Unbekannter wirft Flasche aus Partyzug: Kleinkind lebensgefährlich verletzt

dzDrama im Bahnhof Kamen

Drama im Kamener Bahnhof: Ein Unbekannter wirft eine Flasche aus einem fahrenden Zug, ein Mädchen wird lebensgefährlich verletzt. Die Polizei stoppt den Sonderzug. Doch der Täter bleibt unerkannt.

Kamen, Dortmund

, 01.11.2019, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollten die Menschen in dem Partyzug, der am Freitagvormittag auf dem Weg von Köln nach Norderney auch Kamen passierte, feiern. Als sie erfahren, was auf der Fahrt durch den dortigen Bahnhof gegen 10.50 Uhr passiert ist, macht sich Betroffenheit breit: Ein Unbekannter hat eine Whiskey-Flasche aus dem Fenster geworfen. Sie trifft ein zweijähriges Mädchen und verletzt dieses lebensgefährlich.

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Unbekannter wirft Flasche aus Partyzug: Kleinkind lebensgefährlich verletzt

Die Tag ereignete sich bei der Durchfahrt durch den Kamener Bahnhof. © Stefan Milk


Der Vater hielt das Kind auf dem Arm

Besonders tragisch: Der Vater des Kindes hielt seine Tochter auf dem Arm. Er ging eine der Treppen hoch, die auf die Gleise des Kamener Bahnhofs führen. Das Kind wird ins Krankenhaus gebracht. Während die Ärzte um das Leben des kleinen Mädchens kämpfen, beginnt die Bundespolizei mit der Suche nach dem Flaschenwerfer, der sich noch in dem Zug befinden muss. Der letzte Halt vor Kamen war in Dortmund, wo viele Menschen zugestiegen sind. In den Waggons, in denen schon früh am Tag Alkohol fließt, spricht sich bald herum, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Die DJs drehen die Musik im Disco-Raum ab, berichtet ein Mitreisender, Gerüchte machen die Runde.

Die Polizei stoppt den Zug in Greven

Unbekannter wirft Flasche aus Partyzug: Kleinkind lebensgefährlich verletzt

Auf dem Bahnhof in Greven wartete ein größeres Polizeiaufgebot auf den Zug. © Holger Niehaus

Dann lässt die Bundespolizei den Zug stoppen. Er hält gegen 13 Uhr am Bahnhof im münsterländischen Greven im Kreis Steinfurt. Auf dem Bahnsteig steht ein großes Aufgebot uniformierter Bundespolizisten. Spätestens jetzt wird dem letzten klar, dass sich etwas Schlimmes ereignet hat. Es spricht sich herum, dass der Flaschenwurf ein Kind getroffen hat. In einer Durchsage der Bundespolizei sei sogar von einem Tötungsdelikt die Rede gewesen, berichtet ein Mitreisender am Telefon. Deshalb gehen viele davon aus, dass das Mädchen durch den Wurf getötet wurde. Diese Befürchtung bewahrheitet sich allerdings nicht.

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Die Bundespolizei kontrollierte alle Zug-Insassen. © Holger Niehaus


Der Flaschenwerfer stellt sich nicht

Die Hoffnung der Polizei, dass der Flaschenwerfer sich freiwillig meldet, erfüllt sich nicht. Also machen sich die Beamten daran, die Personalien aller Zug-Insassen aufzunehmen. Das ist mit einem enorm großen Aufwand verbunden, in dem Zug befinden sich schließlich mehrere hundert Menschen. Niemand darf aussteigen. Die Beamten gehen von Waggon zu Waggon und fotografieren jeden einzelnen Passagier mitsamt seines Personalausweises. Das dauert.

Die Kontrolle dauert bis zum Abend

Der Zug steht noch am Abend in Greven. Wie ein Augenzeuge berichtet, stößt die Polizeimaßnahme nicht bei allen Reisenden auf Verständnis. Andere hingegen drücken ihnen die Daumen, dass sie den Täter schnell fassen. Danach sieht es zunächst allerdings nicht aus. Dann erhöhen die Ermittlungsbehörden den Druck. Vertreter der Staatsanwaltschaft Dortmund steigen in den Zug.

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Staatsanwaltschaft fordert den Täter auf, sich zu melden

Per Lautsprecherdurchsage berichten sie von den lebensgefährlichen Verletzungen des Kleinkindes und fordern den Flaschenwerfer auf, sich zu stellen. Das würde sich strafmildernd auswirken. Doch auch dieser Appell bleibt ohne Erfolg, der Täter bleibt erst einmal unbekannt. Gegen 18 Uhr schließlich gibt die Polizei den Zug wieder frei, die Beamten steigen aus. Die Fahrt kann weiter gehen, die Musik im Partyzug erklingt aber nur noch gedämpft.

Die Fahnder geben ihre Bemühungen, den Flaschenwerfer zu fassen, nicht auf. Sie müssen nun die Personalien und die Spuren aus dem Zug auswerten. Diese ziemlich personalintensive Aufgabe übernimmt die Polizei in Dortmund, wie Pressesprecherin Dana Seketa berichtet: „Wir werden dafür eine Ermittlungskommission gründen.“

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