Kein Platz für Radfahrer: Als durch die Fußgängerzone Autos rollten

dz40 Jahre ADFC

Vorfahrt für Autos, Radler verboten. Als Kamens ADFC 1979 gegründet wird, muss er für Verbesserungen kräftig strampeln. 40 Jahre lang hat er nun dafür kraftvoll in die Pedalen getreten.

Kamen

, 29.01.2020, 14:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang der 70er-Jahre. Auf der Weststraße reihen sich parkende Autos Stoßstange an Stoßstange, während der Verkehr an Werbeschildern wie „Union Bier“, „Eduscho Kaffee“ und „Arzneimittel Hoechst, Apotheke“ vorbei rollt.

Dort, wo heute Fußgängerzone ist, liegt Kamens zentralste Durchgangsstraße. Auf dem rot umrandeten Verbotsschild an der Kreuzung Kämerstraße/Schulstraße wird der Zeitgeist deutlich: Fahrräder sind verboten.

Heutzutage unvorstellbar, auch deswegen, weil der ADFC Kamen wichtige Pionierarbeit fürs Radfahren geleistet hat. Jetzt seit 40 Jahren.

Die Radfahr-Pioniere aus der Anfangszeit

Der Ortsverband Kamen feiert das 40-jährige Bestehen am Sonntag, 2. Februar, in der Gaststätte „Lokaltermin“ am Rathausplatz 1. Mit dabei sind nicht nur die Radfahr-Pioniere aus der Anfangszeit – wie Detlef Knop, Ulrich Lenz und Werner Wülfing. Zu Gast sind auch Heimatministerin Ina Scharrenbach, die als Kamenerin ein Heimspiel hat, und Thomas Semmelmann, Landesvorsitzender des ADFC in NRW. Beginn ist um 11 Uhr. Dr. Uwe Liedtke, Erster Beigeordneter der Stadt Kamen, gibt dann einen Überblick, wie sich Kamen zur Fahrradstadt weiter entwickelt. Jüngster Markstein: Die Eröffnung des Fahrradparkhauses.

Kein Platz für Radfahrer: Als durch die Fußgängerzone Autos rollten

Das Fahrradparkhaus auf dem Willy-Brandt-Platz ist ein Baustein für die fahrradfreundliche Stadt. Der ADFC Kamen hat in den vergangenen Jahrzehnten einen großen Beitrag geleistet, dass für das Radfahren mehr Infrastruktur geschaffen wurde. © Stefan Milk

ADFC Kamen fast zeitgleich mit Bundesverband gegründet

Die Anfänge des ADFC-Ortsverbandes Kamen, so schreibt ADFC-Sprecher Heinrich Kissing in der Einladung, liegen im Frühjahr des Jahres 1979 und gehen auf die Initiative von Heinrich Schumacher aus Westick zurück. Zeitgleich zu den Aktivitäten in Kamen fand die Konstituierung des ADFC auf Bundesebene statt, die formell am 27. September 1979 in Bremen vollzogen wurden – Kamen zählt damit zu den bundesweit ersten ADFC-Gruppierungen: Die Gründung folgte bereits drei Wochen später: Am 17. Oktober 1979 im Lokal Ebel an der Bahnhofstraße. Dort hieß es: „Der emanzipierte Autofahrer steigt um aufs Zweirad.“

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ADFC schon mit Weitsicht bei der Gründung

Bei der Gründung hatte sich die Kamener Gruppe vorgenommen, den Zustand des Radwegenetzes zu prüfen und die vorhandenen Fahrradabstellanlagen zu erfassen. Es sei nicht einzusehen, so Heinrich Schumacher damals, dass man mit Steuergeldern, die auch der Fahrradfahrer aufbringen muss, Parkhäuser für Autos gebaut werden, während die Fahrräder unbewacht im Freien stehen und rosten. Außerdem sei nur ein geringer Aufwand notwendig: „Aus dem Raum für einen Mittelklassewagen können 16 Fahrräder abgestellt werden.“

Kein Platz für Radfahrer: Als durch die Fußgängerzone Autos rollten

Radfahrer vor: An der Bahnhofstraße vor der Fleischerei Radtke hat die Stadt mehrere Abstellbügel errichtet und dafür einen Autostellplatz geopfert. © Stefan Milk

ADFC-Mitglieder sind der Zeit weit voraus

Mit diesen Erkenntnissen waren die ADFC-Mitglieder ihrer Zeit weit voraus - fast 50 Jahre, wenn man darauf blickt, dass jetzt erst Parkplätze für Autos in Stellplätze für Fahrräder verwandelt werden. Das ist jüngst geschehen vor der Fleischerei Radtke an der Bahnhofstraße. Auf dem umgewandelten Stellplatz passen zwar nicht 16 Räder, aber immerhin acht. Die Maßnahme an der Bahnhofstraße ist eine von vielen, die in einem Konzept der Stadt Kamen zur Entwicklung der städtischen Abstellanlagen für Fahrräder steht. Eine andere Maßnahme, siehe oben, ist das neue Radparkhaus am Willy-Brandt-Platz mit 98 Stellplätzen.

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Kamenal pedal - mehr nahmobil leben

Unter dem Motto „Kamenal pedal - mehr nahmobil leben“ setzt der ADFC Kamen auch jetzt wieder Akzente in der Verkehrspolitik. Kissing: „Wir verstehen darunter die kraftvolle Anstrengung aller Verantwortlichen und Beteiligten in den Kamener kommunalen Stadtstrukturen, eine lebenswerte Stadtkultur zu entwickeln, in der die Straßen wieder als Bewegungs-, Lebens- und Erlebnisräume betrachtet werden und nicht als rein technisch-funktionale Verkehrsflächen.“

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