Kamens Schulen sind mit Lehrern gut besetzt. Was fehlt, sind Zusatzkräfte, die den Schulalltag einfacher machen. Mangel herrscht an Berufseinstiegsbegleitern, Sonderpädagogen und Schulsozialarbeitern.

Kamen

, 12.02.2020, 17:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit ausreichend Lehrern gut aufgestellt, aber durch fehlende sonderpädagogische Kräfte, Berufseinstiegsbegleiter und Schulsozialarbeiter ist auch ein Mangel da. Sowohl Grundschulen als auch weiterführende Schulen in Kamen könnten zurzeit weiteres Personal gebrauchen, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Das ist aber schwer zu finden, wie Beate Schroeter, Schulrätin im Kreis Unna, für die Grundschulen feststellt. „Wenn wir eine Ausschreibung veröffentlichen, dann melden sich keine Bewerber.“

Die Zusatzkräfte sind in vielen Bereichen tätig. Vor allem geht es darum, das sogenannte „Gemeinsame Lernen“ zu unterstützen, seitdem zahlreiche Förderschul-Standorte wie die Käthe-Kollwitz-Schule in Heeren-Werve aufgelöst wurden. Stadtweit 42 Schüler mit Förderbedarf werden zurzeit an den sechs Grundschulen unterrichtet. Insgesamt gibt es 1460 Grundschulkinder.

Grundschulen: Mehr Sonderpädagogen hilfreich

Anders als in anderen Städten und Kreisen, so berichtete Schroeter jetzt im Schul- und Sportausschuss, sei der Kreis Unna personell gut versorgt. An den Kamener Grundschulen sind 14 sonderpädagogische Lehrkräfte tätig. „Damit sind die Schulen auskömmlich besetzt. Das heißt aber nicht, dass die Besetzung auch gefühlt auskömmlich ist“, sagt Schroeter mit Blick auf den Schulalltag, wo mit Inklusion und Integration viele zusätzlich Aufgaben, die über den eigentlichen Unterricht hinaus reichen, geleistet werden müssen.

Diese Einschätzung bestätigt Bernd Kleinschnitger, Sprecher der Kamener Grundschulleitungen: „Wir können die Entwicklung nicht mehr zurückdrehen. Personell könnte man aber durchaus nachbessern.“

An allen Kamener Grundschulen, so betont er, seien die Kollegien hoch engagiert. Von 97 Lehrerstellen sind an den Grundschulen zurzeit 93,5 besetzt. Die Differenz wird durch sogenannte Poolkräfte, die kreisweit Vertretungen leisten, ausgeglichen.

Kamens Schulen mit Lehrern gut versorgt. Aber Zusatzkräfte fehlen an allen Ecken und Enden

Peter Wehlack könnte weitere personelle Unterstützung an der Fridtjof-Nansen-Realschule gebrauchen. Jedoch: „Wenn wir Stellen ausschreiben, dann haben wir keine Bewerber.“ © Stefan Milk

Realschule: „Ein absoluter Mangel an Personal“

Ein ähnliches Bild gibt es an den weiterführenden Schulen, wo an Lehrkräften kein Mangel herrscht, dafür aber an schulbegleitenden Kräften wie Schulsozialarbeiter, Sozialpädagogen und Berufseinstiegsbegleiter. „Wir haben einen absoluten Mangel an Personal“, hält Peter Wehlack, Schulleiter der Fridtjof-Nansen-Schule, fest. „Wenn wir Stellen ausschreiben, dann haben wir keine Bewerber.“

Die Schulen müssten sich darauf einstellen, dass sich an der Situation mittelfristig nichts ändere. „Wir müssen also mit weniger Kräften Gleiches stemmen. Deswegen ist es auch gut, Schule einmal in Ruhe arbeiten zu lassen und uns nicht immer neue Aufgaben zu stellen“, sagt er.

