Gemeinsam Fußball-Schauen ist zwar theoretisch wieder möglich. Szenen wie beim WM-Finale 2014 auf dem Alten Markt wird es aber auf keinen Fall geben. © Stefan Milk (Archiv)
Fußball-Europameisterschaft

Kein „Public Viewing“ in Kamen – auch aus Angst vor der „vierten Welle“

Gemeinsam Tore bei der Fußball-EM bejubeln beim „Public Viewing“ – theoretisch wäre das in Kamen wieder möglich. Praktisch können aber wohl nur Gäste in einer Gaststätte Spiele gemeinsam verfolgen.

Als Deutschland 2014 Fußball-Weltmeister wurde war auch der alte Markt in Kamen außer Rand und Band. Menschen in Schwarz-Rot-Gold lagen sich vor der großen Leinwand in den Armen, Wildfremde feierten ausgelassen miteinander. Eines lässt sich jetzt schon sagen: Dazu wird es bei der bevorstehenden Europameisterschaft auf keinen Fall kommen, ganz gleich wie weit Deutschland diesmal kommt – auch wenn das sogenannte „Public Viewing“ bei der derzeitigen Corona-Lage theoretisch wieder zulässig ist.

Das Kamener Rathaus musste die einschlägigen Verordnungen erst einmal genau prüfen, um zu sehen, was in Hinsicht auf das „Rudelgucken“ beim Fußball geht und was nicht geht. Um es kurz zu machen: Das „Rudel“ muss beim Rudelgucken relativ klein und es muss komplett getestet sein, sonst wird es nichts aus dem gemeinsamen Fußball-Erlebnis – zumindest in Innenräumen.

Beim Public Viewing gelten die gleichen Regeln wie im Kino

Nach Angaben von Hanna Schulze, der Beigeordneten für Recht und Ordnung bei der Stadt Kamen, gibt ein sogenannter „Begleiterlass“ des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) Aufschluss darüber, wie Public-Viewing-Veranstaltungen zu behandeln sind. Für sie gelten in Innenräumen die gleichen Regeln wie für Kinos.

Zulässig sind maximal 250 Personen, die alle einen aktuellen Corona-Test haben. Der Saal muss ständig belüftet sein oder eine zertifizierte Belüftungsanlage haben. Es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln und alle Teilnehmer müssen sich registrieren, damit sie rückverfolgbar sind.

Wer seine Mannschaft anfeuern will, kann das fast ausschließlich daheim vor dem eigenen Fernseher. © dpa © dpa

Für den Kamener Wirtesprecher Ulli Neumann ist das Grund genug, solche Veranstaltungen erst gar nicht ins Auge zu fassen. „Um alle diese Auflagen zu kontrollieren müsste ich einen Sicherheitsdienst anstellen“, vermutet er. Neumann hat sogar Bedenken, dass es zu solchen Massenveranstaltungen kommen könnte. Das könne eine vierte Corona-Welle auslösen oder zumindest begünstigen, fürchtet er. „Die würde uns in der Gastronomie endgültig das Genick brechen.“

Sportschule Kaiserau bietet kein gemeinsames Fußball-Erlebnis an

Offenbar denken fast alle Veranstalter ähnlich. In der Sportschule Kaiserau, in der es früher regelmäßig Public Viewing gab, wird es sie jedenfalls nicht geben, sagt Christian Schubert, Sprecher des Betreibers, des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW). Das Sportzentrum sei wegen der Pandemie ohnehin noch für den Publikumsverkehr geschlossen. Er geht davon aus, dass es auch kein Public Viewing geben wird, wenn die deutsche Nationalmannschaft weit kommt und die Inzidenz weiter sinkt.

Für das Public Viewing draußen gelten die Regeln wie in der Außengastronomie, sagt Schulze. Die sind jedoch auch nicht gerade dazu angetan, ausgelassene Fußballstimmung zu fördern. Jeder muss Maske tragen, bis er an seinem Platz ist, es gilt die Abstandsregel und jeder muss sich registrieren, damit er rückverfolgbar ist. „Ich gehe nicht davon aus, dass sich Menschenmassen auf dem Markt treffen wie früher“, sagt die Beigeordnete.

Fernseher draußen zu den Spielen der deutschen Nationalmannschaft

Immerhin können sich Fußballfans unter diesen Bedingungen an zumindest einem Ort in der Stadt zum Fußball-Schauen unter Gleichgesinnten treffen: Wirt Arjan Gjini vom „En Place“ am Alten Markt will zumindest zu den Deutschland-Spielen zwei Fernseher für die Gäste in der Außengastronomie nach draußen stellen. Wer an einem Tisch Platz nimmt, sich registriert und dort bleibt kann die Spiele zumindest während des Besuchs verfolgen.

Das En Place will zwei Fernseher draußen aufstellen, aber nur bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft. Gäste müssen mit Maske zum Platz gehen, sich registrieren und an ihrem Platz bleiben. © Stefan Milk (Archiv) © Stefan Milk (Archiv)

Alle Spiele könnte das „En Place“ vermutlich ohnehin nicht zeigen, auch wenn es Interessenten für den Fußball ohne deutsche Beteiligung gibt: Diesmal sind nicht alle Spiele in den frei zugänglichen Fernsehsendern zu sehen. Zehn Spiele der insgesamt 51 Spiele gibt es ausschließlich bei Magenta TV der Telekom.

Michael Wilde vom „Kümper´s“ an der Bahnhofstraße verfolgt ohnehin eine ganz anderen Plan, als seinen Gästen Fußball zu zeigen. Es wird keinen Fernseher und damit auch keinen Fußball geben, weder drinnen noch im Außenbereich der Gaststätte, im Hof. „Wir wollen ein Ort für Leute sein, die sich nicht für Fußball interessieren“, sagt Wilde.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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