Kamen ist gewappnet: Der Sommer naht und damit auch der Kampf gegen die Eichenprozessionsspinner

dzSchädlinge

Der Eichenprozessionsspinner erlangte im vergangenen Jahr Berühmtheit. Viele Städte bekämpften den Schädling mit seinen Gifthärchen mühsam. Die Stadt Kamen ist auf die nächste Runde gefasst.

Kamen

, 26.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gesperrte Plätze, Reinigungsmaßnahmen und besorgte Bürger, die im Rathaus anrufen und meldeten, dass sie Eichenprozessionsspinner gesichtet haben. Wie in vielen anderen Städten auch, hatte die Stadt Kamen im vergangenen Frühjahr reichlich zu tun mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.

Die Haare der Raupe sind giftig, die Brennhaare können bei Hautkontakt oder Einatmen allergische Reaktionen auslösen. Deshalb ist es zum Schutze der Menschen freilich wichtig, vor den Raupen zu warnen bzw. sie stellenweise zu bekämpfen.

Beides hat die Stadt Kamen in diesem Jahr vor. Eigentlich sollten die Maßnahmen am 19. März in der geplanten Sitzung des Umwelt und Klimaschutzausschusses vorgestellt werden. Doch die fiel wegen des Coronavirus aus.

Das Jahnstadion musste wegen Eichenprozessionsspinnern im vergangenen Jahr gesperrt werden. Der Vfl Kamen hat vorsorglich 20 Nistkästen an Sportplätzen aufgehangen. Darin sollen Meisen nisten. Es sind natürliche Feinde für den EPS.

Das Jahnstadion musste wegen Eichenprozessionsspinnern im vergangenen Jahr gesperrt werden. Der Vfl Kamen hat vorsorglich 20 Nistkästen an Sportplätzen aufgehangen. Darin sollen Meisen nisten. Es sind natürliche Feinde für den EPS. © Stefan Milk

Über 70 Nistkästen für die Bekämpfung des EPS

Welche Maßnahmen geplant oder teils schon erfolgt sind, erklärte der Erste Beigeordnete Dr. Uwe Liedtke unserer Redaktion. Die Stadt habe sich gezielt und umfassend darauf vorbereitet, dass auch in diesem Frühjahr Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner (EPS) aufkeimen werden, erklärt er.

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Eine Maßnahme, die schon vorbereitend durchgeführt werden kann, ist das Aufhängen von Nistkästen für Meisen. „Meisen gehören zu den natürlichen Feinden des ESP, daher hat die Stadt Kamen im gesamten Stadtgebiet eine größere Anzahl von Nistkästen für Meisen im direkten Umfeld innerstädtischer Eichenbaumbestände angebracht“, so Liedtke.

Mehr als 70 Nistkästen hat die Stadt aufgehängt. Zusätzlich hat der VfL Kamen rund 20 Nistkästen an den Sportplätzen angebracht. Im vergangenen Sommer musste das Jahnstadion wegen Raupenbefall gesperrt und ein Fußballturnier abgesagt werden. Einer solchen Maßnahme wollen die Sportler dieses Jahr offensichtlich entgegenwirken.

In der freien Natur sollen Warnschilder ausreichen

Fast 100 Nistkästen sollen nun also von Meisen bewohnt werden, die die Eichenprozessionsspinner zum Fressen gern haben. Alle Eichen in Kamen sind damit aber freilich nicht abgedeckt. Insgesamt gibt es laut Baumkataster rund 700 städtische Eichen in Kamen, hinzu kommen die von Privatpersonen oder dritter Eigentümer wie zum Beispiel dem Lippeverband oder dem Kreis Unna.

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Während die Nistkästen vor allem im Bereich der Innenstadt aufgehangen wurden, sollen in der freien Landschaft Warnhinweise ausreichen – immerhin sei laut Liedtke auch eine Abwägung zwischen einer möglichen Gesundheitsgefährdung der Bürger einerseits und des Artenschutzes andererseits vorzunehmen. Entsprechende Schilder hat die Stadt laut Liedtke bereits hergestellt bzw. angeschafft. Von befallenen Bäumen soll man Abstand halten, denn die feinen Brennhaare können im Wind einige Meter weit fliegen.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schlüpfen Ende April/Anfang Mai und durchlaufen dann sechs Larvenstadien. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Larven Brennhaare, die bei Hautkontakt oder beim Einatmen allergische Reaktionen auslösen können.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schlüpfen Ende April/Anfang Mai und durchlaufen dann sechs Larvenstadien. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Larven Brennhaare, die bei Hautkontakt oder beim Einatmen allergische Reaktionen auslösen können. © picture alliance/dpa

An Spielplätzen und Co. werden die Raupen aktiv bekämpft

Um Gesundheitsgefährdungen auszuschließen, wird die Stadt in sensiblen Bereichen aber schon aktiv die Raupen bekämpfen – besonders an Schulhöfen und Spielplätzen. „Dafür bzw. für Notfälle, wurden Mitarbeiter der Servicebetriebe zu Beginn des Jahres 2020 beim Bundesverband der Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik geschult“, so Liedtke. Außerdem wurde ein Unternehmen beauftragt, das bei Bedarf einschreiten wird.

Abgehakt ist das Thema für die Stadt damit aber noch nicht, denn es gibt auch noch andere Methoden, um den EPS zu bekämpfen. Eine ist die Lockstoff-Falle, von denen auch die Nachbarkommune Bergkamen zehn zum Testen bestellt hat. Auch Kamen will sich perspektivisch mit diesen Fallen beschäftigen.

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