Kamener kümmern sich um weißrussische Tschernobyl-Kinder

dzHilfsbereitschaft für Gäste

Als Ursel Caspers-Kopp vor 15 Jahren nach Kamen zog, brachte sie ihr Engagement für Tschernobyl-Kinder mit. Die Awo finanziert Ausflüge über Spenden – diesmal in den Safaripark Stukenbrock.

Kamen

, 23.09.2019, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Liebe wegen kam Ursel Caspers-Kopp vor 15 Jahren nach Kamen. Im Gepäck hatte sie ein großes ehrenamtliches Engagement: Sie ist aktives Mitglied der Duisburger Initiative Tschernobyl-Kinder.

Radioaktive Wolke traf vor allem Weißrussland

Auch 33 Jahre nach der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Kernkraftwerk sind die Folgen spürbar. Die radioaktive Wolke traf hauptsächlich das Nachbarland Weißrussland. Krebs ist in der Region um Gomel weit verbreitet, vor allem Kinder leiden. Hinzu kommen ärmliche Lebensumstände. „Hier bei uns leben Tiere besser als dort Familien“, hat Ursel Caspers-Kopp bei Besuchen selbst gesehen. Kein Strom, kein fließend Wasser, lediglich Brunnen: Caspers-Kopp schüttelt den Kopf in Erinnerung daran, wie es in Weißrussland auf dem Land zugeht.

Engagement als persönlicher Beitrag

Als Jürgen Schlegel bei einem Informationsabend Fotos von einer ihrer Reisen sah, war er entsetzt. „Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können und mich gefragt, warum ich mir das angetan hatte“, gibt er zu. Doch auch in dem engagierten Awo-Streiter reifte der Entschluss, zu helfen.

„Den Menschen in der Ukraine wurde damals finanziell geholfen. Nach Weißrussland floss nichts“, weiß Ursel Caspers-Kopp. Um ihren eigenen Beitrag zu leisten, lädt sie daher jedes Jahr Kinder aus Weißrussland zu einem drei- bis vierwöchigen Urlaub zu sich nach Hause ein. In den Sommerferien waren es drei Jungen, die sich hier pudelwohl fühlten. „Sie fragten, ob sie nächstes Jahr wohl wiederkommen dürften, aber wir sind alt“, sagt Ursel Caspers-Kopp. „Ich werde nächste Woche 76. Wenn die Gesundheit es zulässt, sehr gerne. Aber wie lange das noch geht, weiß ich nicht.“ Es wäre daher toll, wenn sich für die Zukunft weitere Gastfamilien finden würden.

Viele Kamener helfen über Spenden mit

Insgesamt waren 25 Kinder im Ruhrgebiet zu Besuch und in Gastfamilien untergebracht. Für alle gab es ein gemeinsames Programm, das auch viele Kamener mit Geldspenden oder Einladungen ermöglichten. Über die Awo wurde ein Spendenkonto eingerichtet.

Die Awo selbst finanzierte einen Tagesausflug in den Safari-Park Stukenbrock.

„Für mich als Begleiter und den Kindern war dieser Tag im Safari Park ein wunderbares Erlebnis, so etwas haben wir noch nie erlebt. Ich möchte mich bei allen, die uns diesen Ausflug ermöglicht haben, recht herzlich bedanken. Es war einfach nur schön“, schrieb Dolmetscher Roman Chekan in einem von allen unterschriebenen Dankesbrief, den Schlegel allen weiteren Kamener Sponsoren, rund 50 an der Zahl, zukommen lassen wird.

Ferien in Deutschland stärken Gesundheit nachhaltig

Der Dolmetscher ist übrigens bestes Beispiel dafür, wie nachhaltig die Ferienaufenthalte in Deutschland für die Kinder sind. „Er und auch seine Kollegin Katja Melnichenko waren selbst als Kinder hier. Heute sind sie Deutschlehrer in ihrer Heimat und begleiten die aktuellen Gruppen als Betreuer und Dolmetscher“, weiß Caspers-Kopp. Dabei sprechen viele der Kinder selbst schon gut deutsch.

Spender willkommen

Tschernobyl-Hilfe

Wer die Hilfe für Tschernobyl-Kinder unterstützen möchte, kann dies als Gastgeber tun und eins oder mehrere Kinder bei sich Zuhause aufnehmen, oder die Gruppe für nur einen Tag oder Abend zu einem Programmpunkt oder Essen einladen. Gerne gesehen sind auch finanzielle Spenden auf das Konto Awo Kamen Mitte, Tschernobyl, Steuernummer 32/5930/0585, Finanzamt Hamm, IBAN DE 6244 3500 6028 0007 5523 Duisburger Initiative Tschernobyl-Kinder e.V., Spendenkonto Sparkasse Duisburg, IBAN DE 8435 0500 0002 1500 2536
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