Kamener zurück vom „go4peace“-Camp: Obdachlose tanzen mit der Jugend im Regen

dzJugendaktion „go4peace“

Frisch zurück vom „go4peace“-Camp, hat der Kamener Pastor Meinolf Wacker noch das Leuchten in den Augen. Er erzählt, wie Jugendliche Hemmschwellen überwanden und Obdachlose zum Fest einluden.

Kamen

, 01.08.2019, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das „go4peace“-Camp, das der Kamener Pastor Meinolf Wacker vor über 20 Jahren ins Leben rief, soll Jugendliche aus ganz Europa im Namen des Friedens zusammenbringen. Auch wenn Spiritualität dabei ein wichtiger Aspekt ist, sind alle jungen Menschen, egal ob gläubig oder nicht, willkommen. Nun sind die Teilnehmer wieder zurück und die Begeisterung über das diesjährige Camp ist dem Pastor anzusehen.

„Das war das größte Camp, das wir jemals außerhalb von Kamen gemacht haben“, freut sich Wacker. 123 Menschen aus 17 verschiedenen Nationen, darunter auch Estland, Litauen und Albanien, sind in die tschechische Stadt Brünn gereist, die mit etwa 380.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tschechiens ist. Auch neun Kamener Teilnehmer waren mit dabei, zudem der Kamener Pfarrer Bernhard Nake.

Dichte Atmosphäre und geistliche Impulse

Mitorganisiert hatte die Messe unter anderem Tomaš Zižkovský, der selbst vor Jahren als Teilnehmer des Camps dabei war und dabei seine Berufung als Priester erkannt habe, wie Wacker sagt. Nun ist Zižkovský für ein kleines Jugendhaus in der Nähe von Brünn zuständig, weshalb sich die Stadt als diesjähriger Treffpunkt angeboten habe.

Kamener zurück vom „go4peace“-Camp: Obdachlose tanzen mit der Jugend im Regen

Die jungen Camp-Teilnehmer nehmen an zahlreichen Workshops und Aktionen teil und bekommen zahlreiche Eindrücke. © Privat

Bei „go4peace“ leben Jugendliche aus verschiedenen Nationen rund zwei Wochen zusammen, arbeiten in Workshops, bekommen spirituelle Impulse und helfen der lokalen Bevölkerung. Sie besuchen etwa Menschen, die alleine sind, packen bei anderen Projekten aber auch ordentlich mit an, renovieren, bauen und reparieren zugunsten der Bevölkerung.

Die dichte Atmosphäre, der ehrliche Austausch und das gemeinsame Helfen soll nicht nur zusammenschweißen, sondern Jugendliche auch zur Selbstreflexion anregen. Die täglichen Impulse können ganz unterschiedlich daherkommen, etwa „Sei ein Geschenk“ oder „Nimm diesen Moment in deine Hand“, und sollen die Jugendlichen über den Tag begleiten. Zudem gibt es das freiwillige Angebot, an der Messe teilzunehmen.

Kamener zurück vom „go4peace“-Camp: Obdachlose tanzen mit der Jugend im Regen

Impulse sollen in der dichten Atmosphäre zur Selbstreflexion anregen. © Privat

Große Feier mit Obdachlosen

Deutlich wird die Idee des Camps etwa an dem großen Höhepunkt kurz vor Ende der Veranstaltung. In Brünn organisierten das Team und die Teilnehmer eine große Feier, zu der auch die Obdachlosen der Stadt eingeladen waren. Rund 100 Obdachlose kamen und wurden bewirtet.

Dazu wurden auch die Jugendlichen auf die Treffen vorbereitet. Denn: Wie kann man jemanden etwas geben, ohne dass dies von oben herab kommt? Wie kann man, trotz Sprachbarrieren, Kontakt zu diesen Menschen herstellen?

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Pastor Wacker machte es vor, setzte sich am Tag der Veranstaltung zu den Obdachlosen, die schon im Vorhinein gekommen sind und begann Gespräche - mit Englisch, Händen und Füßen. Wacker ermunterte Peter, einer der Obdachlosen, sogar dazu, auf der Gitarre einige Lieder mitzuspielen und so im positiven Sinne im Mittelpunkt zu stehen. So manch ein Gast tat es Peter gleich.

Kamener zurück vom „go4peace“-Camp: Obdachlose tanzen mit der Jugend im Regen

Peter war einer der Obdachlosen, die zu dem Fest der „go4peace“-Teilnehmer gekommen sind. Nach einem längeren Gespräch ist er mit den Teilnehmern warm geworden und hat das Fest mit Gitarrenmusik bereichert. © Privat

Die Jugendlichen kümmerten sich um die zahlreichen Gäste. Als dann ein Regenschauer hereinbrach, gingen sie statt unter die Zelte mitten auf den Platz und begannen spontan zu tanzen - und einige der Obdachlosen schlossen sich an. „Danke, dass ihr das für uns gemacht habt“, habe Peter anschließend zu dem Team gesagt, so Wacker. Bei dem Fest „haben ganz viele eine Hemmschwelle überwunden“ meint der Pastor mit einem Lächeln. „Und die obdachlosen Gäste haben wir alle pappsatt bekommen.“

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