Kamener Schornsteinfeger stößt auf hilflosen Steinkauz

dzTierischer Einsatz

Schornsteinfeger Alexander Prill ist es gewohnt, tote Vögel aus den Kaminen zu holen. Doch in Bergkamen stieß er auf einen lebendigen Vogel. Und dazu noch auf einen besonderen.

Kamen, Bergkamen

, 25.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Vor Schreck habe ich fast das Handy aus der Hand geschmissen“, erinnert sich Alexander Prill. Der Schornsteinfegermeister hat schon manches aus den Schornsteinen in seinem Kehrgebiet geholt – aber was er jüngst darin vorfand, war eine Premiere.

Der spektakuläre Einsatz ereignete sich auf dem Bauernhof Ostendorff in Bergkamen-Weddinghofen. Dort kletterte Prill auf den Spitzboden um den Schornstein auszufegen. Als nächstes ging er wieder runter, um unten am Reinigungsverschluss den Dreck zu entfernen. Dazu musste er eine Klappe öffnen.

„Ich konnte sie nicht ganz aufmachen, weil etwas davor stand“, sagt Prill. Deshalb konnte er auch nicht direkt hereinschauen.

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Eigentlich ist das kein Problem, wenn er nicht plötzlich ein Rascheln gehört hätte. „Ich dachte erst, dass ich einen der Kartons dort angestupst habe“, so Prill. Doch dann raschelte es wieder und das Geräusch kam definitiv nicht von ihm selbst. „Ich habe dann blind in das Loch fotografiert“, berichtet Prill. Er fotografiert mit dem Handy in die Luke und konnte dann dank des Blitzes sehen, was sich darin befand.

„Ich wusste nicht recht, was ich tun sollte“

Es folgte jener Moment, in dem Prill sein Handy beinahe fallen ließ. „Da war ein Kauz auf dem Bild. Er war lebendig und ich wusste nicht recht, was ich tun sollte“ , sagt Prill. Er gab also dem Bauern Bescheid und hier endet der Bericht des 29-Jährigen. Prill konnte aber sicher sein, dass der Steinkauz in guten Händen war, denn kein anderer als Udo Bennemann hat sich dem Vogel angenommen.

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Bennemann ist Mitglied im Naturschutzbund Nabu und er setzt sich, wie schon berichtet, für die Steinkäuze ein, die in der Nähe des Hofes Ostendorf nisten. Dort soll ein Netto gebaut werden und Umweltschützer wie Bennemann fürchten, dass die Vögel dann verschwinden. Genauer gesagt nistet dort ein Steinkauzpaar, das auch Nachwuchs bekommen hat. Es könnte sich bei dem Steinkauz im Kamin also um einen der beiden Steinkäuze handeln, um den Bennemann sich so sorgt und die er sogar getauft hat. Sie heißen Hedwig und Karl-Heinz.

Umso dramatischer wäre es also gewesen, wenn einer der Steinkäuze im Schornstein des Bauernhofes verendet wäre. Der pure Zufall, dass Prill an genau jenem Tag zum Reinigen des Schornsteins vorbeikam, rettete dem Vogel wohl das Leben. Dass nicht alle Vögel so ein Glück haben, weiß Prill zu gut.

Schornsteinfeger bei der Arbeit: Nicht selten kommt es vor, dass sie tote Vögel unten aus den Schornsteinen fischen müssen.

Schornsteinfeger bei der Arbeit: Nicht selten kommt es vor, dass sie tote Vögel unten aus den Schornsteinen fischen müssen. © picture alliance/dpa

Was Schornsteinfeger sonst noch bei der Arbeit entdecken

Es komme oft vor, dass er tote Vögel in Schornsteinen vorfindet. Lebende Vögel seien sehr selten. „Ich habe drei Mal in acht Jahren lebende Vögel gefunden. Eine Elster, eine Taube und jetzt den Kauz“, so Prill. Aus Schornsteinfeger-Sicht sind Vögel übrigens kein Problem, weil sie direkt hindurchfallen und nichts verstopfen. Schön ist es freilich trotzdem nicht, wenn ein Vogel auf diese Weise verenden muss.

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Bei der Gelegenheit drängt sich freilich die Frage auf, was der Schornsteinfegermeister, der in Methler wohnt und vor acht Jahren seine Ausbildung begonnen hat, noch so in den Schornsteinen vorfindet. Oft seien es tatsächlich tote Vögel, antwortet Prill. „Viele Leute denken auch, dass da Ratten drin sind, aber ist nicht üblich.“ Manchmal finde er Kotelett-Knochen, die Raben fallen lassen haben – oder Wallnussschalen. Auch Spinnen gibt es in den dunklen Schächten reichlich.

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