Kamener Schulklassen sollen Laptops bekommen

dzDigitalpakt NRW

Mehr Schüler in Kamen sollen künftig im Unterricht am Computer arbeiten können. „Klassenraum-Laptops“ stehen auf der Anschaffungsliste. Wie es um die Digitalisierung steht, zeigt ein Zwischenstand.

Kamen

, 15.11.2019, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der sogenannte Digitalpakt NRW soll dafür sorgen, dass Schulen den Unterricht modernisieren können. An Kamener Schulen müssen sich derzeit statistisch gesehen 16 Lehrer und Schüler einen Computer teilen. Nun hat Bürgermeisterin und Schuldezernentin Elke Kappen (SPD) einen Plan vorgelegt, wie der Digitalpakt umgesetzt werden soll.

Dem Schulausschuss erläuterte Kappen am Donnerstag die Vorgehensweise. Rund 1,9 Millionen Euro stehen Kamen als Digitalpakt-Fördermittel zu. Das Geld fließt aber nicht automatisch, sondern muss spätestens bis Ende 2021 bei der Landesregierung beantragt werden, damit es nicht verfällt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen“, sagte die Bürgermeisterin.

Schulleiter: Umsetzung des Digitalpakts ist kompliziert

Warum Kappen die scheinbare Selbstverständlichkeit so betont, liegt an dem erforderlichen Aufwand. Die Förderbedingungen schreiben vor, dass die Schulen Medienkonzepte erstellen, darin enthalten sogenannte technisch-pädagogische Einsatzkonzepte. „Es hieß, es wird unkompliziertes und einfaches Geld in den Schulen landen. Ich sehe unkompliziert und einfach nicht“, sagte Peter Wehlack, Leiter der Fridtjof-Nansen-Realschule.

In den technisch-pädagogischen Einsatzkonzepten soll alles stehen, was geplant und vereinbart ist in Bezug auf die IT-Grundstruktur, die mediale Ausstattung, die bedarfsgerechte Fortbildung, die Organisation und Umsetzung sowie den störungsfreien Betrieb. Das Schulamt führt alle Konzepte sowie weitere Informationen zu Förderanträgen zusammen.

Ein Beispiel zeigt, dass die Tücken beim Digitalpakt im Detail liegen. So darf die Stadt mutmaßlich das Kabel für das interaktive Whiteboard mit Fördergeld anschaffen, aber das Stromkabel mit der Steckdose nicht.

Projektgruppe für Digitalisierung an Schulen

Kamen muss nicht bei Null anfangen. Bereits im Juni wurde eine technische Bestandsaufnahme bekannt. Demnach besitzen die zehn städtischen Grundschulen und weiterführenden Schulen 630 PC und 140 Laptops. Dazu kommen 65 Beamer, 22 interaktive Whiteboards und 16 interaktive Displays. Zur Einordnung: Rund 4700 Schüler und 360 Lehrer gehen täglich an den elf Schulstandorten ein und aus. Alle Schulen sind ans Internet angebunden, aber nicht alle haben schnelle Leitungen. Nicht jeder Klassenraum hat einen Netzwerkzugang.

Künftig soll es deutlich mehr Computer, interaktive Displays und engmaschigere Netzwerke geben. Zur Umsetzung des Digitalpakts wurde im Rathaus eine Projektgruppe gegründet. Nach einer Bestandsaufnahme hat sie die Aufgabe, den Finanz- und den Fördermittelrahmen zu ermitteln: für die IT-Infrastruktur, digitale Arbeitsgeräte („Lehrerarbeitsplätze“) sowie schulgebundene Endgeräte „Laptops, Tablets für Schüler“).

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Klassenraum-Laptops für 230.000 Euro

Die Projektgruppe klärt auch, welche Mittel über den Digitalpakt hinaus nötig sind. „Wir sind bereit, als Stadt einiges in die digitale Infrastruktur hineinzustecken, unabhängig vom Digitalpakt“, sagte Markus Höper vom Schulamt. Allein für 2020 sind im städtischen Haushalt 675.000 Euro für die Anschaffung von Hard- und Software eingeplant, darunter „Klassenraumlaptops für alle Schulen“ für 230.000 Euro und interaktive Displays für 140.000 Euro. Näheres ist noch nicht bekannt.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind viele Fragen noch unbeantwortet, zum Beispiel, wie viele Laptops künftig eingesetzt werden. Dies abzustimmen ist Sache einer weiteren Projektgruppe von Schulträger und Schulen. Diese soll auch bei der Verteilung der Fördermittel und beim IT-Support mitreden. Bedenken, dass die Wartung der Computer an Lehrern hängen bleibt, sind bislang nicht ausgeräumt.

Einheitliche Standards gefordert

Dass nicht jede Schule und jede Stadt ihr eigenes Süppchen kocht, ist den Kamener Schulpolitikern wichtig. Bei den Internetzugängen und bei der Ausstattung sollen „möglichst einheitliche Standards und kompatible Geräte und Systeme“ zum Einsatz kommen, wie der Schulausschuss bereits im Sommer auf Initiative von SPD und FW/FDP beschloss.

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