Kamener CDU-Parteichef Wünnemann legt sein Amt nieder

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Paukenschlag bei der Kamener CDU: Stadtverbandsvorsitzender Dietmar Wünnemann hat seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Die Begründung dafür liefert er in einer persönlichen Erklärung.

Kamen

, 22.11.2018, 10:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Jahre vor der Kommunalwahl muss der CDU-Stadtverband Kamen sich einen neuen Vorsitzenden suchen. Der 60-jährige Dietmar Wünnemann gab am Mittwochabend überraschend seinen Rücktritt bekannt. Die Gründe seien „in der unterschiedlichen Auffassung der Führungsarbeit in der Partei zu suchen“, heißt es in einer Mitteilung. „Die Diskussionen darüber waren in der Vergangenheit für die eigentliche Parteiarbeit weder sinntragend noch zielführend.“

Der Polizeihauptkommissar und CDU-Ratsherr hatte das Führungsamt erst 2015 von Rainer Fuhrmann übernommen. Wünnemann bezeichnet seinen Rücktritt in der Mitteilung als „notwendig, um weiterhin eine förderliche und zielorientierte Parteiarbeit zu gewährleisten“. Dies gelte besonders im Hinblick auf die anstehende Europawahl 2019 sowie die Kommunalwahl 2020. Auf Nachfrage wollte Wünnemann nicht näher auf die Hintergründe seines Rücktritts eingehen.

Gemessen am Ergebnis der letzten Vorstandswahl vor gut einem Jahr war Wünnemann kein Vorsitzender, der über einen breiten Rückhalt in der Partei verfügt. Damals forderte der frühere Fraktionsvorsitzende und ehemalige Ratspolitiker Heinrich Kissing den amtierenden Vorsitzenden heraus. Kissing leitet die Ortsunion Kamen-Mitte/Südkamen, Wünnemann gehört der Ortsunion Methler an.

Wünnemann konnte sich zwar in der spannenden Abstimmung gegen seine Herausforderer durchsetzen, doch das Ergebnis war relativ knapp und er holte sich ein blaues Auge. Nur knapp 60 Prozent der anwesenden Mitglieder bestätigten Wünnemann in der geheimen Wahl. Das Ergebnis lautete: 26 Stimmen für Wünnemann, 19 für Kissing. „Ich muss mir noch einen Bonus erarbeiten“, kommentierte Wünnemann sein schlechtes Abschneiden.

Kamener CDU-Parteichef Wünnemann legt sein Amt nieder

Heinrich Kissing forderte Dietmar Wünnemann bei der Vorstandswahl 2017 heraus (Archivfoto). © Stefan Milk

Die Zeit, sich diesen Bonus zu erarbeiten, hat Wünnemann wohl nicht gereicht. Seine Arbeit als Ratsherr bleibe von seinem Rücktritt als Parteichef unberührt, sagte er. Der CDU-Stadtverband Kamen wird jetzt satzungsgemäß bis zu einer Neuwahl von den stellvertretenden Vorsitzenden Rosemarie Gerdes und Wilhelm Kemna weitergeführt. Die nächsten turnusgemäßen Vorstandswahlen stehen 2019 an. Ob es bereits vorher Neuwahlen geben wird, ist noch nicht bekannt.

Wünnemann kann für sich in Anspruch nehmen, frischen Wind von außen in die Partei gebracht zu haben. Erst 2013 war er in die Partei eingetreten. 2014 folgte der Einzug in den Stadtrat. 2015 wurde Wünnemann zum Vorsitzenden gewählt, 2017 bestätigt. Unter Wünnemanns Führung schloss die CDU im Kamener Bürgermeisterwahlkampf ein Bündnis mit Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Freien Wählern. Gemeinsam wurde die parteilose Tanja Brückel als Kandidatin gekürt, die gegen Elke Kappen (SPD) und Jonas Büchel (parteilos) antrat. Das Vierer-Bündnis feierte es als Erfolg, die SPD-Politikerin in eine Stichwahl gezwungen zu haben. In der Stichwahl verlor Brückel letztlich gegen Kappen.

Nach seiner Wiederwahl als Vorsitzender hatte Wünnemann 2017 seine Pläne für die CDU geschildert: Er befürwortete eine bessere Präsenz in der Stadt – etwa durch eine Geschäftsstelle. Außerdem wolle er durch eine „besondere“ CDU-Veranstaltung einmal jährlich Mitglieder und die Öffentlichkeit für die Partei interessieren. Die Kamener CDU ist nach der SPD die zweitgrößte Ratspartei in Kamen.

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