Auf der Bahnhofstraße liegen Piktogramme, die die Fahrradstraße deutlich machen. Radler sind auf der Straße gleichberechtigt unterwegs und dürfen auch in Pulks fahren. © Marcel Drawe

Keine Vorfahrt für Autos: Neue Fahrradstraßen in Kamen geplant

Weitere Fahrradstraßen, um mehr Bürger aufs Rad zu locken. Nachdem die ersten Straßen für Radfahrer umstritten waren und als Verkehrsexperiment bezeichnet wurden, nimmt ihre Bedeutung zu.

Vorfahrt für den Radverkehr – oder zumindest mehr Gleichberechtigung: Das will die Stadt Kamen über zwei neue Fahrradstraßen erreichen. Bisher gibt es fünf, von denen die prominenteste die Bahnhofstraße ist auf dem Teilstück zwischen Sesekepark und dem Rathaus.

Fahrradstraße Nummer 6 und 7 sollen auf einem Teilabschnitt der Straße „Am Schwimmbad“ entstehen und auf der Straße „Horsthof“. „Es sollen nicht die letzten bleiben“, wie der Fahrradbeauftragte Matthias Breuer äußert. Jüngst wurde ein Abschnitt der Märkischen Straße in Heeren-Werve für die gleichberechtigte Fahrt zwischen Autos und Radlern freigegeben.

Die Fahrradstraße soll die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen. Radler sind gleichberechtigt gegenüber dem motorisierten Verkehr unterwegs.
Die Fahrradstraße soll die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen. © picture alliance / Daniel Bockwo © picture alliance / Daniel Bockwo

Autofahrer müssen sich auf Fahrradstraße anpassen

Die Fahrradstraße soll die Attraktivität des Radverkehrs steigern und Vorteile gegenüber dem Kraftfahrzeugverkehr schaffen. Radler sind nicht nur gleichberechtigt gegenüber dem motorisierten Verkehr unterwegs, sie stehen unter besonderem Schutz.

Das heißt: Besteht für Auto-, Lastwagen- oder Busfahrer nicht die Gelegenheit, gefahrlos zu überholen, müssen sie hinter den Radfahrern bleiben. Ein Praxistest unserer Redaktion ergab: Nicht alle Autofahrer wissen das oder halten sich daran. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle Fahrzeuge 30 Stundenkilometer.

Radler dürfen nebeneinander fahren

Die Radler haben auf Fahrradstraßen das Recht, jederzeit nebeneinander zu fahren – auf anderen Straßen gilt das laut Straßenverkehrsordnung nur, „wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird“.

Kraftfahrer müssen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden. In jüngster Vergangenheit gab es einige Verbesserungen für Fahrradfahrer, vor allem durch zusätzliche Stellplätze. Vor zwei Wochen eröffnete das neue Radparkhaus am Bahnhof in Methler.

Lenbachstraße war Kamens erste Fahrradstraße

Die Lenbachstraße war Kamens erste Fahrradstraße. Sie bildet mit der Unterführung an der Bahnstrecke Dortmund-Hamm eine Verbindung von der Stadtmitte zum Schulzentrum an der Gutenbergstraße. Die nächsten Fahrradstraßen waren die Borsigstraße hinter dem Bahnhof und der Mühlentorweg als Ergänzung des Sesekewegs.

Seit Anfang Oktober 2015 ist die verkehrsreiche Bahnhofstraße eine Fahrradstraße, nachdem der ADFC Kamen-Bergkamen die Anregung dazu gegeben hatte. Die CDU hatte gegen die Umwidmung gestimmt. Die damalige Fraktionschefin Ina Scharrenbach, jetzt Ministerin in Düsseldorf, titulierte das damals umstrittene Vorhaben als „Verkehrsexperiment“.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke