Kindesmissbrauch durch Mutter – ein Fall fürs Kamener Jugendamt

dzKinderporno-Fall

Eine Mutter aus Kamen soll ihre drei Kinder sexuell missbraucht und dies in Absprache mit einem Chatpartner gefilmt und fotografiert haben. Bei der Festnahme der Frau war auch das Jugendamt involviert.

Kamen

, 15.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Kinder im Alter von sechs, zehn und 13 Jahren sollen von ihrer eigenen Mutter in Kamen sexuell missbraucht worden sein. Der Fall, in dem am 20. August der Strafprozess gegen die 38-Jährige beginnt, hat auch das Kamener Jugendamt beschäftigt.

Dem Vernehmen nach waren Vertreter des Kamener Jugendamts eingebunden, als die tatverdächtige Mutter im Februar 2020 festgenommen wurde. Durch Kinderpornos, auf denen die Kamener Kinder abgebildet sein sollen und die bei einem Hamburger sichergestellt worden waren, war die Polizei auf die Spur des Kamener Falls gestoßen.

? Was sagt das Kamener Jugendamt zu dem Fall?

Das Jugendamt bestätigt oder dementiert ein Mitwirken in diesem Fall nicht. Grundsätzlich sei es so, dass in vergleichbaren Fällen alles getan werde, die Kinder sofort zu schützen. Polizei, Strafverfolgungsbehörden und Jugendhilfe suchten umgehend die Zusammenarbeit, wenn solche Vorfälle bekannt werden.

Dort wo Eltern das Kindeswohl gefährden, hat das Jugendamt in akuten Fällen oder bei Verdacht bestimmte gesetzlich geregelte Schritte zu unternehmen. Kamen verfügt zudem über ein freiwilliges Präventionskonzept, das Stadt, Kitas, Schulen und andere Träger vereinbart haben.

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? Was unternimmt das Jugendamt, wenn Kinder gefährdet sind?

Die Vorgehensweise ist bei einer Kindeswohlgefährdung gesetzlich geregelt: „Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte einzuschätzen.“ Soweit der wirksame Schutz dieses Kindes oder dieses Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird, hat das Jugendamt die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder den Jugendlichen in die Gefährdungseinschätzung einzubeziehen und, sofern dies nach fachlicher Einschätzung erforderlich ist, sich dabei einen unmittelbaren Eindruck von dem Kind und von seiner persönlichen Umgebung zu verschaffen. Hält das Jugendamt zur Abwendung der Gefährdung die Gewährung von Hilfen für geeignet und notwendig, so hat es diese den Erziehungsberechtigten anzubieten.

? War die Mutter dem Jugendamt schon vorher bekannt?

Ob das Jugendamt die Mutter schon vor dem Auffliegen des Missbrauchsfall aus anderen Gründen auf dem Schirm hatte, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob schon frühzeitig gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls der Kinder vorlagen, eine Gefährdungsabschätzung erfolgte oder Hilfen angeboten wurden. Der Strafprozess, wo Jugendamtsmitarbeiter als Zeugen geladen werden können, bleibt abzuwarten.

? Wer entscheidet, ob Kinder aus der Familie genommen werden?

„Hält das Jugendamt das Tätigwerden des Familiengerichts für erforderlich, so hat es das Gericht anzurufen; dies gilt auch, wenn die Erziehungsberechtigten nicht bereit oder in der Lage sind, bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos mitzuwirken.“ So steht es im Gesetz. Besteht eine dringende Gefahr und kann die Entscheidung des Gerichts nicht abgewartet werden, so ist das Jugendamt verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in Obhut zu nehmen.

? Wohin werden gefährdete Kinder gebracht?

Kinder erhalten laut Kamener Jugendamt im Rahmen der Inobhutnahme einen Schon- und Schutzraum, indem sie in Kinderschutzstellen untergebracht werden. Gemeint sind zum Beispiel bei Pflegefamilien. Das Jugendamt begleite das Kind oder die Kinder bei allen anstehenden Fragestellungen wie zum Beispiel Kontakte zu Familienangehörigen und wo der neue Lebensort sein könne. Die Perspektiven für den weiteren Lebensort der Kinder würden allerdings häufig in einem familiengerichtlichen Verfahren geklärt, so das Jugendamt.

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