Kamener Unternehmerin soll Geld an „Combat 18“-Schlüsselfigur gezahlt haben

dzMilitantes Neonazi-Netzwerk

Eine Schlüsselfigur des rechtsextremen Netzwerks „Combat 18“ hat laut geleakten Kontoauszügen Geld von einer Kamener Unternehmerin erhalten. Die Geschäftsfrau schweigt zu dem Zahlungskontakt.

Kamen

, 05.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Als kürzlich in Dortmund-Hörde Neonazis aufmarschierten, brüsteten sich einige Teilnehmer der europafeindlichen Kundgebung mit dem Symbol eines feuerspeienden Drachens und der Aufschrift „Combat 18“. Dieser Name steht für den bewaffneten Kampf von gewaltbereiten Rechtsextremisten gegen politische Gegner, und die Zahl bezieht sich nach einem in braunen Kreisen üblichen Code auf den „Führer“ Adolf Hitler höchstpersönlich. Auch ein Hitler-Double lief bei der Demo mit.

Combat 18 potenziell gefährlich

„Combat 18“ ist aber nicht nur ein martialisches Bekenntnis für Ausländerfeinde und Antisemiten, sondern gilt auch als deutscher Arm des verbotenen rechtsextremistischen Terror-Netzwerks „Blood & Honour“. Die Sicherheitsbehörden halten „Combat 18“ für potenziell gefährlich, auch wenn die Organisation nicht von dem Verbot erfasst ist. 2017 wurde eine Gruppe mutmaßliche Mitglieder bei der Rückkehr von einem Waffentraining in Tschechien von der Antiterroreinheit GSG9 aufgegriffen. Die zwölf Männer hatten Munition dabei, die für Sturmgewehre geeignet ist.

Kamener Unternehmerin soll Geld an „Combat 18“-Schlüsselfigur gezahlt haben

Als Hitler verkleideter Teilnehmer bei einer Neonazi-Demo am 25. Mai in Dortmund-Hörde. © Peter Bandermann

100 Euro aus Kamen überwiesen

Einer dieser Männer, eine Schlüsselfigur von „Combat 18“ aus Nordhessen, soll im Jahr 2014 Geld von einer Unternehmerin aus Kamen erhalten haben. Das geht aus Kontoauszügen hervor, die Neonazi-Gegner im Internet veröffentlicht haben. Auf dem Girokonto des mutmaßlichen C18-Sektionsführers sollen laut Medienberichten zwischen den Jahren 2013 und 2017 regelmäßig Mitgliedsbeiträge eingezahlt worden sein. Der Name der Kamener Geschäftsfrau befindet sich ebenso auf den Kontoauszügen wie die Namen bekannter Neonazis.

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Zehn für den Schmarotzer

Der Kamener Zahlungskontakt taucht ein einziges Mal am 14. Juli 2014 neben einer Überweisung von 100 Euro auf – mit dem Vermerk „juli-dezember und 10 für den Schmarotzer der nicht bezahlt hat“. Welche Erklärung hat die Unternehmerin für ihre namentliche Erwähnung auf dem Kontoauszug? Zu welchem Zweck wurde das Geld überwiesen? Handelt es sich um Mitgliedsbeiträge für C18? Diese und weitere schriftliche Fragen lässt die Geschäftsführerin unbeantwortet. Ebenso laut einem TV-Bericht eine Anfrage des WDR, der kürzlich über ein rechtextremistisches Untergrundnetzwerk im Ruhrgebiet berichtete und dabei die Spur nach Kamen verfolgte.

Kamener Unternehmerin soll Geld an „Combat 18“-Schlüsselfigur gezahlt haben

Zahlungseingang vom 14. Juli 2014: 100 Euro auf den Namen einer Kamener Unternehmerin. © Exif Recherche


Kontoinhaber feierte mit Böhnhardt und Mundlos

Der Mann, an den die Zahlung gegangen sein soll, ist in der Szene gut vernetzt. Sein Name fiel auch im Prozess gegen die Mitglieder der Terrororganisation NSU, denn die untergetauchten NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sollen laut Zeugenaussagen kurz vor dem Mord an dem Kasseler Halit Yozgat im Jahr 2006 seine Geburtstagsfeier besucht haben.

Ähnlicher Musikgeschmack

Der mutmaßliche C18-Kassenwart verbrachte erst kürzlich einige Wochen in Untersuchungshaft. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt laut einem Bericht der Zeitung HNA gegen ihn und weitere „Combat 18“-Mitglieder wegen des verbotenen Handels mit rechtsradikalem Liedgut und Nazi-Devotionalien. Für die Sache mit der Munition an der tschechischen Grenze musste er 3000 Euro Geldstrafe zahlen.

Wie die Kamener Geschäftsfrau zu dem Rechtsextremisten steht, dem sie mutmaßlich 100 Euro überwies, will sie ebenfalls nicht beantworten. Die Vorliebe zu Rechtsrock scheint sie mit dem Neonazi zu teilen. Ein Foto, das sie ebenfalls unkommentiert lässt, zeigt die Kamenerin zusammen mit einem bekannten Dortmunder Neonazi im Jahr 2017 auf dem Konzert „Rock gegen Überfremdung“ im thüringischen Themar. 6000 Neonazis hörten dort auf Bands wie Stahlgewitter, Flak und Uwocaust.

Öffentliche Aufträge erhalten

Die Rolle der Kamener Unternehmerin, deren Firma nach städtischen Angaben in den vergangenen fünf Jahren öffentliche Aufträge in fünfstelliger Höhe bekam, sorgt bereits für Gesprächsstoff in der Stadt. Medienberichte über „Combat 18“ und die mutmaßlichen Verbindungen nach Kamen veranlassen die Bürgerinitaitive „Zivilcourage für Kamen“, das Thema auf die Tagesordnung ihres Treffens am Donnerstag, 6. Juni, zu setzen.

Kamener Unternehmerin soll Geld an „Combat 18“-Schlüsselfigur gezahlt haben

Neonazis mit dem Erkennungszeichen „Combat 18“ bei einer Demo im Jahr 2014 in Dortmund. © Exif

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