Blöd gelaufen: Rollerfahrer bringt Beweise vors Gericht, die gegen ihn sprechen

dzAmtsgericht Kamen

Ein Kamener war ohne Führerschein mit einem Roller unterwegs. Dafür sollte er bestraft werden. Doch vor Gericht wollte der Kamener seine Lage mit Dokumenten verbessern. Und erreichte das Gegenteil.

von Jana Peuckert

Kamen

, 04.03.2020, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem lauten Knall ließ ein Angeklagter am Mittwoch im Amtsgericht Kamen beim Verlassen des Sitzungssaals die Tür ins Schloss fallen. Eine überraschende Reaktion, hatte der Richter ihm doch kurz zuvor eine echte Chance gegeben. Das hatte der 35-Jährige aber offensichtlich nicht verstanden.

Aber von vorn. Angeklagt worden war der Kamener wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Am 6. Dezember vergangenen Jahres geriet der Mann auf einem Roller ins Visier zweier Polizisten in einem Zivilfahrzeug. Normalerweise hätte das Gefährt des Angeklagten nicht mehr als 25 km/h schaffen dürfen. Doch der Kamener schien mehr drauf zu haben.

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Die Beamten nahmen auf der Heerener Straße die Verfolgung auf und der Verdacht bestätigte sich: Der Tacho zeigte um die 40 an. Die Polizisten stoppten den 35-Jährigen daraufhin. Dieser hatte keine Fahrerlaubnis und konnte auch keinerlei Papiere für den Roller vorweisen. Wie sich auf Nachfrage beim Kraftfahrbundesamt herausstellte, handelte es sich tatsächlich um einen Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

Kamener bringt sich mit Beweisen in eine schlechtere Position

Damit hatte sich der Kamener wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis strafbar gemacht und es kam zum Prozess. Im Gericht zeigte sich der Mann wenig einsichtig. Er legte Papiere vor, um zu beweisen, dass es sich um ein Mofa mit 25 km/h handelt.

Mit den Unterlagen verschlechterte er seine Lage aber nur. Aus den Dokumenten ergab sich nämlich, dass es sich um einen schnelleren Roller statt um ein Mofa handelte. Also folgte offenbar Plan B und der Angeklagte gab an, am Tattag in der Werkstatt gewesen zu sein. Dort habe er einen neuen Auspuff bekommen, der das Fahrzeug beschleunigte. „Erzählen Sie uns keine Geschichten, die glauben wir Ihnen sowieso nicht“, machte der Vertreter der Staatsanwaltschaft kein Geheimnis daraus, dass er die Einlassung des Angeklagten für eine Lüge hielt.

Richter am Amtsgericht Kamen zeigt sich gnädig

Das sah auch der Richter so und verurteilte den Mann zu 1800 Euro Geldstrafe. Nicht zuletzt einige einschlägige Vorstrafen brachten den Vorsitzenden dazu, davon auszugehen, dass der 35-Jährige ganz genau wusste, dass er nicht hätte fahren dürfen. Der Mann besaß noch nie einen Führerschein. 2017 habe er einen machen wollen, erklärte er. Das Geld für den Unterricht habe ihm das Jobcenter gegeben. Eine Prüfung habe er jedoch nicht machen können, da das Straßenverkehrsamt aufgrund seiner kriminellen Vorgeschichte eine MPU hatte haben wollen.

Dafür fehlte dem Mann allerdings das Geld, da das Jobcenter diese Kosten nicht übernahm. Er wolle nun einen weiteren Versuch starten. Um dieses nicht zu erschweren, verzichtete der Richter auf eine Sperre der Erteilung der Fahrerlaubnis und auch auf ein Fahrverbot. Ein Entgegenkommen, das der Angeklagte letztlich offenbar nicht zu schätzen wusste.

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