Wo lärmt es an Straßen – und was ist von Gegenmaßnahmen wie Tempolimits und Fahrverboten zu halten? In Kamen sollen Bürger jetzt ihre Kommentare zum neuen Lärmaktionsplan abgeben. Unter anderem werden LKW-Fahrverbote geprüft.

Kamen

, 16.01.2020, 13:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

An Vorschlägen gegen Verkehrslärm mangelt es in Kamen nicht – egal ob Tempolimits, LKW-Fahrverbote oder der Umbau von Straßen. Doch rund zehn Jahre, nachdem die Stadt begonnen hat, mögliche Gegenmaßnahmen mit Hilfe von Lärmkarten systematisch zu entwickeln, sind die Erfolge überschaubar.

„Maßnahme nicht umgesetzt“ – so ist es an vielen Stellen des Kamener Lärmaktionsplans zu lesen, der bis zum Sommer aktualisiert wird. Der Entwurf für die dritte Fassung wurde am 10. Januar veröffentlicht und ein formelles Beteiligungsverfahren gestartet, damit Bürger sich ein Bild von den Maßnahmen machen können. Die Stadt hat sozusagen ein Lärm-Radar eingeschaltet: Jeder Bürger ist aufgerufen, störende Lärmquellen zu benennen, aber auch vorgeschlagene Maßnahmen kritisch zu kommentieren.

Lärmaktionsplan


Öffentlichkeitsbeteiligung läuft bis 20. Februar

Auch Bürger, die sich schon anderweitig über Lärm beschwert haben, sind nun aufgerufen, sich erneut ans Rathaus zu wenden. Denn nur jetzt läuft ein Beteiligungsverfahren zum neuen Lärmaktionsplan. Noch bis 20. Februar nimmt das Rathaus Stellungnahmen von Bürgern an. „Jeder, der das Gefühl hat, dass ihn Lärm betrifft, kann sich an uns wenden“, sagt Vize-Verwaltungschef Uwe Liedtke. Stellungnahmen können direkt über das Online-Portal www.stadtplanung-kamen.de, aber auch im Rathaus während der Öffnungseiten sowie bei einer Bürgersprechstunde am Donnerstag, 6. Februar, 17 bis 19 Uhr, im Rathaus abgegeben werden. Die Bürgersprechstunde bietet den Vorteil, dass daran Experten aus dem Planungsbüro Richter-Richard teilnehmen werden, das den über 100 Seiten starken Entwurf des Lärmaktionsplans im Auftrag der Stadt Kamen verfasst. Die eingegangenen Anregungen und Hinweise sollen in den Aktionsplan einfließen. Der Stadtrat soll den Aktionsplan im günstigsten Fall vor der Sommerpause beschließen und der Stadtverwaltung so neue Argumente für Gesprächen mit dem Landesbetrieb liefern.

Lärm macht erwiesenermaßen krank: Viel befahrene Straßen, an denen es zu laut ist, müssen leiser gemacht werden, wenn dort tagsüber Umgebungslärm-Grenzwerte von 65 Dezibel und nachts von 55 Dezibel überschritten werden. Die bislang gültige zweite Fassung des Lärmaktionsplans, vom Stadtrat im Jahr 2015 beschlossen, wird jetzt in der dritten Runde aktualisiert. Sechs Maßnahmen aus der zweiten Runde gelten als umgesetzt, so eine Bestandsaufnahme. Neun Maßnahmen werden nicht weiterverfolgt. 33 Maßnahmen bleiben als Umsetzungsziele für die dritte Runde erhalten.

Zu den bereits erzielten Erfolgen zählt beispielsweise, dass auf der Lünener Straße ein nächtliches Tempo-30-Limit eingeführt wurde und die Unnaer Straße auf einem Abschnitt mit einem Fahrverbot für schwere LKW belegt ist. Und der derzeit laufende Nordring-Umbau dient dazu, die B233-Ortsdurchfahrt auch im Sinne des Lärmaktionsplans für Anlieger erträglicher zu machen.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen im Lärmaktionsplan betreffen Kreis-, Land- und Bundesstraßen. Beispielsweise soll die L821 in Methler zwischen Lanstroper Straße und Einsteinstraße Tempo 30 statt 50 bekommen, ebenso die Wasserkurler Straße zwischen Schimmelstraße und Jägerweg. Die Stadt Kamen darf Maßnahmen ohne Zustimmung übergeordneter Behörden, denen formell die Straße gehört, nicht umsetzen. Und da liegt aus lokaler Sicht das Problem der Lärmaktionsplanung: „Es fehlt eine Pflicht, dass das umgesetzt werden muss“, sagt Dr. Uwe Liedtke, oberster Planungschef im Rathaus. Wenn im Raum steht, LKW zeitweise von Landstraßen zu verbannen oder auf Bundesstraßen Tempo 30 einzuführen, dann sind Konflikte zwischen dem Rathaus und den übergeordneten Ämtern programmiert.

Kamen schaltet das Straßenlärm-Radar ein – Bürger sollen sich melden

Tempo runter auf der Wasserkurler Straße zwischen Schimmelstraße und Jägerweg: Dort soll künftig 30 km/h gelten. © Stefan Milk

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Bisweilen bekommen die Verwaltungsleute den Ärger von lärmgeplagten Anwohnern über ausbleibende Verbesserungen direkt ab. Peter Streich, Anwohner der Werver Mark und Verfasser des Flugblatts „Feinstaub tötet“, mahnte in Einwohnerfragestunden des Stadtrats mehr Unterstützung durch Behörden und Politiker an. Ute Dixon und weitere Anwohner der Lünener Straße wandten sich an die Öffentlichkeit und forderten die Reparatur der Fahrbahn, um das Rumpeln der LKW auszumerzen, sowie ein LKW-Fahrverbot. Letzteres soll laut einem im November gefassten Beschluss des Planungs- und Straßenverkehrsausschusses für Werver Mark und Lünener Straße geprüft werden. „Wir haben dazu noch im alten Jahr den Auftrag an einen Gutachter erteilt“, sagt Fachbereichsleiter Matthias Breuer.

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Welche Maßnahmen, die sich in der aktuellen Entwurfsfassung des Lärmaktionsplans wiederfinden, besonders aussichtsreich auf Umsetzung sind, vermag Planungschef Liedtke nicht zu sagen. „Aus dem Lärmaktionsplan kann Druck entstehen auf die zuständigen Behörden“, meint er. Es gehe darum, im Lärmaktionsplan die nötigen Nachweise zu liefern. Dabei setzt er auch auf die Mithilfe der Bürger.

„Jetzt haben die Bürger das Wort“ ist eine Pressemitteilung betitelt, mit der die Stadtverwaltung auf die Veröffentlichung des Aktionsplan-Entwurfs hingewiesen hat. Vom 10. Januar bis 20. Februar ist der Planentwurf im Rathaus einzusehen und auf der Internetseite www.stadtplanung-kamen.de (Stichwort: „Aktuelle Beteiligungen“) abzurufen. „Jetzt ist die Chance für Bürger da, sich damit zu beschäftigen“, sagt Fachbereitsleiter Breuer. „Bei dem Internetportal kann man seine Betroffenheit ausdrücken“, sagt Planungsmitarbeiter Karsten Harrach.

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Durchfahrtverbot für Lkw auf Lünener Straße und Werver Mark. Weniger Platz für Autos auf der Robert-Koch-Straße. Und das Tempo runter auf der Heerener Straße. Für mehr Schutz der Anwohner. Von Carsten Janecke

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