Liegt neben der A1 ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg? Der Kampfmittelräumdienst setzte seine Suche am Sonntagmorgen fort. Kurz vor Mittag gab es Entwarnung.

Kamen

, 25.11.2018, 09:27 Uhr / Lesedauer: 1 min

Neben der Autobahn 1 in Kamen nahm der Kampfmittelräumdienst am Sonntagmorgen die Baggerarbeiten an einem Blindgänger-Verdachtspunkt wieder auf. Zunächst war unklar, ob sich an der Stelle auf dem Werksgelände des Multikonzerns 3M tatsächlich ein Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg befindet. Kurz vor Mittag stießen die Arbeiter in einer Tiefe von ungefähr 6,50 Meter auf Metall. Doch statt eines Eisenkörpers tauchte bloß ein altes Drahtseil auf.

„Es ist keine Bombe gefunden worden“, sagte Hanno Peppmeier, Sprecher der Stadt Kamen. „Man hat ein sogenanntes Ankerseil gefunden, das früher beim Bau eines Pumpenhauses auf dem Werksgelände zur Sicherung der Spundwände diente.“ Der harmlose Fund kann im Boden bleiben. Hätte sich der Bombenverdacht bestätigt und wäre eine Entschärfung erforderlich gewesen, hätten sowohl die A1 als auch die B233 (Unnaer Straße) im Lauf des Sonntags gesperrt werden müssen. Die städtische Ordnungsbehörde blies die Vorbereitungen auf eine Sperrung wieder ab und informierte die Kreispolizei, die Autobahnpolizei, die Feuerwehr sowie den Landesbetrieb Straßen NRW.

Fliegerbomben

Als der Luftkrieg tobte

Woher stammen die Fliegerbomben, die in den vergangenen Jahren in Kamen gefunden wurden? Sechs Wochen vor dem Einmarsch der Alliierten erfolgte am 24. Februar 1945 der größte Bombenangriff auf den Raum Kamen. Über 2000 Sprengkörper wurden über der Stadt abgeworfen. Wie schon beim Angriff vom 16. Februar 1945 starben zwölf Menschen. Nach dem ersten Bombenabwurf am 9. Januar 1941 – ohne Todesopfer – hatte es bis 1945 keine weiteren Attacken gegeben. Die Chemischen Werke in Bergkamen galten als Hauptziel. Die Gesamtbilanz des Bombenkriegs für Kamen waren 80 zerstörte Häuser, 70 schwer und 330 leicht beschädigte Häuser, wie der Historiker Christian Frieling dokumentiert hat.

Vor Ort waren am Sonntagmorgen Mitarbeiter der auf Bombenräumung spezialisierten Fachfirma Tauber, des Kampfmittelbeseitigungsdiensts Westfalen-Lippe der Bezirksregierung Arnsberg sowie der Stadt Kamen. Auch ein Projektleiter des 3M-Werks verfolgte die Arbeiten. Der Verdachtspunkt liegt rund drei Kilometer südlich des Kamener Kreuzes in Höhe der A1-Anschlussstelle Kamen-Zentrum.

Der Verdacht auf einen Blindgänger hatte sich im Zusammenhang mit einer Werkserweiterung vor zwei Jahren ergeben. 3M produziert in Kamen unter anderem Medizinprodukte wie Wundpflaster und Wärmedecken. Die Baggerarbeiten begannen am Samstag und wurden am Abend ausgesetzt.

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Suche nach einer Fliegerbombe an der A1

Der Kampfmittelräumdienst hat seit Samstag (24. November) nach einer mutmaßlichen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Ausgebuddelt wurde jedoch etwas anderes.
25.11.2018
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Der Kampfmittelräumdienst hat seit Samstag (24. November) in Kamen nach einer mutmaßlichen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gegraben. Der Verdachtspunkt lag auf dem 3M-Werksgelände an der Edisonstraße (im Hintergrund die A1)© Stefan Milk
Der Verdachtspunkt liegt in der Nähe der A1-Anschlussstelle Kamen-Zentrum. Dort verläuft auch die B233/Unnaer Straße.© Stepmap
Die Baggerarbeiten fanden unter erschwerten Bedingungen statt. Wasser drang in die Grube ein - und dann tauchte auch noch ein Leerrohr unbekannter Herkunft auf.© Stefan Milk
Die Experten für Kampfmittelbeseitigung baggerten und schaufelten sich in zwei Tagen bis auf eine Tiefe von 6,50 Meter vor.© Stefan Milk
Das Ergebnis der ganzen Buddelei: ein harmloses Drahtseil, das früher beim Bau eines benachbarten Pumpwerks zur Sicherung einer Spundwand diente. Die vorbereitete Sperrung der A1 und der B233 in der Nähe des Fundorts konnte abgeblasen werden.© Stefan Milk

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