Passfoto-Gesetz: Seehofer lenkt ein – Kamener Fotograf rechnet trotzdem mit Umstellung

dzAusweissicherheit

Nach einem Gesetzesentwurf zur Ausweissicherheit hagelte es Kritik von Fotografen. Auch Kamener Fotografen fürchteten ihren Ruin. Nun rudert Horst Seehofer zurück. Eine Unsicherheit bleibt.

Kamen

, 23.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kamener Fotograf Stefan Dettler freut sich über das Statement aus dem Innenministerium zum Gesetzesentwurf zur Ausweissicherheit. In dem Entwurf steht, dass Pass- und Ausweisfotos künftig nur noch in Behörden aufgenommen werden sollen. Für die hiesigen Fotografen bedeutete das den Ruin. „Wir sind ein reines Passbild-Studio. Wenn das Gesetz kommt, können wir zumachen“, sagte Stefan Dettler, Inhaber von Foto Holzer an der Bahnhofstraße 49.

So wie Stefan Dettler kritisierten bundesweit Fotografen den Gesetzentwurf. Die Stadt Kamen steht ebenfalls hinter den Fotografen. Die Stadt hat bisher darauf verzichtet, einen Automaten aufzustellen, um den örtlichen Fotografen keine Konkurrenz zu machen.

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Auch Verbände wie etwa der Handelsverband Deutschland schalteten sich in die Diskussion ein. „Angesichts der ohnehin angespannten Lage im stationären Einzelhandel stellt dies eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen dar“, so HDE-Präsident Josef Sanktjohanser und der Vorstandsvorsitzende des Handelsverbandes Technik (BVT), Frank Schipper.

Der heftige Gegenwind hat offenbar gefruchtet, denn nun rudert Innenminister Horst Seehofer (CSU) etwas zurück. Seehofer betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass ihm wichtig sei, dass sich Bürger in Zukunft „entscheiden können, ob sie die Passfotos künftig bei der Behörde oder in einem Fotogeschäft anfertigen lassen.“ Das Bundesinnenministerium will nun doch nicht vorschreiben, dass Passfotos nur noch im Bürgeramt aufgenommen werden dürfen.

Stefan Dettler rechnet mit Veränderungen für die Fotografen

Für Dettler und seine Kamener Kollegen sind das erfreuliche Nachrichten. Dettlers Freude ist dennoch zurückhaltend. „Noch ist nichts entschieden“, sagt er. Er geht davon aus, dass auf die Fotografen neue Vorschriften zukommen, sollte ein solches Gesetz tatsächlich verabschiedet werden.

„Die Fotos müssen dann wohl verschlüsselt und digital rübergeschickt werden“, so Dettler. Er geht davon aus, dass spezielle Kameras und Software angeschafft werden müssen. „Das würden wir gerne tun“, sagt Dettler, obwohl damit freilich auch Kosten verbunden sind.

Passfoto-Gesetz: Seehofer lenkt ein – Kamener Fotograf rechnet trotzdem mit Umstellung

Auch Fotograf Ralph Bisdorf kritisierte den Gesetzesentwurf. Obwohl er mehr anbietet als Pass- und Ausweisfotos, wäre es für ihn existenzgefährdend, wenn Fotos nur noch unter staatlicher Aufsicht gemacht werden dürften. © Stefan Milk

Wie genau den Sicherheitsinteressen Rechnung getragen werden kann, ohne die Fotografen zu benachteiligen, ist noch nicht bekannt. Das Bundesinnenministerium sucht derzeit nach einem Weg. Eine Möglichkeit wäre laut Deutscher Presse-Agentur jene, die auch Dettler sieht: Spezielle Regelungen für eine Übertragung vom Fotogeschäft direkt zum Bürgeramt.

Innenministerium sind drei Fälle von gemorphten Bildern bekannt

Die neuen Regelungen im Pass- und Ausweisgesetz sollen die Fälschungssicherheit erhöhen. „Bei der Sicherheit unserer Identitätsdokumente machen wir keine Kompromisse. Das gilt auch für die Passfotos“, sagte Seehofer. Nach Angaben aus dem Innenministerium sind deutschen Sicherheitsbehörden drei Fälle von gemorphten Lichtbildern in Reisedokumenten bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.

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In einem Fall ging es um einen deutschen Reisepass. Mit Bildmanipulationen, etwa durch das sogenannte Morphing, können Bilder von mehreren Gesichtern zu einem verschmelzen. So können unterschiedliche Personen den selben Ausweis zum Grenzübertritt nutzen. Diese Sicherheitslücke will Seehofer nun schließen. Die Verbände und die Bundesländer haben noch bis zum 28. Januar Gelegenheit, zu dem Gesetzentwurf Stellung zu nehmen.

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