Den 9. Oktober 2018 vergisst der Kamener Bruno Arendsee garantiert nicht mehr. Er ist an diesem Tag nur äußerst knapp dem Tod durch Ertrinken entkommen – als Beifahrer in einem Auto.

Kamen

, 23.10.2018, 17:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 9. Oktober war der erste Urlaubstag, den der 71-Jährige im Westen von Mallorca verbrachte – und er begann so, wie eigentlich ein erster Urlaubstag beginnen sollte. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel, es war angenehm warm und der Kamener entschloss sich mit dem Leihfahrrad von seinem Hotel in Porto Cristo nach Cala Millor zu fahren, wo sich sein Stammlokal „Restaurante Bahia“ befindet, wenn er auf der Insel ist.

Kamener ertrinkt auf Mallorca fast in einem Auto

So schwer war das Unwetter auf Mallorca. Angehörige der militärischen Nothilfeeinheit Militar de Emergencias (UME) stehen vor einem umgestürzen Auto in S’Illot. Der Ort liegt ganz in der Nähe der Stelle, an der Bruno Arendsee dem Tod durch Ertrinken entkam. © dpa

Heftiges Gewitter

Als er dort saß und sich mit Freunden und Bekannten unterhielt, die er von vielen Aufenthalten auf der Insel kennt, zog draußen ein Gewitter auf. Bruno Arendsee merkte schnell, dass es sich nicht um ein Sommergewitter handelte, das ein wenig Erfrischung und Regen brachte, sondern um etwas Ernsteres. „Es regnete stark und es hörte vier Stunden lang nicht auf“, erinnert sich der Kamener. Er hatte dann zwar den Eindruck, dass der Regen nachließ. Daran, mit dem Fahrrad zurück zu seinem Hotel in Porto Cristo zu radeln, war aber immer noch nicht zu denken.

Die vermeintliche Rettung arbeitete in der Küche. Der Koch Klaus, der seit 15 Jahren auf Mallorca lebt, bot Arendsee an, ihn in seinem Auto mit zurück nach Porto Cristo zu nehmen, wo er selbst wohnt. Gegen 19.30 Uhr brachen die beiden Männer auf.

Wenn Bruno Arendsee schildert, was in der kommenden Stunde geschah, muss er immer noch Luft holen und hin und wieder innehalten, um sich zu sammeln.

Kamener ertrinkt auf Mallorca fast in einem Auto

Das Auto am Tag nach dem Unwetter. Von außen deutet fast nichts auf die Katastrophe hin bis auf das Flatterband der Polizei am Außenspiegel. © xxx

Der Motor stirbt ab

Der Koch nahm zunächst die Hauptstraße in Richtung Porto Cristo, stellten aber schnell fest, dass sie gesperrt war. Klaus, der sich auskennt, bog deshalb auf eine Nebenstrecke ab – und die beiden Männer fuhren fast in eine Todesfalle. Vor ihnen lag auf der Strecke eine lang gezogene Senke, in der Wasser stand – allerdings, wie es schien, nicht besonders hoch. Ein fataler Irrtum, wie sich herausstellte. Plötzlich geriet das Auto in tieferes Wasser - und der Motor ging aus. Die beiden hofften, dass sie den Diesel wieder in Gang bringen könnten. „Dann ging aber auch noch das Licht aus – und es ging gar nichts mehr“, erinnert sich der Kamener.

Durch das Wasser war die komplette Elektrik ausgefallen – und das erwies sich in dem relativ modernen Auto als fatal. Weder die elektrische Türverriegelung noch die die Fensterheber ließen sich betätigen – die beiden Männer waren im Auto gefangen.

Kamener ertrinkt auf Mallorca fast in einem Auto

Der Innenraum des Renault ist nach dem Unwetter völlig verschlammt. An der Beifahrertür ist der Türgriff zu sehen, den Arendsee in seiner Verzweiflung abgerissen hat. © xxx

Türgriff herausgerissen

Schnell merkten sie, dass sie sich in der Falle befanden. Die Senke, die sich in der Nähe des Flusses Torrent de Ca n´Amer befindet, füllte sich mehr und mehr mit Wasser. „Erst sickerte nur etwas Wasser unten an den Türen ein – und dann wurde es immer mehr“, erinnert sich Bruno Arendsee.

233 Liter Regen pro Quadratmeter in zwei Stunden

Bei dem heftigen Unwetter am 9. Oktober im Osten der Baleareninsel Mallorca fiel in kurzer Zeit unglaublich viel Regen auf einen relativ kleinen Teil der Insel.In Berichten ist von einer Regenmenge von 233 Litern pro Quadratmeter in nur zwei Stunden die Rede. Der ungeheure Regen führte dazu, dass Bäche und kleine Flüsse in kurzer Zeit zu reißenden Strömen anschwollen, die Umgebung überfluteten und Fahrzeuge mit sich rissen. Bruno Arendsee berichtet, dass eine Mauer, die an der Stelle stand, an der er im Auto gefangen war, fast komplett weggeschwemmt wurde. Ganz in der Nähe, im Küstenort S´Illot kamen zwei britische Urlauber ums Leben, die in einem Taxi von den Wassermessen überrascht wurden.

Zunächst waren die beiden Männer noch gelassen. Je höher das Wasser stieg, umso panischer wurden sie. „Als mir das Wasser bis zum Bauch gereicht hat, stieg es immer schneller“, erinnert sich der 71-Jährige. Irgendwann wurde den Männern klar, dass sie im Auto ertrinken, wenn sie es nicht schafften, herauszukommen. Sie stemmten sich gegen die Türen und rissen verzweifelt an den Türgriffen. „Hinterher habe ich gesehen, dass ich den Türgriff herausgerissen habe“, sagt Arendsee.

Schließlich stand das Wasser so hoch im Auto, dass sie gerade noch den Kopf über Wasser halten konnten. Dem Besitzer des Autos fiel ein, dass er irgendwo im Fahrzeug einen Schraubenzieher hatte und fing an, unter Wasser danach zu suchen. Als Arendsee schon fast aufgeben wollte, fand er ihn und schaffte es, ein Seitenfenster zu zertrümmern. „Er ist irgendwie herausgeklettert und hat gerufen: Bruno komm `raus“, erinnert sich der Kamener. Irgendwie schaffte er es, sich auch durch das Fenster zu winden.

Die Männer mussten noch ein Stück schwimmen, um wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ein Busfahrer, der noch vor der Senke gehalten hatte, nahm sie auf und stellte die Heizung an. Bewohner eines nahen Hauses brachten Decken.

Später erfuhr der 71-Jährige dass hinter ihnen eine Frau in die Senke gefahren war und in ihrem Auto ertrank. „Seit diesem Vorfall weiß ich: Es gibt Schutzengel“, sagt Arendsee.

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