Die erste Spielzeit des Ruhricals Radio Ruhrpott war ein voller Erfolg. An diesem Wochenende geht die Produktion zweier Kamener in die zweite Saison. Die können es fast selbst nicht fassen.

Kamen

, 20.09.2019, 18:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Keine Frage: Das Herz von Michael Kloßek und Bernd Böhne schlägt für die Kultur. Die beiden Ur-Kamener wagten im Frühjahr allerdings ein ganz besonderes Experiment: In einer von Deutschlands Musicalhochburgen brachten sie eine eigene Produktion auf die Bühne. In Castrop-Rauxel, das vermutlich jeder sofort im Ruhrgebiet verortet, läuft seither das Ruhrical „Radio Ruhrpott“. Eine Liebeserklärung an den Pott, die Menschen hier und eine Hommage an alle heimischen Komponisten und Liedermacher der jüngeren Vergangenheit.

Zweite Spielzeit beginnt

„Das Stück kommt äußerst positiv an“, freut sich Autor Bernd Böhne. „Wir bekommen so viele positive Reaktionen – und immer wieder fällt der Satz, das genau so etwas im Ruhrgebiet noch gefehlt habe.“ Dabei stellen sich Böhne und das restliche Kreativteam einer gewaltigen Konkurrenz mit großen Produktionsfirmen im Hintergrund und einem durchaus anspruchsvollen Musical-Publikum. „Aber etwas so Identitätsstiftendes wie Radio Ruhrpott gab es hier noch nicht. Unsere kühnsten Wünsche wurden wirklich übertroffen. Wir sind schon ein bis zwei Schritte weiter, als wir je erwartet hätten.“

Kamener Musical-Macher sind selbst vom Erfolg überrascht

Das Radio-Ruhrpott-Team: Die Musik basiert auf Liedern, die entweder im Ruhrgebiet entstanden, von heimischen Interpreten gesungen wurden oder vom Ruhrgebiet handeln. © privat

Spieltermine schon für 2020 festgezurrt

Keine Frage, das Stück ist auf dem Weg in die Erfolgsspur. Der Vorverkauf für die Herbstsaison lief gut. In dieser Woche zurrte Michael Kloßek, der für den organisatorischen Part zuständig ist, weitere Spieltermine für das Frühjahr 2020 fest. Wie gehabt erst einmal nur an ausgewählten Wochenenden und weiterhin im Theater in Castrop-Rauxel. „Wir wollen alles langsam aufbauen und dabei zur Marke werden“, sagt Kloßek. „Wir wollen mit Radio Ruhrpott fester Bestandteil des Kultur-Kalenders werden“, nennt er das erklärte Ziel. Doch: „Am Ende sind es die Leute, die mit den Füßen abstimmen“, sagt Böhne schulterzuckend. Damit das Stück weiterhin Erfolg hat, müssen Zuschauer kommen. Eine Ensuite-Produktion mit nahezu täglichen Aufführungen ist im Moment nur eine Zukunftsvision. Aber: „Wir haben jetzt die Chance, uns in der Kulturszene einen Namen zu machen“, sagt Böhne. „Die wollen wir nutzen.“

Gastspiele - auch bei den Ruhrfestpielen - denkbar

In Castrop wolle man zwar bleiben, aber Gastspiele in anderen Städten seien durchaus denkbar. „Oder auch eine Teilnahme an den Ruhrfestspielen“, sagt Michael Kloßek mit glänzenden Augen. Dort, so sind die Musical-Macher überzeugt, würde man auf ein interessiertes Publikum treffen.

Drei Säulen verhelfen dem Ruhrpott-Musical zum Erfolg

Dass Radio Ruhrpott bei Zuschauern wie Kritikern gut ankommt, liegt an drei Dingen: Auf und hinter der Bühne sind Profis am Werk, die Figuren und Stück einen eigenen Stempel aufdrücken können und daher mit Freude und Herzblut dabei sind. Weder Charaktere noch Sprache werden überzeichnet, wie es bei Ruhrgebiets-Stücken schnell passieren kann. „Es soll autentisch sein, nicht aufgesetzt und überspitzt wirken“, verrät Böhne, was ihm besonders am Herzen liegt.

Kamener Musical-Macher sind selbst vom Erfolg überrascht

Bernd Böhne spielt im eigenen Stück den Hausmeister Machulke. © Stefan Milk

Die Handlung selbst basiert auf dem Geist der Ruhrpott-Philosophie: Ehrlichkeit, Zusammenhalt, Freundschaft. „Diese gemeinsame Kraft macht das Ruhrgebiet aus“, ist Böhne überzeugt. „Und diese Eigenschaften haben auch kein Mindesthaltbarkeitsdatum“, weiß Kloßek, der inzwischen in Berlin lebt. „Dort beneidet man uns ,Pottler‘ ein wenig darum“, hat er beobachtet.

Die Musik basiert auf Liedern, die entweder im Ruhrgebiet entstanden, von heimischen Interpreten gesungen wurden oder vom Ruhrgebiet handeln. Da überrascht es nicht, wenn der Funke überspringt und das Publikum spätestens bei „Wir sind das Ruhrgebiet“ lautstark mitsingt. Einen musikalischen roten Faden gibt es in der als Radio-Sendung angelegten Revue mit verbindender Rahmenhandlung aber nicht. So bunt wie der Pott, so vielseitig ist die Song-Auswahl.

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Lokalkolorit durch die Arbeit auf der Zeche

Vor einem Handlungsstrang im eigenen Stück hatte Bernd Böhne jedoch mächtig Respekt: dem Bergbau. Als junger Mann arbeitete er auf Monopol unter Tage, seine Erlebnisse brachte er in das Stück mit ein. „Ich war total nervös“, gibt er zu. „Es gibt noch so viele Bergleute, die wissen, wie es unter Tage war. Ich wusste, diese Szene würde entscheidend sein: Die Leute würden es lieben oder als lächerlich abtun“, beschreibt er seine Gratwanderung.

Doch dass die Szene funktioniert, weiß niemand besser als Michael Kloßek. „Ich sitze immer ganz hinten im Theater und beobachte das Publikum. An der Stelle rücken die Männer oft näher an ihre Frauen oder legen gar den Arm um sie. Wenn ich das sehe, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut.“

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