Anna-Sophia Brandhorst aus Kamen arbeitet als Freiwillige für eine Friedensinstitution in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Was die 28-Jährige in der Kaukasus-Metropole erlebt, erzählt sie in ihrem Blog.

Kamen

, 22.09.2019, 05:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Land der Gegensätze ist derzeit das Zuhause der Kamenerin Anna-Sophia Brandhorst. Zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus gelegen, bildet Georgien eine Schnittstelle zwischen Europa und Asien. In der ehemaligen Sowjetrepublik wurde dieses Jahr der frühere Lufthansa-Manager Giorgi Gacharia zum Regierungschef gewählt. In dem mit vier Millionen Einwohnern dünn besiedelten Land lebt jeder Vierte in der Hauptstadt Tiflis (Tbilisi).

Im Auftrag von Brot für die Welt unterwegs

Anna-Sophia Brandhorst ist seit ungefähr vier Wochen da. Die 28-Jährige reiste am 15. August an. Denn in der georgischen Metropole mit ihrer verwinkelten Altstadt und kopfsteingepflasterten Straßen wird sie einen Freiwilligendienst beim International Center on Conflict and Negotiation (ICCN) antreten. „Das Hilfswerk Brot für die Welt unterstützt die Organisation, indem sie Freiwillige wie mich dort einsetzt“, erklärt Brandhorst.

Kamenerin (28) schreibt Travelblog aus dem Kaukasus

Georgische Nationalfahnen bei einem Umzug im Zentrum der Hauptstadt Tiflis im Jahr 2015. Dabei werden nach alter Tradition Weihnachtsgeschenke für Arme gesammelt. © picture alliance / dpa

Brot für die Welt

Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst

Das Hilfswerk Brot für die Welt sucht regelmäßig Freiwillige, die sich sozial engagieren möchten und ein Jahr im Ausland in einem entwicklungspolitischen Projekt mitarbeiten wollen. „Rund 400 engagierte Freiwillige konnten im Rahmen des Weltwärts-Programms bereits wichtige Lernerfahrungen in Projekten unserer internationalen Partnerorganisationen sammeln“, heißt es. Bewerbungen für eine Beteiligung ab August 2020 werden noch bis zum 30. September 2019 entgegen genommen. Weitere Informationen gibt es unter www.brot-fuer-die-welt.de.

Das ICCN will als Nichtregierungsorganisation die demokratische Entwicklung Georgiens fördern und die Zivilgesellschaft stärken. Die westlich orientierte Gesellschaft in dem eurasischen Land gilt als zerrissen. Der Konflikt um die abtrünnigen Teilrepubliken Abchasien und Südossetien prägt das Land. Im Sommer protestieren Tausende Menschen gegen die Regierung und den Einfluss Russlands.

In den ersten Tagen nach der Ankunft nutzte Brandhorst die Zeit, um Land und Leute ein wenig kennenzulernen, bevor sie am 9. September beim ICCN startete. „Mein genauer Aufgabenbereich wird sich im ersten Monat in der Organisation abzeichnen“, erklärt sie. Besonders wichtig ist die Sprache. Bis zum Einsatz in der Organisation machte sie zusammen mit fünf anderen Freiwilligen, die in verschiedenen Organisationen tätig sein werden, einen Sprach- und Orientierungskurs.

Aus Kamen über Duisburg nach Berlin

Brandhorst hat 2011 ihr Abitur an der Gesamtschule Kamen gemacht, später schloss sie ihr Bachelor-Studium der Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen ab. Bis zum Wechsel nach Tiflis wohnte Brandhorst in Berlin. Dort machte sie ein Praktikum im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bundesfamilienministerium und arbeitete dann bei der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“.

In ihrer Freizeit will Brandhorst auch das kulturelle Leben der Hauptstadt und die landestypischen Bräuche kennenlernen. Im Oktober ist dazu die Gelegenheit bei einem großen Open-Air-Festival. „Ich verstehe mich als sehr gesellige Person, die gern reist, isst, ins Kino geht und vor allem Feuer und Flamme für zeitgenössischen Tanz ist“, sagt die Kamenerin im Kaukasus. Mehr über ihre Eindrücke aus Tiflis erzählt sie im Interview, das per E-Mail geführt wurde.

Kamenerin (28) schreibt Travelblog aus dem Kaukasus

Ein Spaziergang unter Ballons beim alljährlichen „Tbilisoba“-Kulturfest in Tiflis. © picture alliance / dpa

Frau Brandhorst, wie ist ihr erster Eindruck von Georgien?

Die Hauptstadt ist ein Mix aus Sowjetzeit und Moderne und Baustelle. Es gibt sehr viel, sehr chaotischen und doch irgendwie funktionierenden Straßenverkehr, viele Touristen und sehr, sehr gutes Essen. Bis jetzt wirkt die Hauptstadt sehr international. Und es ist super warm. 35 Grad!

Wie klappt die Verständigung auf Georgisch?

Der Sprachkurs ist auf Englisch, der Orientierungskurs ist teilweise auf Deutsch, teilweise auf Englisch. Unser Landesmentor, der das Jahr über unser Hauptansprechpartner für alle Fragen ist, kann sehr gut Deutsch. Bei Einkäufen und Busfahrten kommunizieren wir mit unseren bisher gelernten Georgisch-Kenntnissen, die aber noch sehr sehr gering sind, Englisch und ganz viel funktioniert über die gute alte Hand- und Fußkommunikation. Die georgische Sprache und Schrift hat keinerlei Ähnlichkeit mit der romanischen Sprache, weshalb es eine wirkliche Herausforderung ist sich Vokabeln zu merken oder gar Beschilderungen zu lesen. Aber wir sind ja auch erst zwei Wochen in Tiflis.

Warum haben Sie sich für den Freiwilligendienst entschieden?

Ich habe Politikwissenschaft studiert. Ein großes Feld, mit vielen Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln. Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst ist eine Möglichkeit für mich, praktische Erfahrung im Bereich internationale Zusammenarbeit, Entwicklungszusammenarbeit und Konfliktberatung zu sammeln. Raus aus der Theorie, hinein in die Praxis. Sehr interessant finde ich den Austausch mit Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Sichtweisen und Handlungsideen. Außerdem finde ich es spannend, einen Blick auf Deutschland und die EU von außen zu werfen und meine Rolle als Europäerin in einem nicht EU-Land zu begreifen.

Wie können Interessierte mehr über Ihre Erlebnisse in Georgien und beim Freiwilligendienst erfahren?

Auf meinem Blog lustaufanders.travel.blog erzähle ich von Eindrücken und Erlebnissen. Mir kam die Idee, dass es vielleicht auch schön ist für Kamenerinnen und Kamener zu lesen, wo sie sich überall auf der Welt herumtreiben.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Deutsche Bahn

Seil statt Schranke: Am Bahnübergang an der Südkamener Straße hakt‘s nicht zum ersten Mal

Hellweger Anzeiger Interessentenliste wächst

Im Rathaus klingelt das Telefon Sturm: So wird das neue Baugebiet vermarktet

Hellweger Anzeiger 15 Jahre Zittern und Bangen

Nach dem Aus für Kettler: Die schmerzhafte Chronik des Niedergangs

Hellweger Anzeiger Autobahn: Feuerwehr rückt aus

Tanklastzug mit Benzin rollt ohne Fahrer: Gefahrgut-Einsatz auf der A2

Meistgelesen