Kein „Tabuthema“: Wer jemanden durch Suizid verloren hat, sollte darüber sprechen dürfen

dzSelbsthilfegruppe in Kamen

In Kamen soll es eine Selbsthilfegruppe für Jugendliche geben, die einen wichtigen Menschen durch Suizid verloren haben. Dieses Thema häufig ein Tabu. Das macht es den Betroffenen besonders schwer.

Kamen, Kreis Unna

, 03.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das Stigma ‚darüber spricht man nicht‘ traumatisiert Menschen, weil ihre Trauer nicht anerkannt wird“, sagt Walburga Schnock-Störmer. Sie ist die pädagogische Leiterin des Beratungszentrums Leuchtturm e.V. und findet es wichtig, dass trauernde Menschen über den Suizid eines nahestehenden Menschen sprechen. „Der Verlust stellt die gesamte Ordnung auf den Kopf und stellt alles in Frage. Und weil die Welt aus allen Fugen gerät, tut Hilfe Not und macht großen Sinn“, erklärt sie.

Leuchtturm unterstützt trauernde Kinder, Jugendliche und Familien. Die Beratungsstelle hat ihren Hauptsitz in Schwerte, künftig soll es auch eine Anlaufstelle in Kamen geben. In Räumen der Gemeinde Heilige Familie trifft sich bald monatlich eine geleitete Selbsthilfegruppe für Jugendliche, die den Suizid eines nahen Menschen bewältigen müssen.

In Gesprächen mit einem Leuchtturm-Mitarbeiter und mit anderen Jugendlichen sollen die Betroffenen einen Weg für sich finden, mit dem Verlust leben zu können. Schwere Gefühle sollen laut Schnock-Störmer in gute Perspektiven verwandelt werden. „Dabei geht es darum, die Person die gestorben ist, als Person zu würdigen, in ihren Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten zu sehen und zu verstehen.“

Der Bedarf an Beratungen ist gestiegen

Seit zwölf Jahren steht das Beratungszentrum Trauernden bei. Seitdem ist der Bedarf gestiegen, wie Schnock-Störmer beobachtet hat. Jährlich suchen etwa 150 junge Menschen Hilfe in der Beratungsstelle. Dass Leuchtturm immer mehr Anfragen zählt, liege daran, dass Tod und Verlust immer noch ein Tabuthema in der Gesellschaft seien. Auch spielten steigender Alltagsstress und die Digitalisierung, durch die es immer weniger persönliche Gespräche gibt, eine Rolle.

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Dass die Kommunikationswege sich geändert haben, nutzt die Beratungsstelle mit ihrem Angebot „Leuchtturm ON“, um mit den Jugendlichen schnell in Kontakt treten zu können. Auf der Internetseite www.leuchtturm-on.de können die Trauernden kostenlos via E-Mail beraten werden. Die Onlinebegleitung ist laut Schnock-Stömer ein Erstzugang und will helfen, schnell aus der Ohnmacht des Erlebten ins Tun zu kommen. Das sei ein wichtiger Faktor zur gesunden Krisenbewältigung.

Junge Menschen in Kamen konnten sich auch bisher online an Leuchtturm wenden oder freilich nach Schwerte fahren. Bald soll es die Unterstützung auch direkt vor Ort geben. Übrigens nicht nur für Kamener. Denn die Lage von Kamen im Kreis Unna war ein Grund, die Stelle in der Sesekestadt zu eröffnen. Sie soll im Kreis eine Ergänzung zu den Angeboten in Schwerte sein.

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