Rotes Licht für eine blutende Branche: Kamener Veranstalter wollen gehört werden

dzCoronavirus

Vier Kamener Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche beteiligen sich an der bundesweiten Aktion „Night of Light“. Firmen wollen dabei auf sich aufmerksam machen. Ihre Zukunft ist in Gefahr.

Kamen

, 19.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es bleibt spannend, die ganze Branche schwimmt auf einer Eisscholle und die schmilzt. Wir werden sehen, was übrig bleibt“, sagt Andreas Maier, Inhaber der Firma Maier Sound Design im Technopark in Kamen. Sein Unternehmen, das er vor 29 Jahren gegründet hat, ist auf hochwertige Audiotechnik bei Veranstaltungen spezialisiert – Veranstaltungen, die es seit Ausbruch der Corona-Pandemie bis auf weiteres nicht mehr gibt.

Maier ist nur einer von vielen aus der Veranstaltungsbranche, für die es schlagartig nichts mehr zu tun gab – und die noch einige Monate ohne Arbeit sein werden. Mindestens bis Ende Oktober. Denn so lange werden Großveranstaltungen verboten bleiben.

Kamener Veranstaltungsfirmen machen bei der „Night of Light“ mit

„Es bleibt spannend, die ganze Branche schwimmt auf einer Eisscholle und die schmilzt. Wir werden sehen, was übrig bleibt.“
Andreas Maier, Maier Sound Design

„Es gibt in der Branche viele Freiberufler und das sind viele hochqualifizierte Leute, teils müssen Ingenieure von Hartz4 und Nebenjobs leben, um ihre Familien durchzukriegen“, sagt Maier. Der Kamener will auf diese Situation aufmerksam machen – gemeinsam mit Veranstaltern in ganz Deutschland. Gemeinsam mit den drei Kamener Firmen Smartlite Event Solution, Hermes Music und Allround Veranstaltungstechnik nimmt er an der Aktion „Night of Light“ teil.

In ganz Deutschland werden über 3000 Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni ihre Gebäude oder stellvertretend ein Bauwerk in ihrer Region oder Stadt mit roter Beleuchtung anstrahlen, „um auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen“, heißt es in dem Aufruf zu der Aktion unter www.night-of-light.de.

Die Firma Smartlite aus Kamen brachte an Ostern das Fördergerüst Monopol zum erstrahlen. Wegen der Corona-Pandemie gab es keine Osterfeuer. Über den Ersatz freuten sich viele.

Die Firma Smartlite aus Kamen brachte an Ostern das Fördergerüst Monopol zum erstrahlen. Wegen der Corona-Pandemie gab es keine Osterfeuer. Über den Ersatz freuten sich viele. © Stefan Milk

Es sei das erste Mal, dass die vier Veranstaltungsfirmen in Kamen bei einer Aktion zusammenarbeiten, sagt Sascha Holz von Smartlite. „Das hätte vor ein paar Jahren niemand gedacht.“ Die vier wollen ihre Gebäude beleuchten und den Abend gemeinsam verbringen.

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Bundesweite Aktion „Night of Light“ der Veranstalter soll aufrütteln

„Die Aktion soll aufrütteln“, sagt Holz. Man wolle mit der Politik ins Gespräch kommen – und gesehen werden. Denn während die Zuschauer oft nur die Bühne, die Boxen und die Künstler erleben, seien die Techniker „nur die Menschen im Hintergrund“. Doch diese Menschen leisten unheimlich viel. „Es gibt nicht nur das Konzert oder Event. Vorher wird die Bühne aufgezeichnet, es wird geschaut, ob der Aufbau gesetzeskonform ist, Prüfstatiken werden angefertigt“, erklärt Maier. „Das alles sieht man nicht.“

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Doch jetzt wollen die Techniker gesehen werden – mit rotem Licht, das signalisieren soll, dass die Veranstaltungswirtschaft auf „der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen“ steht, wie auf der Seite der Aktion beschrieben ist. Die Aktion sei ein „leuchtendes Mahnmal und ein flammender Appell der Veranstaltungs-Wirtschaft zur Rettung unserer Branche, die echte Hilfe anstelle von Kredit-Programmen benötigt! Wir fordern einen Branchendialog mit der Politik, um gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden!“

22. Juni

Night of Light

  • Bei der „Night of Light“ werden Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft sowie Veranstaltungs-Locations in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni bundesweit ihre Gebäude oder stellvertretend ein Bauwerk in ihrer Region oder Stadt mit roter Beleuchtung anleuchten, um auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen.
  • Informationen zu der Aktion gibt es unter www.night-of-light.de.
  • Unternehmen können sich noch anmelden unter www.night-of-light.show-advance.com.

Auf Unterstützung hoffen auch die Kamener. „Wir leben derzeit alle vom Eigenkapital. Und das ist endlich“, bringt es Maier auf den Punkt.

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