Landrat Michael Makiolla hat angekündigt, dass die Polizei deutlich sichtbare Präsenz auf Weihnachtsmärkten zeigt. Doch was heißt das eigentlich? Auf der Kamener Winterwelt sind Ordnungshüter selten zu sehen.

Kamen

, 09.12.2019, 16:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir werden eine deutlich sichtbare Präsenz auf den Weihnachtsmärkten im gesamten Kreis Unna zeigen“, hat Landrat und Polizeichef Michael Makiolla vor dem Saisonstart des Budenzaubers erklärt. Auch auf der Kamener Winterwelt sind Polizisten und Ordnungsdienstmitarbeiter deutlich sichtbar – aber nur dann, wenn sie überhaupt da sind.

Budenverkäufer, die jeden Tag auf der Winterwelt stehen, können sich nicht erinnern, den städtischen Ordnungsdienst häufig gesehen zu haben. Zu erkennen wären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihren signalgelben Westen oder blauen Jacken. Auch Polizeibeamte auf Patrouille sind nicht besonders auf dem Veranstaltungsgelände auf dem Marktplatz aufgefallen. Außer dem uniformierten Bezirkspolizisten Frank Ellerkmann scheint die Polizei in der Wahrnehmung von Beobachtern nicht besonders präsent auf der Kamener Winterwelt sein. Immerhin: Der Oberschiedsrichter der drei bis viermal wöchentlich stattfindenden Stadtmeisterschaften im Eisstockschießen, Bernhard Büscher, ist ein ehemaliger Polizist, was der Landrat aber wohl nicht gemeint hat.

Dieses Jahr ist es ruhig

In diesem Jahr sei es ruhig, sagt Bezirkspolizist Ellerkmann über die Sicherheit und Ordnung auf der sechswöchigen Kamener Eisbahnveranstaltung. Anders als beispielsweise vor zwei Jahren, als es direkt zur Eröffnung einen größeren Polizeieinsatz am Marktplatz wegen einer Schlägerei an der Bushaltestelle gab. Ein Kamener (22) hatte zunächst randaliert. Später griff er mutmaßlich einen Bergkamener (15) und dessen gleichaltrige Freundin an.

Die Kamener Winterwelt ist zwar kein klassischer Weihnachtsmarkt, dennoch gilt die Aussage des Landrats über die deutliche Präsenz der Polizei laut Polizeisprecherin Vera Howanietz auch für die Eisbahn-Veranstaltung. Wie oft die Polizei tatsächlich präsent ist, bleibt offen. „Es geht nicht darum, einen Objektschutz zu machen und acht Stunden den Weihnachtsmarkt anzugucken“, sagt die Sprecherin. Sprich: Die Polizei ist im Ernstfall schnell da.

Die Kamener Winterwelt wird aus dem Rathaus heraus organisiert – unter Regie von Stadtmarketing-Chefin und Wirtschaftsförderin Ingelore Peppmeier. Für die Großveranstaltung habe die Stadt Kamen ein mit der Polizei abgestimmtes Sicherheitskonzept, sagt sie. Vom Fluchtweg bis hin zu Absperrungen ist dort alles geregelt. Es wurden auch einzelne Fahrzeugsperren aufgebaut. Zudem sollen Weihnachtsbaumständer aus Beton eine Sperrwirkung entfalten.

Kamener Winterwelt: Ordnungshüter und Polizei zeigen sich selten

Die Eisbahn auf der Kamener Winterwelt ist täglich von 10 bis 19.30 Uhr geöffnet – außer an Spieltagen des Eisstockschießens (bis 17 Uhr). © Stefan Milk

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Ordnungsdienst per Handy erreichbar

Die Stadt Kamen hat einen Ordnungsdienst, der nach wie vor in Kamen durch interne und externe Kräfte im Einsatz ist. Eine ständige Präsenz auf dem Winterwelt-Veranstaltungsgelände gibt es Peppmeier zufolge nicht, mit Ausnahme eines nächtlichen Wachdiensts zum Schutz der Budenstadt und Eisbahn. Es ist Aufgabe des internen und externen Ordnungsdiensts, das Veranstaltungsgelände in seine Streifen einzubeziehen.

Die Ordnungsdienstleute sind bekanntlich in der Regel zu zweit unterwegs und klappern bekannte Treffpunkte ab. Während zwischen 9 und 19 Uhr Stadtbedienstete auf Streife sind („interner Dienst“), patrouillieren in den Abendstunden ab 19 Uhr die Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdiensts („externer Dienst“). Die Einsatzzeiten reichen bis 23 Uhr an den meisten Wochentagen bzw. 1 Uhr an Samstagen. Über die Service-Hotline 0173/5410584 ist der Ordnungsdienst zu erreichen. In Notfällen sollen Bürger per 110 die Polizei rufen.

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Keine doppelte Doppelstreife mehr

In den Sommermonaten war der externe Ordnungsdienst sogar in zwei Doppelstreifen statt nur in einer unterwegs. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) hatte die Aufstockung im Mai angekündigt, nachdem sich zuvor Polizeieinsätze wegen Störungen in der Innenstadt sowie Beschwerden von Anwohnern und Wirten gehäuft hatten. „Wir wollen, dass die Innenstadt attraktiv bleibt und handeln nach dem ,Motto wehret den Anfängen‘“, sagte Kappen damals. Die doppelten Doppelstreifen wurden im Sommer beibehalten, sind aber in den Wintermonaten – also auch während der Winterwelt – wieder zurückgefahren worden. Denn die typische Klientel des Ordnungsdiensts sind Leute, die sich im Sommer draußen treffen und sich dann daneben benehmen.

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Trinkerszene trifft sich vor Toilettenwagen

Die Kamener Innenstadt ist laut Polizeistatistik trotz immer wieder aufkommender Diskussionen um das Sicherheitsgefühl und teilweise gehäufter Polizeieinsätze kein Kriminalitätsschwerpunkt. Bislang wurden keine Straftaten mit einem Bezug zum Veranstaltungsgelände bekannt. Das heißt aber nicht, dass es für Polizisten wie Frank Ellerkmann nichts zu tun gibt. Der Beamte ist bei jeder Gelegenheit in der Innenstadt zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, auch auf dem Winterwelt-Gelände. Einmal habe er einem zehnjährigen Mädchen geholfen, dass sich nicht zum Toilettenwagen traute, weil Angehörige der Trinkerszene davor standen. Die Trinker hätten sich einsichtig gezeigt und versprochen, die Toiletten künftig frei zu halten.

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