Kirche durfte nicht wackeln: Heikle Kanalbau-Mission geschafft

dzMargaretenkirche in Methler

Wer dicke Kanalrohre direkt neben einer 800 Meter alten Kirche verlegen soll, kann schon mal nervös werden. An der Margaretenkirche in Methler haben Kanalbauer die heikle Mission souverän erfüllt.

Kamen, Methler

, 30.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aufatmen auf der kniffligsten Kanalbaustelle Kamens: Die denkmalgeschützte Margaretenkirche in Methler hat die Bauarbeiten offenbar unbeschadet überstanden. Die Kanalrohre wurden nur wenige Meter neben dem 800 Jahre alten Baudenkmal mit einem Pressverfahren horizontal ins Erdreich getrieben – keine Standardaufgabe für den Stadtentwässerungsbetrieb Kamen.

Der zuständige Kanalbau-Chef der Stadt Kamen ließ sich am Dienstagmorgen in einer Baubesprechung über den Fortschritt bei den Bauarbeiten auf dem Lutherplatz informieren. Die Arbeiten seien erfolgreich verlaufen, sagte Betriebsdienst-Leiter Bernd-Josef Neuhaus. Das komplizierte Projekt war erst im Sommer nach einem etwa zweijährigen Baustopp wieder gestartet.

Zeitweiliger Baustopp ab Sommer 2017

Die Baustelle lag ab etwa Mitte 2017 brach, nachdem Zweifel an dem zunächst gewählten Bauverfahren aufgekommen waren. Die Prüfung einer Alternative zog sich hin. Nach der Wiedereinrichtung der Baustelle im Juni 2019 wurden ab September die 80 Zentimeter dicken Kanalrohre per „Microtunneling“ verlegt. Die Bauarbeiter der Baufirma Steinbrecher aus Rheine hoben dazu drei Gruben nördlich und westlich der Kirche aus, die mit Spundwänden gesichert sind. In über vier Meter Tiefe kam dann unter Regie der Spezialfirma Jordan aus Köln eine lasergesteuerte Mini-Tunnelbohrmaschine zum Einsatz.

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Die Kanalrohre liegen jetzt wie vorgesehen an Ort und Stelle. Betriebsdienst-Leiter Neuhaus zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. „Das ist eine Bestätigung dafür, dass wir uns richtigerweise so viel Zeit genommen haben“, sagte er. Zwei der drei Baugruben sind noch offen, darin ziehen Arbeiter derzeit mit Ziegelsteinen jeweils ein Schachtbauwerk hoch – also eine Art Verteiler. Die dritte, östliche Baugrube ist bereits verfüllt.

Kirche durfte nicht wackeln: Heikle Kanalbau-Mission geschafft

Blick in die mittlere von drei sogenannten Pressgruben an der Margaretenkirche: Hier kommt aus östlicher Richtung ein 80 Zentimeter dickes Kanalrohr an (Mitte) und schwenkt dann nach Süden ab (r.). © Marcel Drawe

Lutherplatz

Großer Aufwand für 190 Meter Kanal

Auf der Nord- und Westseite der Margaretenkirche, auf dem Lutherplatz in Methler, wird auf 190 Metern Länge ein Kanal erneuert. Es handelt sich um das letzte fehlende Teilstück einer Baulänge von 380 Metern zwischen Gantenbach und Otto-Prein-Straße. Die Bauarbeiten begannen bereits 2016 und wurden auf 1,3 Millionen Euro beziffert. Zwischen 2017 und 2019 waren die Arbeiten unterbrochen, weil aus Rücksicht auf die Margaretenkirche – ein spätromanisches Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert – ein möglichst schonendes Bauverfahren gesucht wurde.

Während die Kanalbauer auf der Nord- und Westseite der Kirche auf die Zielgerade gehen, nutzt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Methler die Chance auf die Neugestaltung des Lutherplatzes im Süden. Die Entscheidung fiel auf einen Belag aus Betonstein in Muschelkalk-Optik namens „Viastone Grande linear“. Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Krabbe aus Ostrup war am Dienstag mit Pflasterarbeiten beschäftigt. Der Weg vom Lutherhaus zum Südportal ist bereits fertig und für Fußgänger freigegeben. Noch gesperrt, aber schon mit neuen Steinen bedeckt, ist die östlich daran anschließende Fläche. Das Ziel ist es, die Bauarbeiten bis zum Methleraner Weihnachtsmarkt am dritten Adventswochenende (14./15. Dezember) weitgehend abzuschließen.

Erste Stimmen zum neuen Erscheinungsbild des Kirchplatzes

Die ersten Eindrücke vom neuen Lutherplatz sind positiv. „Ganz fantastisch, passt gut zur Kirche“, sagte ein Passant am Dienstag. „Sieht gut aus“, meint auch Manfred Chytralla vom Radsportverein Wanderlust, dessen Vereinslokal am Tor zum Lutherplatz liegt.

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