Abmeldung vom Präsenzunterricht, Lernen auf Distanz: Nicht nur im Gymnasium Kamen leerten sich am Montag viele Klassenzimmer. © Stefan Milk
Neue Corona-Regeln

Kamener Schulen: Schüler lassen sich von Präsenzpflicht befreien

Ältere Kamener Schüler dürfen nicht mehr ins Klassenzimmer kommen, viele jüngere lassen sich von der Präsenzpflicht befreien. So ist die Lage am Montagmorgen an Kamener Schulen.

Als der Unterricht in den Kamener Schulen am Montagmorgen begann, war teilweise unklar, wie viele Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen überhaupt kommen würden. Denn Eltern durften kurzfristig entscheiden, ob sie Kinder bis einschließlich der siebten Klasse zu Hause behalten. Das Ziel: Kontakte reduzieren.

Die am Freitag bekannt gegebenen neuen Corona-Regeln für Schulen in NRW sehen vor, dass der Präsenzunterricht für Schüler ab Klasse 8 generell eingestellt wird. Für allen anderen Schüler ist eine Befreiung vom Präsenzunterricht möglich.

Nachdem die Schulen am Freitag regelrecht von der Ankündigung überrumpelt worden waren, bemühten sie sich schnellstmöglich um Informationen darüber, wie die neuen Regeln umzusetzen sind. Die Eltern konnten dann spätestens am Wochenende auf den Internetseiten und in E-Mails nachlesen, wie die Befreiung konkret abläuft.

Nur 105 Gymnasiasten kommen zum Unterricht

Am Gymnasium Kamen wurden bis zum Morgen zwei Drittel der Schüler aus dem infrage kommenden Personenkreis vom Präsenzunterricht abgemeldet. Das sind 240 von etwa 335 Schülern der Klassen 5 bis 7, wie Schulleiter Lars Wollny erklärte. Das heißt, dass nur 105 der rund 865 Schüler des Gymnasiums überhaupt erschienen.

„Die Informationen kamen am Freitag leider erst nach Schulende, so dass Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern und Erziehungsberechtigte über die Homepage bzw. Mails über die Situation informiert werden mussten“, erklärte Wollny. „Zur Abmeldung vom Präsenzunterricht wurde ein Funktionspostfach eingerichtet, das seit Samstagmittag von den Eltern genutzt wird.“

So ist die Lage an den Schulen

Bürgermeisterin und Schuldezernentin Elke Kappen begrüßt die beschlossenen Maßnahmen. Diese seien vor dem Hintergrund der hohen Infektionszahlen notwendig. Die Schulen wünschten sich eine längere Vorlaufzeit. „Ich danke den Schulgemeinschaften, die die Vorgaben unmittelbar über das Wochenende umgesetzt und das Lernen sowohl im Präsenz- als auch im Distanzunterricht vorbereitet haben“, sagte Kappen.

Bernd Kleinschnitger © Stefan Milk © Stefan Milk

„Die Eltern verhalten sich besonnen.“

Bernd Kleinschnitger, Südschule

An der Südschule erschienen 60 von 165 Kindern zum Unterricht, am Teilstandort Josefschule waren es 68 von 90. An beiden Standorten wird am 21. und 22. Dezember eine Notbetreuung mit je einer Gruppe stattfinden, für 7. und 8. Januar liegen noch keine Angaben vor. „Es ist gut und nachvollziehbar, dass die Schulen geöffnet bleiben“, sagte Schulleiter Bernd Kleinschnitger.

Die Eichendorffschule zählte am Morgen 84 Kinder in den Klassen. Für rund 90 Kinder zeigten die Eltern eine Befreiung vom Präsenzunterricht an. „Für die laufende Woche haben sich bislang fünf Eltern entschieden, dass ihre Kinder im Laufe der Woche ins Distanzlernen wechseln“, erklärte Heike Schott von der Schulleitung. Für sechs Kinder wurde eine Notbetreuung für 7. und 8. Januar angemeldet.

Friedrich-Ebert-Schule: In dieser Woche findet in allen Klassen Präsenzunterricht und keine Notbetreuung statt. Es waren 92 Schüler anwesend, 189 fehlten.

Jahnschule: 166 von 192 Schülern erschienen zum Unterricht. „Die Schule hatte allerdings auch darum gebeten, die Kinder aus organisatorischen Gründen nach Möglichkeit zumindest kurz zu schicken – viele sind nach der 2. Stunde abgeholt worden“, hieß es. Am Dienstag werden nur noch 74 Schüler erwartet, davon 33 auch in der Ganztagsbetreuung; ab Mittwoch nur noch insgesamt 62 Kinder. Für eine Notbetreuung am 21. und 22. Dezember liegen 18 Anmeldungen vor.

Fridtjof-Nansen-Realschule: „Im Durchschnitt waren fünf bis sieben Schülerinnen und Schüler pro Klasse im Präsenzunterricht“, heißt es. Bis Mittwoch findet ein regulärer Betrieb statt. Danach erfolgt gegebenenfalls eine neue Entscheidung. Eine Notbetreuung am 21. und 22. Dezember finde mangels Anmeldungen nicht statt.

Lars Wollny © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Informationen kamen am Freitag leider erst nach Schulende

Lars Wollny

Hauptschule: Jeder zweite Schüler war am Montag da. Eine Notbetreuung ist ebenfalls mangels Anmeldung nicht vorgesehen. Angaben aus weiteren Schulen lagen zunächst nicht vor.

Arbeitsaufgaben per „Teams“

Für die allermeisten Schüler heißt es also jetzt: Online-Unterricht, bis die vorgezogenen Weihnachtsferien beginnen. Letzter Schultag ist am Freitag, 18. Dezember. „Vereinzelt haben Eltern der Jahrgangsstufe 5 nachgefragt, wie genau das Lernen auf Distanz organisiert wird“, so Lars Wollny vom Gymnasium. Das Unterrichtsmaterial wird per Teams übermittelt, eine Videokonferenz-Software, die an vielen Kamener Schulen eingesetzt wird.

Für die Lehrkräfte bedeutet die Zweigleisigkeit von Präsenz- und Distanzunterricht zusätzlichen Aufwand. „Die Unterrichtsinhalte vom Vormittag müssen nämlich den Distanzlernkindern zusätzlich am Nachmittag vermittelt werden“, sagte Bernd Kleinschnitger von der Südschule. Die Doppelbelastung sei für eine kurze Zeit möglich. Die Qualität des Unterrichts leide dadurch naturgemäß.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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