Endlich! Dieses Wort hatten alle Frühschwimmer am Montag auf den Lippen, als das Kamener Freibad erstmals in dieser Saison die Tore öffnete. Endlich können sie wieder ihre Bahnen ziehen.

Kamen

, 08.06.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wochenlang nicht schwimmen zu können, weil die Schwimmbäder corona-bedingt geschlossen hatten. Diese Zeit ist für Kamens eifrige Frühschwimmer jetzt vorbei. Am Montagmorgen öffnete das Kamener Freibad seine Tore - und schon lange vor der Öffnung um 7 Uhr hatten die Frühschwimmer vor der Kasse Stellung bezogen.

Bäder-Chef Marcus Müller (r.) empfing die ersten Frühschwimmer. Als erste Gäste begrüßte er Norbert Rogge und Vera Kurt, die ein kleines Geschenk erhielten .

Bäder-Chef Marcus Müller (r.) empfing die ersten Frühschwimmer. Als erste Gäste begrüßte er Norbert Rogge und Vera Kurt, die ein kleines Geschenk erhielten . © Stephanie Tatenhorst

Zehn Frühschwimmer warten auf Einlass

Als erste in Schlange standen Norbert Rogge und Vera Kurt. „Wir sind immer die ersten“, erklärte Rogge – und freute sich, dieses Mal dafür ein Geschenk zu bekommen. Die ersten Frühschwimmer, die das Hallenbad aufsuchten, erhielten vom Betreiber GSW nämlich ein Geschenk.

Norbert Rogge bekam ein Badetuch der GSW, Vera Kurt ein Pflegeset. Die anderen neun Frühschwimmer, die hinter den beiden in der Schlange auf den Einlass gewartet hatten, freuten sich mit - und darüber, endlich wieder Bahnen ziehen zu können. Und so waren um 7.03 Uhr schon elf Frühschwimmer im Bad.

Viel Platz im Becken. Jedenfalls zu Frühschwimmerzeiten.

Viel Platz im Becken. Jedenfalls zu Frühschwimmerzeiten. © Stephanie Tatenhorst

Öffnung zu spät, dafür aber Verständnis gezeigt

„1000 Meter“ war das Ziel von Kai Brumberg, der eine gute halbe Stunde später mit seiner Frau Christel im Bad eintraf. Morgens zu schwimmen, dieses Hobby betreiben die beiden schon seit etlichen Jahren mit Erfolg - und treiben sich gegenseitig an, jeden Tag ins Bad zu fahren. „Eigentlich ist die Öffnung viel zu spät“, sagte Kai Brumberg daher auch, doch für die Situation müsste man Verständnis aufbringen.

Duschen und Sanitäranlagen werden regelmäßig desinfiziert. Corona beschert den Mitarbeitern im Freibad einige Zusatzarbeit.

Duschen und Sanitäranlagen werden regelmäßig desinfiziert. Corona beschert den Mitarbeitern im Freibad einige Zusatzarbeit. © Stephanie Tatenhorst

Manchem ist die Öffnung um sieben Uhr schon zu spät

Auch Christel Kollwes freute sich, dass das Bad wieder geöffnet hat. „Ich gehe jeden Morgen schwimmen, seit über zehn Jahren“, verriet sie. „Die frische Luft, die Gemeinschaft mit den anderen Frühschwimmern, das ist einfach schön“, sagte sie mit glänzenden Augen. Doch so manchem ist die Öffnung um sieben Uhr eigentlich ein bisschen zu spät. „Sechs Uhr wäre besser“, sagte der Bergkamener Klaus Schäfer. „Zumindest 6.30 Uhr“, warb eine Schwimmerin, denn gerade für Berufstätige sei 7 Uhr ganz schön stressig. „Da kann man eigentlich nicht vorher eine Stunde schwimmen gehen.“

So bitte schwimmen und nicht die Orientierung verlieren. Von den maximal 25 Personen ist man zum Saisonstart in der Frühe weit entfernt.

