Kamens Karstadt wird 1971 eröffnet und bietet Jahrzehnte lang einen festen Ankerpunkt. Dass es einmal schließen könnte, wurde nicht für möglich gehalten, bis die Karstadt-Krise die Stadt erreichte.

Kamen

, 05.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bevor Karstadt 1971 eröffnete, gab es auf der Baustelle in der Innenstadt Szenen, die an den Neubau des jetzigen Kamen-Quadrats erinnern. Nahezu 35 Jahre war Karstadt fortan ein Ankerpunkt des Innenstadthandels und hatte auch Strahlweite ins Umfeld. Hier ist die Chronologie des Hauses.

Die Chronologie des Aufstiegs und Falls eines Warenriesen


1969: Erste Planungen für ein Kaufhaus an der Kampstraße.
Januar 1971:
„120 Frauen und Mädchen im neuen Kaufhaus tätig - Karstadt will Mitte Februar eröffnen“, schrieb unsere Zeitung und veröffentlichte mehrere Bilder von den letzten Arbeiten.
Februar 1971:
Eröffnung am 18. Februar und Start der jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte auf ca. 3100 Quadratmeter Verkaufsfläche mit 120 Mitarbeitern; eine Erfolgsgeschichte, die fast vier Jahrzehnte Bestand hat, wenn man die fünf Jahre unter Hertie-Flagge mitzählt. Zu der Zeit, 1971, war es das 71. Haus im Karstadt-Konzern.

„120 Frauen und Mädchen im neuen Kaufhaus tätig." So berichtete unsere Zeitung im Januar 1971 vor der Karstadt-Eröffnung über die letzten Arbeiten im neuen Kaufhaus.

„120 Frauen und Mädchen im neuen Kaufhaus tätig." So berichtete unsere Zeitung im Januar 1971 vor der Karstadt-Eröffnung über die letzten Arbeiten im neuen Kaufhaus. © Archiv

1985: Weitere 50 Mitarbeiter, insgesamt 150, arbeiten in dem Haus, das immer wieder umstrukturiert wird. Die Lebensmittelabteilung schließt, dafür werden andere Sortimente aufgebaut.

2001: Am Freitagabend des 20. Julis, 18.30 Uhr, brennt es in der Sportabteilung. Das Feuer kommt von einem Regal mit Inline-Skatern. Das Kaufhaus wird sofort geräumt. Der Schaden hat einen Umfang von 10- bis 15.000 Euro. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Über den Brand bei Karstadt im Jahr 2001

Über den Brand bei Karstadt im Jahr 2001 © Archiv

Ende 2004: Der Einzelhandelskonzern Karstadt beschließt, 74 Warenhäuser als „Karstadt Kompakt“ auszugliedern.

1. Oktober 2005: Die Investorengruppe „Dawnay Day“ übernimmt die 74 Häuser.

1. März 2007: Die Häuser erhalten den Traditionsnamen Hertie.

31. Juli 2008: Hertie meldet Insolvenz an.

27. Januar 2009: 19 von 74 Filialen sollen geschlossen werden - Kamen nicht.

20. Mai 2009: Hertie beschließt, den Betrieb in allen Häusern einzustellen. Gilbert Weigel, Sabine Gladasch, Rene Kohls, Wolfgang Ingenleuf und Arne Schweiger hatten die Geschicke des Hauses, vor allem unter Karstadt, in den Jahren zuvor geleitet.

Sortimente, die sich nach und nach verändern. Neu gestaltet hat Karstadt nach der Umwandung zu „Karstadt kompakt“ die Leonardo-Abteilung. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2006.

Sortimente, die sich nach und nach verändern. Neu gestaltet hat Karstadt nach der Umwandung zu „Karstadt kompakt“ die Leonardo-Abteilung. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2006. © Archiv

8. August 2009: Letzter Tag in Kamens Hertie-Haus.

9. August 2009: Erster Tag der Schließung.

15. Dezember 2009: Der Discounter „Joker“ beendet den Leerstand.

13. Januar 2010: Das Joker-Intermezzo ist beendet.

Februar 2010: Das Parkdeck mit seinen 240 Parkplätzen schließt. Die Eigentümerin Dawnay Day versucht, im Haus einen großen Lebensmittelmarkt anzusiedeln.

25. September 2010: Das Parkdeck steht fürs freie Parken wieder zur Verfügung.

März 2011: Die BNP Paribas Real Estate, die als Maklerin für Dawnay Day auftritt, spricht von großem Investoreninteresse. Bundesweit hat sie 25 Häuser verkauft, 39 stehen aus.

Februar 2012: Insolvenz der Hertie-Objektgesellschaft HIDD Kamen BV, Niederlande. Die Eigentumsverhältnisse sind im Geflecht komplizierter Gesellschaftskonstruktionen undurchsichtig.

September 2012: Den Hertie-Städten reicht‘s: In einer gemeinsamen Erklärung beklagen sich 30 deutsche Kommunen, darunter Kamen, über die schleppende Vermarktung der leer stehenden Warenhäuser. „Eine anonyme Vermögensmasse dümpelt vor sich hin, keiner fühlt sich zuständig. Markante, die Innenstädte prägende Kaufhausgebäude verkommen zusehend zu Bauruinen“, heißt es in der sogenannten Binger Erklärung, die auch von Kamens Wirtschaftsförderer Ronald Sostmann unterzeichnet wurde.

Jetzt lesen

November 2012: Die Binger Bürgermeisterrunde ernennt einen Sprecherrat. Mit dabei sind Kamen, Bingen, Gronau, Tuttlingen, Itzehoe und Delmenhorst.

März 2013: Die Neue-Mitte-Kamen GmbH erwirbt das Hertie-Haus.

November 2013: Die Abrissparty bei Hertie lockt über 1000 Besucher und setzt das Signal für den ersehnten Neubau. Doch auch nostalgische Gefühle für das Kaufhaus kommen hoch. Zufällig haben sich vier Ex-Karstädterinnen auf der Abrissparty getroffen. „Wir waren wie eine Familie, haben zusammen geheiratet, Kinder bekommen“, heißt es.

Januar 2014: Die ersten Bagger rollen für den Abriss an, am 10. April erfolgt der erste Spatenstich.

Februar 2015: Der Ankermieter Rewe Nüsken springt ab.

Juli 2015: „Kamen-Quadrat“ heißt das Einkaufszentrum, das am 15. Juli eröffnet wird. Zehn Unternehmen mit Pachtverträgen zwischen 10 und 20 Jahren, 6.500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, etwa 150 Mitarbeitern und 164 kostenpflichtigen Stellplätzen auf dem Parkdeck bilden die Eckdaten des Neuanfangs.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bahnunterführung Kamen
Durchradeln verboten an Bahnunterführung: Warum ist diese leere Fläche abgesperrt?
Hellweger Anzeiger Hellmig-Krankenhaus Kamen
Horror-Erlebnis: Vermisste Frau (80) saß 36 Stunden lang auf Krankenhaus-Toilette
Hellweger Anzeiger Krach in der Nacht
Dumpfe Schläge sind auch in Unna zu hören: Stammen sie von einer Autobahnbaustelle?
Meistgelesen