jahr dorthin gezogen ist, folgt die offizielle Eröffnung erst in diesem Jahr. Der Termin ist auf den 25. April gelegt worden.

Eine Ansicht wie eine Brausepulvermischung. Die Fensterstürze der neuen Kindertageseinrichtung „Brausepulver“ sind so bunt geworden wie die auf der Zunge prickelnden Mischungen aus den Zuckertütchen. Und damit passend zu dem Namen des Kindergartens, der dort eingezogen ist. © Marcel Drawe

Eröffnung von Methlers Doppelkindergarten im April

Um die Vergabe hat sich jüngst eine öffentliche Debatte ergeben, nachdem Tanja Brückel, Vorsitzende der Familienbande, kritisiert hat, dass ihre Einrichtung bei der aktuellen Zuteilungsrunde nicht berücksichtigt wurde.

Der Ausbau zum Familienzentrum soll vielmehr im Verbund in den Awo-Kindergärten „Brausepulver“ und „Gänseblümchen“ vollzogen werden. Die Kita Brausepulver hatte am 1. Oktober einen Neubau an der Wasserkurler Straße bezogen. Weil das Außengelände zu dem Zeitpunkt noch nicht fertig war, ist die offizielle Eröffnung verschoben worden. Sie soll jetzt am Samstag, 25. April, 11 Uhr, erfolgen. Die Kita „Gänseblümchen“ liegt an der Heimstraße in direkter Nähe.

Die Kita Familienbande, die sich um das Siegel „Familienzentrum“ beworben hat, wird zur Enttäuschung der Initiative bei der Vergabe nicht berücksichtigt.

Die Kita Familienbande, die sich um das Siegel „Familienzentrum“ beworben hat, wird zur Enttäuschung der Initiative bei der Vergabe nicht berücksichtigt. Die Stadtverwaltung begründet in ihrer Beschlussvorlage für die Kamener Politiker ausführlich, warum sie eine Entscheidung für die Kindergärten „Brausepulver“ und „Gänseblümchen“ gefällt hat. © Stefan Milk

Mehr Sozialhilfe für Familien in Kamen-Mitte

In der an diesem Dienstag im Jugendausschuss auf der Tagesordnung stehenden Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, die Methler als weiteren Standort für ein Familienzentrum empfiehlt, werden die sogenannten „sozialraumbezogenen Daten“, wie es in der Jugendamtssprache heißt, verglichen.

Während in Kamen-Mitte 20.838 Einwohner leben, sind es in Methler mit 11.413 etwa die Hälfte. Die soziale Lage unter diesen Bürgern spiegelt sich in folgenden Daten über den Sozialhilfe-Bezug nach SGB II wider: Dort ist der Anteil von Kindern unter 18 Jahren mit 26 Prozent beinahe doppelt so hoch wie in Kamen-Methler mit 13,7 Prozent.

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Stärkere soziale Belastung in Kamen-Mitte

In Bezug auf die absoluten Zahlen, so heißt es in der Auswertung, ist diese Situation auch ablesbar durch die Anzahl der Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften mit 202 in Kamen-Mitte und 67 in Methler sowie die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern insgesamt: 448 in Kamen-Mitte und 120 in Methler.

„Auf dieser Grundlage ist für den Sozialraum Kamen-Mitte von stärkeren sozialen Belastungen auszugehen“, heißt es zwar in der Untersuchung. Doch durch die höhere Zahl an Familienzentren in Kamen Mitte, fünf an der Zahl, wird diesen Zahlen laut Stadtverwaltung bereits Rechnung getragen: Demnach ist in Kamen-Mitte ein Familienzentrum rechnerisch für 169 unter 18-jährige Kinder in SGBII-Bedarfsgemeinschaften und für 40 Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften zuständig.

In Methler dagegen sei ein Familienzentrum rechnerisch für 229 unter 18-jährige Kinder in diesen Bedarfsgemeinschaften und 67 Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften zuständig.

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Vergleich der Kindergärten in Bezug auf Einkommen der Eltern

Eher ausgeglichen geht der Vergleich aus, wenn man direkt auf die Kindergärten blickt: Für 13,8 Prozent der Familienbande-Kinder liegt eine Befreiung von Elternbeiträgen für die Kindertagesbetreuung aufgrund geringen Einkommens vor. Für die Awo-Kita „Gänseblümchen“ liegt dieser Anteil bei 14,1 Prozent und für die Awo-Kita „Brausepulver“ bei 14,7 Prozent.

In allen drei Einrichtungen liegt das durchschnittliche Elternbeitragsaufkommen im stadtweiten Vergleich im höheren Bereich: Bei der Familienbande 152,43 Euro pro Kind und Monat, in der Kita „Gänseblümchen“ bei 140,50 Euro und bei der Awo-Kita „Brausepulver“ bei 133,22 Euro. Es ist, so heißt es in der stätischen Auswertung, „von einer im Vergleich eher einkommensstarken Elternschaft auszugehen“.

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