Kamens Schulen mit Lehrern gut versorgt. Aber Zusatzkräfte fehlen an allen Ecken und Enden

Frank Stewen bei der 50-Jahr-Feier der Gesamtschule. Stewen wünscht sich mehr Zusatzpersonal wie Berufseinstiegsbegleiter und Schulsozialarbeiter. © Marcel Drawe

Gesamtschule: Keine Berufseinstiegsbegleiter

Bei den Berufseinstiegsbegleitern, die förderungsbedürftige Schüler beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die Berufsausbildung unterstützen, gibt es ein differenziertes Bild. Während an der Kamener Hauptschule drei von der Arbeitsagentur geförderte Kräfte erfolgreich tätig sind, gibt es an der Gesamtschule, die aktuell 1323 Schüler hat, nicht einen einzigen.

Das ärgert Gesamtschulleiter Frank Stewen, der sich schon seit Jahren um derlei Hilfe bemüht. Auch in diesem Jahr hat er eine Absage bekommen. „Das war eine fünfzeilige Nachricht ohne Begründung“, sagt er frustriert mit Blick auf andere Schulen, die eine Bewilligung erhalten haben. „Für uns ist das eine Benachteiligung, die nicht mehr zeitgemäß ist.“

An der Gesamtschule werde Berufseinstiegsbegleitung somit vom angestammten Personal geleistet - drei Lehrer haben sich dieser Aufgabe angenommen.

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Hauptschule: Zusatzkräfte für zwei weitere Jahre

An der Hauptschule weiß Schulleiterin Dr. Beatrix Günnewig, wie wichtig die Arbeit der Berufseinstiegsbegleiter ist. Die drei Kräfte haben ein eigenes Büro und sind für die Schüler, insgesamt 374, zur Unterrichtszeit erreichbar. „Sie haben eine enorme Vermittlungsquote, die etwa bei 70 Prozent liegt“, berichtet Günnewig. Sie ist froh, dass die Arbeitsagentur das Projekt für jetzt zwei weitere Jahre bewilligt hat. Das wahre Kontinuität auch gegenüber den Partnern – dazu zählen beispielsweise das Haus am Koppelteich und das SportCentrum Kamen-Kaiserau.

Kamens Schulen mit Lehrern gut versorgt. Aber Zusatzkräfte fehlen an allen Ecken und Enden

Jugendamtsleiter Johannes Gibbels ist auf der Suche nach Schulsozialarbeitern. Weil es in anderen Städten entfristete Stellen gibt, verabschieden sich wertvolle Kräfte, die in Kamen nur auf Zeit arbeiten. „Wenn unsere Stellen entfristet würden, würde uns das sehr helfen.“ © Stefan Milk

Gymnasium: Engpass mit Schulsozialarbeitern
Daten zur Schule

Diesterwegschule größte Grundschule

  • Die Zahl der Grundschüler ist in diesem Jahr um 19 auf 1460 Schüler gestiegen.
  • Größte Grundschule ist die Diesterwegschule mit 315 Kindern, kleinste Grundschule ist die Eichendorffschule mit 177 Kindern.

Ein zusätzlicher Engpass hat sich bei der Schulsozialarbeit ergeben. Durch den plötzlichen Wechsel einer Kraft in eine andere Kommune gibt es ein Defizit an den städtischen Schulen. „Unser Ziel, dass an jeder Schule ein Schulsozialarbeiter sein soll, können wir zurzeit nicht halten“, berichtet Fachbereichsleiter Johannes Gibbels. „Ja, das bereitet uns Bauschmerzen.“ Sechs Schulsozialarbeiter, die auch an den Grundschulen ein offenes Ohr für die Schüler haben, sind vorgesehen. Zurzeit muss aber ein Schulsozialarbeiter teilweise zwei Schulen versorgen – wie an Gymnasium und Diesterwegschule. „Das hat mit der räumlichen Nähe zu tun“, so Gibbels. An der Gesamtschule, wo zwei Kräfte sein sollten, gibt es zurzeit nur eine. Die Stadt hat eine Stelle zurzeit in der Ausschreibung. Sie ist zu finden auf dem Stellenportal der Stadt unter www.stadt-kamen.de. Große Hoffnung macht sie sich nicht, weil die vom Land finanzierte Stelle bis zum Jahresende befristet ist. „Uns würde es helfen, wenn die Stellen künftig entfristet würden“, so Gibbels deutlich.

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