Kaum sind sie da, sind sie schon wieder weg

dzCDU-Vorsitzende

Vier Vorsitzende in sechs Jahren – die Kamener CDU scheint einen hohen personellen Verschleiß an der Führungsspitze zu haben.

Kamen

, 23.11.2018, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dietmar Wünnemann, der am Mittwoch nach nur drei Jahren an der Spitze seinen Rücktritt erklärte, ist nicht der erste Stadtverbandsvorsitzende, der es nicht lange aushält. Sein Vorgänger Rainer Fuhrmann verzichtete 2015 nach nur einer Amtszeit auf eine erneute Kandidatur. Zuvor war Frank Muermann im Jahr 2012, nach nur zwei Monaten im Amt, zurückgetreten. Die Muer-, Fuhr- und Wünnemänner kommen zusammen auf weniger Amtsjahre als ihr Vorgänger Wilhelm Kemna, der insgesamt sieben Jahre den CDU-Stadtverband führte.

Eine undankbare Aufgabe

„Der Job ist eine undankbare Aufgabe, in der man es niemand recht machen kann“, erklärt ein ehemaliger CDU-Ratspolitiker, der nicht genannt werden möchte. Die Parteiarbeit spielt sich in den drei Ortsunionen ab, deren Vorsitzende ihre Themen und Termine gerne selber setzen und den Stadtverband als Klammer sehen. Der Versuch, die Interessen unter einen Hut zu bringen, birgt Konfliktstoff.

Karsten Diederichs-Späh (Methler) findet, dass Wünnemann „hervorragende Arbeit“ geleistet hat. Die mehrheitliche Wahl zum Stadtverbandsvorsitzenden sei richtig gewesen. „Daher ist der Rückzug bedauerlich, aber auch aufgrund der geschilderten Gründe nachvollziehbar“, so Diederichs-Späh. Wünnemann – ebenfalls ein Methleraner – hatte seinen Rücktritt mit einem nicht näher erläuterten Führungsstreit im Stadtverbandsvorstand begründet. Sägte vielleicht Heinrich Kissing im Hintergrund an Wünnemanns Stuhl?

Kissing leitet die Ortsunion Kamen-Mitte/Südkamen und hatte sich vor zwei Jahren ein Duell mit Wünnemann um den Stadtverbandsvorsitz geliefert, das er verlor. Kissing reagiert auf die Frage, wie er den Rücktritt kommentiert, ohne lobende Worte: „Herr Wünnemann und ich haben über die Gründe seines Rücktritts bisher kein Gespräch geführt. Das werden wir sicher noch nachholen. Insofern möchte ich dazu öffentlich keine Kommentierung abgeben.“ Kissing sieht sowohl den Stadtverband als auch die Ortsunionen gut aufgestellt. „Vor einigen Tagen haben wir gemeinsam den terminlichen Fahrplan für das Jahr 2019 entwickelt – eine insgesamt konstruktive, partnerschaftliche und sehr erfreuliche Konferenz aller CDU-Gruppen in Kamen.“

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Wilhelm Kemna, Chef der Ortsunion Heeren-Werve und stellvertretener Stadtverbandsvorsitzender, würdigt insbesondere Wünnemanns Einsatz im Bürgermeisterwahlkampf. „Dietmar Wünnemann hat zurückliegend einen engagierten Wahlkampf geführt, der bis an die Grenzen der Belastbarkeit ging. Dafür ist ihm zu danken. Ich kann jedoch auch nachvollziehen, dass er sich in so kurzer Zeit dem Stress der in 2019 und 2020 aufkommenden Arbeit nicht aussetzen möchte.“

Einig sind sich die drei Ortsunionschefs, dass keine vorzeitige Wiederbesetzung des vakanten Amts erforderlich ist, sondern die turnusgemäße Neuwahl abgewartet werden kann. Die Frage, ob sie eine eigene Kandidatur ausschließen, bejahen sowohl Kissing als auch Diederichs-Späh. Für Kemna ist die Frage zum jetzigen Zeitpunkt „nicht von Relevanz“.

Die beiden Stellvertreter Wünnemanns, Kemna und Rosemarie Gerdes, beide auch Ratsmitglieder, führen die CDU jetzt kommissarisch weiter. Gerdes kommentierte Wünnemanns Rücktritt so: „Ich bin der Meinung, in einer demokratisch geführten Partei sollten unterschiedliche Meinungen möglich sein. Wie es weitergeht, wird in den entsprechenden Gremien zu besprechen sein. Zuerst einmal machen Herr Kemna und meine Person die Arbeit weiter. Den Vorsitz strebe ich auf keinen Fall an.“

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