Warnstreik mit Menschenkette in Kamen – Kita in Bergkamen teilweise lahmgelegt

dzMit Video und Fotostrecke

Stadtbedienstete aus Kamen und Bergkamen vom Bauhof-Mitarbeiter bis zur Erzieherin sind am Morgen in den Warnstreik getreten. In Bergkamen musste ein Kindergarten in den Notbetrieb gehen.

Kamen, Bergkamen

, 23.09.2020, 11:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 200 Stadtwerke- und Stadtbedienstete aus Kamen und Bergkamen haben am Mittwoch auf dem Rathausplatz in Kamen für mehr Lohn demonstriert. Nach einer Kundgebung bildeten sie eine symbolische Menschen- und Flatterbandkette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz unter der Hochstraßenbrücke und die Poststraße bis zur GSW-Zentrale reichte. Auch Nicole Kürpick, die in einem Bergkamener Kindergarten als Erzieherin arbeitet, machte mit.

Nicole Kürpick arbeitet als Erzieherin in einem Bergkamener Kindergarten. Durch den Warnstreik konnte viele Kinder nicht betreut werden. Die Eltern hätten überwiegend Verständnis gezeigt. „Die Reaktionen auf den Warnstreik waren fast ausschließlich positiv“, so Kürpick.

Nicole Kürpick arbeitet als Erzieherin in einem Bergkamener Kindergarten und beteiligte sich mit rund einem Dutzend Kolleginnen am Warnstreik. Durch den Warnstreik konnte viele Kinder nicht betreut werden. Die Eltern hätten überwiegend Verständnis gezeigt. „Die Reaktionen auf den Warnstreik waren fast ausschließlich positiv“, so Kürpick. © Stefan Milk

Beschäftigte wollen mehr Wertschätzung

Mindestens 150 Euro mehr Lohn im Monat, das fordert die Gewerkschaft Verdi im laufenden Tarifstreit im öffentlichen Dienst. Warum ist die Erzieherin aus Bergkamen zur Demo gekommen? „Weil wir sauer sind“, sagt sie. Worüber? „Über die fehlende Wertschätzung“, antwortet sie. Die Corona-Zeit fordert die Erzieherinnen in Kindergärten besonders.

Kürpick erwartet von den Arbeitgebern, dass sie ein Angebot vorlegen. Die zweite Verhandlungsrunde war am Wochenende ergebnislos zu Ende gegangen. Die Arbeitssituation in Kindergärten sei wegen Corona schwierig, sagt die Bergkamenerin. Das Personal in den Kindergärten sei nicht vollzählig, wo Kollegen aus Risikogruppen nicht zur Arbeit kommen. „Ganz oft findet in Einrichtungen nur Betreuung statt und nicht Förderung“, sagt Kürpick.

Video
Warnstreik und Menschenkette auf dem Kamener Rathausplatz

In der Anfangszeit der Pandemie gab es Szenen, in denen Menschen klatschend vor ihren Häusern oder auf Balkons standen, um denjenigen Respekt zu zollen, die in der Corona-Zeit ihren Job machen. „Es reicht nicht aus, wenn Leute im Fenster stehen und Applaus spenden. Daraus muss eine andere Form der Wertschätzung werden“, sagte Verdi-Funktionär Christian Berger bei der Kundgebung. „Wir wollen eine Entgelterhöhung.“

Arbeitskampf in Corona-Zeiten umstritten

Der Arbeitskampf in Corona-Zeiten ist umstritten. Berger warf den Arbeitgebern vor, auf Angebote nicht eingegangen zu sein, die Tarifrunde zu verschieben. „Uns wird unterstellt, wir würden die Coronazeit ausnutzen. Das Gegenteil ist der Fall“, sagte Berger. „Wenn das einige ausnutzen, dann diejenigen, die sagen, wir würden keinen Arbeitskampf auf die Straße kriegen, und Euch gegen die Bürger ausspielen“, richtete er sich an die Teilnehmer.

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Der Kamener Personalratsvorsitzende Uwe Fleißig forderte die Arbeitgeber auf, „auch unter Coronabedingungen einen fairen und vernünftigen Tarifvertrag abzuschließen“. Frank Vorac von der Verdi-Betriebsgruppe im Bergkamener Rathaus sagte: „Mit Recht fordern die Erzieherinnen mehr Geld. Sie haben Kinder auch am Wochenende betreut, damit ihre Eltern in systemrelevanten Berufen weiterarbeiten konnten. Dabei mussten die Kolleginnen und Kollegen sich immer der Gefahr aussetzen, sich mit Covid-19 zu infizieren.“

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Warnstreik mit Menschenkette vor dem Kamener Rathaus