So bitte schwimmen und nicht die Orientierung verlieren. Von den maximal 25 Personen ist man zum Saisonstart in der Frühe weit entfernt. © Stephanie Tatenhorst

An veränderte Bedingungen erst einmal gewöhnen

Doch die GSW benötigen die verspätete Öffnung im Moment noch, um alle Weichen zu stellen. „Wir müssen uns alle an die veränderten Bedingungen gewöhnen und lernen alle immer wieder dazu“, erklärte Sven Holsträter vom Badmanagement. Fröhlich begrüßte er jeden Badegast - denn die treuen Seelen sind den Fachangestellten für Bäderbetriebe, wie sie offiziell richtig heißen, natürlich bekannt. „Ohne Corona wären es deutlich mehr“, verriet Holsträter, den einen oder die andere ältere Schwimmerin noch zu vermissen. „Aber viele sind im Moment wahrscheinlich noch vorsichtig und warten ab.“

Eintritt mit Abstand. Die Saison startete am Montag im Freibad Kamen.

Eintritt mit Abstand. Die Saison startete am Montag im Freibad Kamen. © Stephanie Tatenhorst

Trotz Atemschutzmasken wiedererkannt

Dass sich die Frühschwimmer untereinander kennen, ist unbestritten. Grüße flogen hin und her, ein freudiges Wiedererkennen war trotz Atemschutzmasken sichtbar. In der Umkleide wurden kurz Neuigkeiten ausgetauscht - aber wirklich nur kurz. Denn das Wasser lockte. Und spätestens mit dem ersten Zeh im Wasser setzte das Schweigen ein. Jeder zog in seinem Rhythmus seine Bahnen, machte eine Pause am Beckenrand oder nicht. Setzte Trainingsmittel ein oder machte nur so eine Armzüge und Beinschläge im Wasser.

Noch viel Platz im Becken

Problemlos konnten sich die elf ersten Schwimmer dabei auf die beiden - nochmals unterteilten Becken verteilen. Normalerweise dürfen 25 Schwimmerinnen und Schwimmer in jeden einzelnen abgeteilten Bereich, doch am Montagmorgen waren es maximal zwei. Und so gaben die Schwimmer auch bald das vorgegebene Rundenschwimmen mit Bahnwechsel im Einbahnstraßen-System auf und blieben wendend auf ihrer Bahn. „Das ist jetzt auch kein Problem, aber wenn ein dritter kommt, müssen Runden geschwommen werden“, erklärte Marcus Müller, Centerleiter Bäder in Absprache mit den Schwimmmeistern, die die Aufsicht führten.

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Viele Zuschauer für die Frühschwimmer

„So viele Zuschauer hatten die Frühschwimmer wohl noch nie“, vermutete Müller daher auch lachend, denn neben den GSW-Mitarbeitern war auch noch ein Security-Dienst im Einsatz, der die Einhaltung der Corona-Hygiene-Vorschriften durchsetzen soll. Am ersten Tag hatte der aber wenig zu tun. Und neben den Mitarbeitern, die die Schwimmer zur Sicherheit im Blick behielten, waren andere damit beschäftigt, die Umkleiden, Sanitäranlagen und dortigen Türgriffe mit Hilfe einer großen Spritzflasche zu desinfizieren.

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Registrierung hat gut funktioniert

Gut funktioniert hatte auch die vorab nötige Registrierung der Schwimmer über die Homepage der Stadt. Doch wer Zuhause kein Internet und auch keine Verwandten in der Nähe zu Hilfe hat, steht vor einem Problem. Eine Registrierung an der Kasse ist nicht möglich. „Die 350 zugelassenen Leute können sich nicht auch noch hier registrieren. Dann nimmt die Schlange kein Ende“, erklärte Müller - und zwei Systeme parallel zu führen, sei zu aufwendig. Auch einen Computer vorzuhalten hilft nicht, denn eine Email-Adresse brauchen Nutzer allemal. „Wir hoffen daher, dass ältere Menschen Hilfe von Familie und Freuden bekommen“, so die GSW-Mitarbeiter.

Im Laufe der Woche erhält das Freibad noch fünf neue große Sonnenschirme im Bereich des Kinderbeckens. Die Fundamente dafür wurden am Montag gegossen. Der Grund für die Anschaffung: 18 Bäume hatten seit dem Ende der letzten Badesaison wegen Borkenkäfer-Befall gefällt werden müssen. Das hatte dem Kinderbecken den natürlichen Schatten geraubt.
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