Keine Hitze mehr, endlich Regen: Bauern fahren Gülle aus und sorgen für Naserümpfen

dzLandwirtschaft

Warum riecht die Landluft jetzt besonders streng? Durch die lange Hitzewelle konzentriert sich die Gülle-Ausbringung auf wenige günstige Tage. Ein Anwohner rümpft die Nase, ein Landwirt beschwichtigt.

Kamen

, 25.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein strenger Geruch lag am Montag über Kamener Feldern: Gülle. Die olfaktorischen Ausläufer landwirtschaftlicher Tätigkeit erreichten auch die Nase von Peter Marr aus Westick. „So schlimm war es noch nie“, meint der Dorfbewohner, der Landluft gewohnt ist.

Landwirte schätzen den flüssigen Stalldünger, der Nährstoffe für die Felder liefert. Die Ausbringung von Jauche ist an gesetzliche Vorgaben geknüpft, die negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt verhindern sollen. Im Mai 2020 ist eine verschärfte Düngemittel-Verordnung in Kraft getreten – mit dem Ziel, die Nitrat-Belastung des Grundwassers zu senken und die Trinkwasser-Qualität zu sichern. Dennoch bekommen Landwirte weiter Kritik zu hören.

Flüchtige Nährstoffe bei Hitze

Landwirt Hans-Heinrich Wortmann liefern eine plausible Erklärung dafür, warum die Geruchsbelästigung diesmal möglicherweise besonders stark war. Die Wetterlage ist nach langer Hitzeperiode gerade jetzt günstig, um die Gülle zu verteilen. Vermutlich sind dann gleich mehrere Landwirte gleichzeitig unterwegs.

„Kein Landwirt hat bei über 30 Grad und Sonnenschein gegüllt, denn die Nährstoffe sind bei einer solchen Hitze flüchtig“, erklärt der in Methler ansässige Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Ruhr-Lippe. Jetzt, bei Temperaturen um 20 Grad und bedecktem Himmel, sei die Gelegenheit günstig. „Diese Woche sind immer wieder Regenschauer gemeldet, das ist ideal“, sagt Wortmann.

Anwohner telefoniert sich durch

Der Westicker Anwohner Peter Marr telefonierte sich bis zur Landwirtschaftskammer in Unna durch, um etwas über die Hintergründe der Gülle-Verteilung zu erfahren. „Dort wurde mir kompetent erklärt, dass das Ausbringen von Gülle zur Zeit zulässig ist und auch sinnvoll bei Schauerwetter“, berichtet er.

Nährstoffe müssen nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW so ausgebracht werden, dass sie dann verfügbar werden, wenn die Pflanzen sie benötigen. Gleichzeitig müsse der Boden die Gülle aufnehmen können. Grundsätzlich dürfe Gülle nicht innerhalb einer Sperrfrist auf den Flächen verteilt werden.

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Zwischenfrüchte brauchen Dünger

Landwirte säen jetzt nach der Getreideernte die Zwischenfrüchte aus. „Das ist eine Mischung aus Gras, Ölrettich und so weiter, die im Winter den Boden bedeckt, denn auf diese Flächen kommen im nächsten Jahr vielleicht Kartoffeln und Zuckerrüben“, erklärt Kreislandwirt Wortmann.

Im Herbst dürfen Zwischenfrüchte, Winterraps und Feldfutter gedüngt werden, die bis zum 15. September ausgesät wurden, sowie Wintergerste nach Getreide, die bis zum 1. Oktober ausgesät wurde. Diese Düngung darf nur bis zum 1. Oktober aufgebracht werden, wie die Landwirtschaftskammer NRW erklärt.

Die Landwirte müssen die Gülle in einem Zeitraum von bis zu vier Stunden eingearbeitet haben, um sogenannte Ausgasungen zu vermeiden. Dies dürfte auch in Westick rechtzeitig erfolgt sein. Denn Anwohner Peter Marr musste am Dienstag nicht allzu lange die Fenster geschlossen hatten. „Der Gestank hat deutlich nachgelassen“, stellte er am Nachmittag fest.

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