Zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen in Kamen sind nun „Refill“-Stationen. Dort sollen Besucher unkompliziert ihre Wasserflaschen auffüllen können. Doch klappt das auch?

von Niklas Mallitzky

Kamen

, 10.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Zeiten von Hitzewellen und Rekordtemperaturen kann ein kühles Glas Wasser Wunder wirken. Doch während Wasser in hervorragender Qualität heute jederzeit in nahezu allen deutschen Haushalten verfügbar ist, greifen nach wie vor viele Menschen auf in Plastikflaschen abgefülltes Wasser zurück.

Das Projekt „Refill“ ist in Deutschland 2017 in Hamburg an den Start gegangen und wird seitdem von immer mehr Städten übernommen. Die Idee dabei ist, dass Bürger sich an zahlreichen Standorten in einer Stadt kostenlos eine mitgebrachte Flasche mit Wasser auffüllen können.

Auch die Stadt Kamen will nun eine „Refill“-Stadt werden und hat seine städtischen Institutionen zur Unterstützung aufgerufen.

Suche nach „Refill“-Standorten gestaltet sich teils schwierig

Um herauszufinden, wo genau die „Refill“-Standorte in Kamen zu finden sind, sollen die Bürger auf der Internetseite der Initiative, www.refill-deutschland.de, nähere Informationen finden. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Die Betreiber arbeiten mit einer interaktiven Karte, auf der alle Standorte in Deutschland verzeichnet sind. Wer versucht, die Karte mit einem leistungsschwächeren Handy aufzurufen, kann schnell an die Grenzen der Technik stoßen und muss mit langen Ladezeiten und Stillständen bis hin zum Browserabsturz rechnen.

Kamener „Refill“-Stationen im Praxistest: Es läuft – zumindest vor Ort

Diese Aufkleber weisen auf die „Refill“-Stationen vor Ort hin. © Refill Deutschland

Suchfunktion versagt im Test ihren Dienst

Mit entsprechender Technik lässt sich dieses Problem umschiffen, doch schnell tritt ein weiteres auf. Denn die Internetseite fragt den Benutzer nach den Standortdaten. Die können natürlich verweigert werden, doch wer das tut, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er nun seine Stadt selbstständig auf der unübersichtlichen Karte suchen muss. Eine Suchfunktion für die jeweilige Stadt oder den Ort ist zwar vorhanden, versagt im Test aber bisher ihren Dienst.

Von Kamen keine Spur

Wer trotzdem nicht die Karte von Hand durchstöbern möchte, der kann in einem alphabetisch sortierten Register nach seiner Stadt zu suchen. Aachen ist dabei, Berlin, Celle und Dresden ebenfalls. Doch wer unter „K“ schaut, wird feststellen, dass die Liste mit Karlsruhe beginnt, von Kamen leider keiner Spur.

Sind die Standortdaten aktiviert, läuft die Suche unkomplizierter, zumindest wenn man in Aachen, Berlin, Celle oder Dresden lebt. Als Kamener tritt hingegen schnell Ernüchterung ein. Denn hier ist bislang lediglich eine Station eingetragen - und zwar das Reisebüro „Timmermann“ an der Märkischen Straße in Heeren-Werve.

Blaue Sticker weisen auf das Projekt hin

Doch wie sieht es vor Ort aus? Ist die Wassersuche genauso kompliziert wie im Internet? Die Antwort auf diese Frage ist deutlich erfreulicher. So prankt bereits am Eingang des Rathauses ein blauer Sticker, der auf das Projekt hinweist. Die Mitarbeiter an der Rezeption schicken Besucher direkt weiter zu den Kundentoiletten.

Einen Katzensprung entfernt vom Rathaus gibt es einen weiteren Anlaufpunkt für Wassersuchende. Das Haus der Stadtgeschichte bietet ebenfalls den Service an, die Besucher können auch hier die Wasserhähne der Toiletten benutzen, so Museumsleiter Robert Badermann. „Wer mit den Hähnen dort ein Problem hat, darf natürlich gerne auch unsere Küche nutzen.“ Den blauen Sticker hat Badermann allerdings im Inneren des Museums angebracht, denn die Eingangstür ist denkmalgeschützt.

Kamener „Refill“-Stationen im Praxistest: Es läuft – zumindest vor Ort

Der Sticker der „Refill“-Station ist im Inneren des Hauses der Stadtgeschichte angebracht. Auch hier schenkt Leiter Robert Badermann Wasser für jeden Besucher aus, der eine Flasche mitbringt. © Niklas Mallitzky

Kostenloses Wasser auch im Freizeitzentrum Lüner Höhe

Auch im Freizeitzentrum Lüner Höhe läuft die Wasserbeschaffung unkompliziert. Egal ob zu den Öffnungszeiten des Quartiersbüros oder dem Freizeitzentrum selbst, solange dort jemand zu finden ist, gibt es auch das kostenlose Wasser für die Besucher. Das füllt Leiter Michael Wrobel in der Küche des kleinen Cafés im Quartiershaus ab.

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„Ich finde es wichtig, dass wir diesen Dienst für den Stadtteil anbieten“, meint Wrobel. „Bisher hat das Angebot zwar noch niemand genutzt, aber in Zukunft könnte es vor allem für ältere Menschen, Kinder, die in der Gegend spielen, oder Radler interessant sein.“ Auch hier sei es egal, ob die Flasche aus Plastik oder Glas bestehe, so Wrobel: „Wenn eine Flasche mehr als einmal verwendet wird, ist das schon mal ein guter Anfang. Natürlich würden wir bei Plastikflaschen schon auf die Vorteile und Nachhaltigkeit von Glas gegenüber Kunststoff hinweisen.“

Kamener „Refill“-Stationen im Praxistest: Es läuft – zumindest vor Ort

Im Quartiershaus nutzt der Leiter des Freizeitzentrums Lüner Höhe, Michael Wrobel, die Küche des Cafés, um Besucher mit frischem Wasser zu versorgen. © Niklas Mallitzky

Kühles Nass zu Beginn der ersten Hitzewelle

Während die städtischen Einrichtungen seit Anfang des Monats Wasser ausschenken, hat besagtes Reisebüro in Heeren-Werve bereits mit dem Beginn der ersten Hitzewelle vor einigen Wochen den kostenlosen Service aufgenommen. So steht in Heeren ein Wasserfilter bereit, mit dem die Angestellten das frisch gezapfte Leitungswasser aufbereiten und in die mitgebrachten Flaschen abfüllen. Eine Kollegin habe davon im Internet erfahren, erklärt Marc-Christian Ziehm, der in der Zentrale in Unna arbeitet: „Unser Chef war sofort begeistert von der Idee und hat den Service in allen drei Filialen eingeführt.“

Kamener „Refill“-Stationen im Praxistest: Es läuft – zumindest vor Ort

Auch in der Vebraucherzentrale an der Kirchstraße wird der „Refill“-Service angeboten. © Werner Wiggermann

In der Kamener Verbraucherzentrale gibt es ebenfalls Wasser für jeden, der eine Flasche mitbringt. Hier ist sei es ebenfalls egal, ob die Flaschen aus Glas oder Plastik bestehen. Neben dem Wasser aus dem Hahn, das Ulrike Schaepermann ohne Umschweife in der Küche der Zentrale abfüllt, können sich die durstigen Besucher noch mit vielen kostenlosen Informationen zum Thema Nachhaltigkeit eindecken.

Das Fazit: Während das Projekt also noch mit Startproblemen bezüglich der Such-Möglichkeiten im Internet zu kämpfen hat, läuft die Wasserbeschaffung vor Ort unkompliziert und ohne Probleme.

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