Freizeiteinrichtungen müssen ab dem 2. November schließen. Dazu zählen dem Anschein nach auch Fitnessstudios. Die Kamener zeigen Verständnis. Wie groß ihr Verlust ist, wird sich erst noch zeigen.

Kamen

, 29.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ich habe mein Fitnessstudio vor 40 Jahren als erstes Studio in Kamen eröffnet und schon eine Menge erlebt. Das Leben ist immer eine Achterbahn. Das müssen wir akzeptieren“. Gerard Stonjek, Inhaber des „Fitness And More“ an der Weststraße nimmt den Beschluss des Bundes gefasst auf. Angela Merkel und die Ministerpäsidenten der Länder verständigten sich am Mittwoch für „harte Auflagen“, wie Merkel es ausdrückte.

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Eine der Maßnahmen ist, dass neben vielen anderen Einrichtungen auch Fitnessstudios ab dem 2. November für einen Monat schließen müssen. Merkel betonte, dass man mittlerweile in 75 Prozent der Fällen nicht mehr wisse, woher die Infektionen kommen. „Man kann nicht mehr sagen, dass ein bestimmter Bereich zu einer Infektion nicht beiträgt“, sagte sie. Zwar lobte die Bundeskanzlerin die gut durchdachten Hygienekonzepte vieler Unternehmer, doch es gehe jetzt darum, die Kurve abzuflachen.

Fitnessstudiobetreiber zeigt Verständnis für die politische Entscheidung

Auch Stonjek glaubt an sein Konzept – vor allem auch, weil es sich bei seinem Studio um einen sehr kleinen, inhabergeführten Betrieb handelt. Weil dort nicht viele Mitglieder ein und ausgehen sei es leicht möglich, das Hygienekonzept einzuhalten. „Ich schätze die Infektionsgefahr sehr niedrig ein“, so Stonjek.

Doch er zeigt gleichzeitig Verständnis für die Entscheidung der Politik und auch dafür, wie schwer es sein muss, eine solche Entscheidung zu treffen: „Ich verstehe das Problem der Politik, das nicht durchdifferenzieren zu können.“

Er hofft jetzt auf finanzielle Unterstützung wie es sie schon beim ersten Lockdown gab. „Die Maßnahmen haben uns sehr geholfen“, sagt er. Auch vonseiten des Vermieters hat er Unterstützung erfahren. Und doch ist die Situation alles andere als einfach: „Man baut einen Schuldenberg auf.“

Schaden für die Fitnessbranche zeigt sich erst versetzt

Wie groß der Schaden für die Fitnessbranche tatsächlich ist, zeige sich im nächsten Jahr. Warum, das erklärt Jan Rozanka, Inhaber des „Red Fitness“ an der Gutenbergstraße. Zwar sei derzeit noch die Wirtschaftlichkeit gegeben, doch das sei ein falsches Bild. Die Fitnessbranche lebe von Laufzeitverträgen und wenn sich jetzt weniger Menschen als sonst anmelden, dann zeigt sich das nicht direkt. „Wenn die in ein bis eineinhalb Jahren wegbrechen, dann kommt die große Krise“, so Rozanka.

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In der Branche gebe es eine natürliche Fluktuation mit 12 bis 15 Prozent Abmeldungen pro Jahr. „Das ist eine normale und gesunde Zahl“, so Rozanka. Aber sie sollte nicht höher sein. Angesichts der derzeitigen Situation wird sie das aber vermutlich. Sowohl Rozanka als auch Stonjek spüren die Angst und Vorsicht der Menschen. Zwar trainierten die Mitglieder in den vergangenen Monaten wie gewohnt, aber Neuanmeldungen gab es kaum.

Fitnessbranche appellierte an Ministerpräsident Armin Laschet

„Ich habe Verständnis für die Menschen, die Angst haben“, sagt Rozanka. Doch er betont auch, dass Angst ungesund ist und gerade in der Pandemie ein gesunder Lebensstil entscheidend ist. Und dazu gehört neben innerer Gelassenheit und gesunder Ernährung eben auch Bewegung.

Rozanka hat deshalb noch am Dienstag gehofft, dass Fitnessstudios geöffnet bleiben dürfen – weil sie seiner Meinung nach relevanter sind als manch andere Freizeiteinrichtung und weil sich bisher nur wenige beim Sport in Fitnessstudios angesteckt haben. So scheint es zumindest.

Das betonte nicht nur Rozanka, sondern auch der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen in einem offenen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Jan Rozanka, Inhaber des „Red Fitness“ in Kamen hoffte bis zuletzt, dass die Fitnessstudios vom Lockdown verschont werden, weil Gesundheit in diesen Zeiten wichtig ist.

Jan Rozanka, Inhaber des „Red Fitness“ in Kamen hoffte bis zuletzt, dass die Fitnessstudios vom Lockdown verschont werden, weil Gesundheit in diesen Zeiten wichtig ist. © privat

„Die neuesten Studien aus ganz Europa und natürlich auch aus Deutschland belegen eindeutig, dass das Training der Kunden in Fitness-Anlagen kein spezifisches Risiko für die Ansteckung mit dem Covid-19 Virus bedeutet; im Gegenteil, das Training trägt dazu bei, die physische und psychische Gesundheit zu erhalten“, beginnt der Brief, der vor Mittwoch abgeschickt worden ist.

Der Verband protestiere gegen die Pläne in NRW, geschlossene Räume zu schließen. „Hierbei handelt es sich genau um das falsche Signal und eine unzumutbare Benachteiligung von Menschen, die ganz bewusst und gerade jetzt ihre Immunabwehr stärken wollen und sollen!“

Auch schreibt die Verbandspräsidentin Birgit Schwarze, dass „Unternehmen mit hohen Investitionen und vielen Arbeitsplätzen“ nicht vernichtet werden dürfen. Und wie Rozanka bereits erklärt hat, könnte das eine der Corona-Nachwehen werden, die erst in den nächsten Jahren durchschlägt.

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