Beim Warnstreik im öffentlichen Dienst am Mittwoch (23.9.) bildeten rund 200 Demonstranten eine Menschen- und Flatterband-Kette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz in Kamen bis zur GSW-Zentrale reichte.
23.09.2020
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Beim Warnstreik am Mittwoch (23.9.) bildeten rund 200 Demonstranten eine Menschen- und Flatterband-Kette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz in Kamen bis zur GSW-Zentrale reichte.© Stefan Milk
Beim Warnstreik am Mittwoch (23.9.) bildeten rund 200 Demonstranten eine Menschen- und Flatterband-Kette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz in Kamen bis zur GSW-Zentrale reichte.© Stefan Milk
Beim Warnstreik am Mittwoch (23.9.) bildeten rund 200 Demonstranten eine Menschen- und Flatterband-Kette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz in Kamen bis zur GSW-Zentrale reichte.© Stefan Milk
Beim Warnstreik am Mittwoch (23.9.) bildeten rund 200 Demonstranten eine Menschen- und Flatterband-Kette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz in Kamen bis zur GSW-Zentrale reichte.© Stefan Milk
Warnstreik Verdi auf dem Kamener Rathausplatz Menschenkette zum GSW Gebäude
Tarifauseinandersetztung Gewerkschaft Arbeitnehmer© Stefan Milk
Beim Warnstreik am Mittwoch (23.9.) bildeten rund 200 Demonstranten eine Menschen- und Flatterband-Kette, die rund 500 Meter vom Rathausplatz in Kamen bis zur GSW-Zentrale reichte.© Stefan Milk
Zuvor fand eine Kundgebung auf dem Rathausplatz statt – hier Dagmar Wenzel von der Betriebsgruppe der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW).© Stefan Milk
Kundgebung auf dem Rathausplatz: Frank Vorac von der Verdi-Gruppe bei der Stadt Bergkamen sagte: „Die öffentlichen Arbeitgeber setzen darauf, dass wir in Corona-Zeiten nicht streikbereit sind und dass wir die Öffentlichkeit gegen uns haben werden.“© Stefan Milk
Christian Berger von der Gewerkschaft Verdi: „Es reicht nicht aus, wenn Leute im Fenster stehen und Applaus spenden. Daraus muss eine andere Form der Wertschätzung werden.“© Stefan Milk
Christian Berger von der Gewerkschaft Verdi: „Uns wird unterstellt, wir würden die Coronazeit ausnutzen. Das Gegenteil ist der Fall.“© Stefan Milk
Der Kamener Personalratsvorsitzende Uwe Fleißig forderte die Arbeitgeber auf, „auch unter Coronabedingungen einen fairen und vernünftigen Tarifvertrag abzuschließen“.© Stefan Milk
Die Teilnehmer der Kundgebung waren Beschäftigte der Städte Kamen und Bergkamen sowie der Gemeinschaftsstadtwerke.© Stefan Milk
Die Teilnehmer der Kundgebung waren Beschäftigte der Städte Kamen und Bergkamen sowie der Gemeinschaftsstadtwerke.© Stefan Milk
Die Teilnehmer der Kundgebung waren Beschäftigte der Städte Kamen und Bergkamen sowie der Gemeinschaftsstadtwerke.© Stefan Milk
Nach Verdi-Angaben trugen sich knapp über 200 Menschen in Streiklisten ein.© Stefan Milk

Fast alle Teilnehmer mit Mund-Nasen-Schutz

Die Kundgebung fand unter Corona-Auflagen statt. Mit Kreidemarkierungen waren die Stellen markiert, an denen die Demonstranten im Abstand von rund zwei Metern stehen sollten. Fast alle Teilnehmer trugen freiwillig eine Maske. Eine Maskenpflicht hatte die Versammlungsbehörde nicht verhängt. Die Polizei ermahnte einzelne Teilnehmer, den Mindestabstand einzuhalten. Insbesondere vor Versammlungsbeginn und in der Schlange zum Eintragen in Streiklisten standen einige Teilnehmer eng zusammen. Verdi registrierte insgesamt knapp über 200 Teilnehmer.

Hallenbäder bleiben geschlossen

Wegen des Warnstreiks blieben einige öffentliche Einrichtungen am Mittwoch geschlossen oder arbeiteten eingeschränkt. So waren die Hallenbäder in Bönen und Bergkamen geschlossen. Aus den städtischen Kindergärten Tausendfüßler, Mikado und Sprösslinge in Bergkamen nahmen Erzieherinnen am Streik teil, davon rund 12 aus dem „Tausendfüßler“. Zahlreiche Eltern konnten deshalb ihre Kinder dort nicht betreuen lassen. „Die Reaktionen auf den Warnstreik waren fast ausschließlich positiv“, so Verdi-Mitglied und stellvertretende Kita-Leiterin Nicole Kürpick.

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