Kettler-Mitarbeiter im Outlet-Store ernüchtert: „Das ist einfach Scheiße“

dzAus für Kettcar-Hersteller

Bis zuletzt gehofft, aber das Aus befürchtet: Die Kettler-Mitarbeiter, die neben Kaufland und Hornbach im Outlet am Zollpost arbeiten, stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Kamen

, 15.10.2019, 12:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Aus für das Traditionsunternehmen Kettler ist zwar beschlossene Sache. Wie es aber im Factory-Outlet-Store im Gewerbegebiet Zollpost weitergehen wird, darüber haben die Beschäftigten noch keine Information vorliegen. „Wir sind alle im Ungewissen“, so ein Mitarbeiter des Kettcar-Herstellers, der dort seit mehreren Jahren beschäftigt ist.

Vor allem Gartenmöbel, Fitnessgeräte und Kettcars stehen dort zum Verkauf: in jenem Kamener Gewerbegebiet, in dem als Magneten der Baumarkt Hornbach, Kaufland, Meda-Küchen und der Spielzeugmarkt Toys beheimatet sind. Fahrräder gibt es dort seit drei Jahren nicht mehr, seitdem Kettler die Produktion eingestellt hat.

Kettler-Mitarbeiter im Outlet-Store ernüchtert: „Das ist einfach Scheiße“

Werksverkauf mit Gartenmöbeln und früher auch Fahrrädern: Der Outlet-Store von Kettler in Kamen öffnete am Dienstag pünktlich. © Stefan Milk

Kettler-Mitarbeiter: „Man hat es schon geahnt“

„Wie es uns nach der Entscheidung geht?“, antwortet der Mitarbeiter auf die Frage mit einer Gegenfrage und sagt dann deutlich: „Man hat immer gehofft, aber man hat es schon geahnt. Jetzt ist es einfach Scheiße.“

Die dortigen Mitarbeiter, so heißt es, hätten dort gern gearbeitet, weil Kettler nicht nur ein weltbekannter Arbeitgeber gewesen sei, mit dem man sich identifizieren konnte. Sondern auch, weil es sich um einen guten Job gehandelt habe. „Wir hatten einfach gute Ware. Ein Ware, da konnte man den Kunden ehrlich sagen: Das ist etwas Vernünftiges, das sie da kaufen.“

Standort Kamen war kein Thema bei Betriebsversammlung

Auch die Outlet-Mitarbeiter, die direkt bei Kettler angestellt sind, hatten am Montagmorgen an der Betriebsversammlung in der Schützenhalle in Ense-Bremen teilgenommen. „Dort haben wir aber nichts über unseren Standort in Kamen erfahren.“ Vermutlich würden sie jetzt erst in den nächsten Tagen eine Information erhalten.

Am Dienstag öffneten die Mitarbeiter das Outlet pünktlich und berieten sofort die ersten Kunden, die freilich auch oft Fragen nach der Zukunft Kettlers in Kamen stellten.

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Im Jahr 2011 das Outlet im Zollpost eröffnet

Im Jahr 2009 war im Rahmen des Sanierungskonzepts beschlossen worden, den an der Henry-Everling-Straße beheimateten Werksverkauf ins Gewerbegebiet Zollpost zu verlagern.

In dem nachgefragten Gewerbegebiet suchte der Freizeitartikelhersteller fortan mit der Eröffnung im Jahr 2011 den direkten Draht zum Kunden. Statt versteckt in den Werksverkauf über den Hinterhof zu gehen, wo man über eine Treppe in die alte Industriehalle gelangte, zeigte sich Kettler im Zollpost modern und zeitgemäß. Es bildete das neue Gesicht des Unternehmens, dessen Probleme sich schon im Jahr 2004 verschärft hatten. 15 Jahre lang erlebten die Mitarbeiter ein Auf und Ab.

Stammsitz in Ense-Parsit

Kettler seit 1949

  • Das Unternehmen, das das weltbekannte Kettcar erfunden hat, wurde im Jahr 1949 von Heinz Kettler in Parsit, heute ein Ortsteil von Ense, gegründet. Kettler verstarb im Jahre 2005 im Alter von 77 Jahren. Das Unternehmen wurde später lange von seiner Tochter Dr. Karin Kettler geführt.
  • Kettler hat seinen Stammsitz in Ense-Parsit. Dort befindet sich neben der Verwaltung auch ein Teil der Produktion. In der Nachbarstadt Werl hat Kettler jahrelang vier Werke betrieben, bevor der Schrumpfungsprozess eingeleitet wurde: Das Werk „Mersch“ war das größte innerhalb der Unternehmensgruppe. Dort befand sich auch die Entwicklungsabteilung mit Konstruktion, Modellbau, Schlosserei und Werkzeugbau. Die Werke Werl-Sönnern I und II an der Hammer Straße in Werl produzierten unter anderem Tischtennisplatten.

Kündigungen vermutlich mit Wirkung zum 31. Januar

500 Mitarbeiter werden durch das Kettler-Aus ihren Arbeitsplatz verlieren, darunter auch zahlreiche Kamener, die nach der Werksschließung in Kamen weiter in Werl und Ense beschäftigt wurden.

Im Outlet-Store arbeiten aktuell bereits nur noch drei Mitarbeiter. Dabei war Kamen Jahrzehnte lang einer der großen Produktionsstandorte der weltbekannten Marke. 1964 war das Werk eröffnet worden, bevor dort im vorigen Jahr endgültig die Lichter ausgingen.

144 Beschäftigte, so hieß es auf der Betriebsversammlung, werden in den kommenden Monaten noch zum sogenannten „Ausproduzieren“ benötigt. Unterdessen wird ein Sozialplan mit dem Betriebsrat ausgearbeitet, auf dessen Grundlage die Kündigungen ausgesprochen werden.

Ziel ist offenbar, diese mit Wirkung zum 31. Januar kommenden Jahres auszusprechen. Dann könnte auch das Outlet im Zollpost schon geschlossen sein. „Es war eine angenehme Stelle, ein schöner Job hier“, sagt der Zollpost-Mitarbeiter bedauernd, der sich, ganz Verkaufsprofi, aber jetzt schon wieder dem nächsten Kunden zuwendet. Morgen wird er wohl wieder öffnen. Vermutlich.

Kettler-Mitarbeiter im Outlet-Store ernüchtert: „Das ist einfach Scheiße“

Im Zollpost sind viele bekannte Unternehmen angesiedelt. Die Strahlweite des Gewerbegebiets reicht weit über Kamen hinaus. © Marcel Drawe

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