Kinderwagen als Schmuggelfahrzeug: Paar startet Diebestour durch den Netto in Kamen

dzGericht Kamen

Ein Ehepaar versuchte Lebensmittel und Dinge für seine Kinder ohne zu bezahlen aus einer Kamener Netto-Filiale zu schmuggeln. Die Diebestour endete vor Gericht – mit klaren Worten des Richters.

von Jana Peuckert

Kamen

, 20.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einem knappen Jahr kam ein Ehepaar aus Georgien mit einem Kleinkind nach Deutschland. In Kamen fanden sie eine Bleibe. Vor fünf Monaten kam ein zweites Kind zur Welt. Mit der Geburt wurde es für die Familie finanziell sehr schwierig. Und so sahen sie keine andere Möglichkeit, so der Vater im Amtsgericht Kamen, als Lebensmittel und für die Kinder notwendigen Sachen, zu stehlen.

Gemeinsam mit seiner Frau betrat der 33-Jährige am Nachmittag des 7. Mai die Netto-Filiale an der Weststraße in Kamen. Dort packte das Paar überwiegend Lebensmittel, aber auch Dinge für die Kleinen in den Kinderwagen und in ihre Jackentaschen und verließ, ohne zu bezahlen, das Geschäft.

Amtsgericht Kamen: Angeklagter hat schon einmal gestohlen

Ein Ladendetektiv war allerdings auf das Vorgehen aufmerksam geworden und hielt die Angeklagten auf. Im Gericht beteuerten sie, ihre Tat zu bereuen. Zwar zeigte der Richter ein gewisses Verständnis für die schwierige Lage, in der sich die Familie befindet, allerdings sprach er auch klare Worte: „Sie genießen hier Gastrecht und ein Gast stiehlt nicht .“

Der 33-jährige Ehemann war nicht zum ersten Mal wegen Diebstahls aufgefallen. Am 21. April hatte er die Lidl-Filiale in Kamen als Tatort ausgewählt und Waren im Wert von 22,80 Euro gestohlen. Dafür war ihm am 15. Juni ein Strafbefehl über 15 Tagessätzen zu je 10 Euro zugegangen.

Diese Entscheidung bezog der Richter in das aktuelle Urteil mit ein. Am Ende verurteilte er die Frau zu 200 Euro Geldstrafe und den Ehemann unter Einbeziehung des älteren Urteils zu 300 Euro wegen des gemeinschaftlich begangenen Diebstahls.

Beim nächsten Mal kann der Ehemann auch ins Gefängnis kommen

Zudem führte der Vorsitzende dem Angeklagten vor Augen, dass dieser, trotz Kinder, bei weiterer Begehung von Straftaten auch im Gefängnis landen kann. Dem Richter war klar, dass dem Angeklagten die Zahlung der Geldstrafen schwer fallen würde. Deshalb wies er sie darauf hin, dass sowohl eine Ratenzahlung möglich ist, als auch die Umwandlung in gemeinnützige Arbeit.

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Der 33-jährige Angeklagte akzeptierte die Entscheidung sofort. Und auch seine zwei Jahre jüngere Frau erklärte sich mit dem Urteil einverstanden. Rechtskräftig war es an der Stelle aber noch nicht, weil der Vertreter der Staatsanwaltschaft ein Referendar ist, der keinen Rechtsmittelverzicht erklären darf.

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