Mitarbeiter des Ordnungsdienstes dürfen künftig mit kleinen Kameras ausgestattet werden. Kamen und Bergkamen sehen darin auch grundsätzlich einen Sinn. Doch kommt es auch zum Einsatz?

Kamen, Bergkamen

, 11.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es stimmt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst nicht nur Lob für ihre Arbeit erfahren, sondern auch Beschimpfungen und gelegentlich Bedrohungen ausgesetzt sind. Im Einzelfall werden Strafanzeigen gestellt, aktuell ist noch ein Verfahren offen.“ Christine Busch, Beigeordnete der Stadt Bergkamen, weiß, dass Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes es nicht immer leicht haben.

Aus diesem Grund werde in den Dienstbesprechungen regelmäßig darüber beraten, wie die Mitarbeiter gestärkt werden können, um eine schwierige Situation deeskalierend zu beruhigen und für ihre eigene Sicherheit zu sorgen – etwa durch Fortbildungen. Das Mitführen von Verteidigungswaffen wie Schlagstöcken werde nicht befürwortet.

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Ein anderes mögliches Hilfsmittel für die Arbeit im Ordnungsdienst sind neuerdings Körperkameras, sogenannte Bodycams. Mit ihnen sind bereits manche Polizisten in NRW ausgestattet und nach dem Willen der NRW-Regierungsfraktionen CDU und FDP dürfen künftig auch Mitarbeiter im Ordnungsdienst solche Kameras tragen. Einen entsprechenden Antrag hatte der Landtag kürzlich verabschiedet.

Was Bergkamen und Kamen vom Einsatz von Bodycams halten

Doch die Erlaubnis führt freilich noch lange nicht dazu, dass in Bergkamen und Kamen die Ordnungsdienstmitarbeiter auch tatsächlich mit diesen Kameras ausgestattet werden. In Bergkamen wurde laut Busch zwar darüber diskutiert, aber eine abschließende Antwort gibt es noch nicht.

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In Kamen sind die Kameras sogar „noch überhaupt kein Thema gewesen“, wie Sprecher Rüdiger Büscher auf Nachfrage erklärt. Der Grund ist schlüssig: Derzeit braucht Kamen solche Kameras nicht, weil es bisher nicht zu Vorfällen gekommen ist. „Es gibt vielleicht mal einen Spruch von einem Parksünder. Das kommt immer mal vor. Aber keine Drohungen oder körperlichen Handgreiflichkeiten“, so Büscher. Die Verwaltung würde so etwas streng ahnden und Anzeige erstatten, doch bisher sei nichts passiert.

Generell befürworte die Stadt den Einsatz solcher Bodycams aber, „denn auf der einen Seite können sie die Mitarbeiter schützen, auf der anderen Seite ist es das berechtigte Interesse der Bürger, Vorgänge neutral bewerten lassen zu können“, so Büscher. Denn die Kameras filmen mit und erleichtern nachher die Bewertung der Situation.

Ein privater Sicherheitsdiensts unterstützt den Ordnungsdienst der Stadt Kamen. Auch mit der Polizei arbeitet das Ordnungsamt während der Corona-Krise enger zusammen. In Kamen wie Bergkamen erfolgreich.

Ein privater Sicherheitsdiensts unterstützt den Ordnungsdienst der Stadt Kamen. Auch mit der Polizei arbeitet das Ordnungsamt während der Corona-Krise enger zusammen. In Kamen wie Bergkamen erfolgreich. © Carsten Fischer

Bodycams im Ordnungsdienst können deeskalieren und abschrecken

Ihr Sinn soll aber vor allem ein anderer sein, wie Christine Busch aus Bergkamen ausführt. Denn sie könnten Taten im Vorhinein verhindern. Ob Bodycams für Ordnungskräfte deeskalierend oder abschreckend wirken, bedürfe einer weiteren Betrachtung, so Busch. Die Erfahrungsberichte der Polizei ließen diesen Rückschluss eher zu, als die Vermutung, dass die Bodycam provozierend wirkt.

Es klingt also auch von Bergkamener Seite aus so, dass man im Einsatz der kleinen Kameras generell einen Sinn sieht. Busch macht jedoch auch deutlich, dass sie keine Wunder vollbringen können: „Mit einer Bodycam allein ist es ja nicht getan, so dass weiterhin darüber beraten werden muss, welche Ausbildung/Qualifikation/charakterliche Eignung etc. eine Ordnungskraft mitbringen soll und was der Aufgabenbereich eines Ordnungsdienstes in Abgrenzung zur Polizei ist“, so Busch.

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Busch hat offensichtlich genau im Blick, was nötig ist, damit die Mitarbeiter im Ordnungsdienst sicher sind und auch wissen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten müssen. Bodycams, die gut sichtbar an der Dienstkleidung platziert sind, wären nur ein weiterer Teil der Maßnahmen – zu denen beispielsweise schon gehört, dass im Dienstausweis nicht der Name der Mitarbeiter steht. Denn leider müssen nicht nur Beschäftigte aus dem Ordnungsbereich laut Busch Sorge wegen möglicher „Hausbesuche“ oder „Ich weiß, wo dein Auto steht“ haben.

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