Kamen wird in den nächsten 21 Jahren deutlich schrumpfen. Allerdings wird es mehr Senioren geben. Eine große Herausforderung für die Stadt – und damit ist nicht nur das Rathaus gemeint.

von Werner Wiggermann

26.08.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach einer aktuellen Prognose der Statistiker des Landesbetriebs IT.NRW reduziert sich Kamens Bevölkerung bis 2040 auf 38.335 Menschen. Anfang 2018 lebten nach den Zahlen der Landesstatistiker noch 43275 Menschen in Kamen – der vorausgesagte Verlust beträgt daher 11,4 Prozent. Noch etwas dramatischer wirkt die Veränderung der Altersstruktur in der Sesekestadt: So rechnen die Zahlenexperten damit, dass der Anteil der über 65-Jährigen um 23,7 Prozent zunehmen wird. Trifft dies zu, wird im Jahr 2040 fast ein Drittel der Kamener im Rentenalter sein – und diese Bevölkerungsgruppe wird dann doppelt so groß sein wie die der unter 19-Jährigen. Was bedeutet das eigentlich? Und wie können sich Bürger und Politiker auf die Entwicklung einstellen?

Generationenmix bleibt das Ziel

Dass die Bevölkerung insgesamt älter werden wird und dass daraus Handlungszwänge entstehen, gilt auch im Rathaus als längst gesicherte Erkenntnis. „Wir haben das im Blick“, versichert Pressesprecher Peter Büttner. Wenn die Stadtplaner über bestimmte Wohnquartiere nachdächten, sei auch immer die Frage: „Wie bekommen wir einen vernünftigen Generationenmix hin?“ Oft greife man Lebensgewohnheiten auf, um Angebote für alle Altersschichten zu gestalten – etwa bei der Ausweisung neuer Boule-Plätze.

Einwohnerstatistik

Höchster Seniorenanteil in Südkamen

Innerhalb Kamens war im Juli dieses Jahres Südkamen der Stadtteil mit dem höchsten Seniorenanteil: 26,3 Prozent der Einwohner waren hier 65 Jahre oder älter. In Methler lag der Anteil der Generation 65+ bei 25 Prozent, in Heeren-Werve bei 24,6 Prozent und in Kamen-Mitte bei 22 Prozent.

Gut ausgestattet – gut angebunden

Um auch junge Familien nach Kamen zu locken oder hier zu binden, „wird es unter anderem darum gehen, Kamen attraktiv zu erhalten – und diese Attraktivität auch im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Die Stadt Kamen mit funktionierenden Angebot im eigenen Zentrum – wie zum Beispiel dem Sesekepark. Die Stadt aber auch als Wohnort-Alternative mit sehr guten Anbindungen zu benachbarten Großstädten", betont Büttner. Ein besonders wichtiges Ziel, wenn man gleichzeitig betrachtet, dass Dortmund von den Statistikern ein sattes Wachstum von 4,4 Prozent bis 2040 vorausgesagt wird.

Mobilität nicht nur für Ältere

Über Attraktivität und Zukunftsfähigkeit entscheiden aber auch Fragen der Landschaftsentwicklung, des Angebots an und der Qualität von Arbeitsplätzen, Fragen der Bildungsangebote oder der Mobilität in Kamen. Beispielsweise geht es zunächst darum, wie für Menschen jeden Alters geeignete Verkehrslösungen erhalten oder überhaupt erst geschaffen werden können.

Früh vom Bus überzeugen

Hier liegt nach Überzeugung vieler Planer eine zentrale Herausforderung der älter werdenden Gesellschaft. Können die öffentlichen Verkehrsunternehmen die Herausforderung durch neue Angebote meistern? Bereits älter gewordene Menschen noch für die Alternative „Linienbus“ zu begeistern, sei allerdings kaum möglich, ist VKU-Manager Andreas Feld überzeugt. Die jetzt über 50-Jährigen seien einfach „die Autogeneration“. Menschen, die gern mit dem eigenen Pkw unterwegs seien - und so lange wie möglich dabei blieben. Die VKU setzt eher darauf, die Menschen früh oder auch sehr früh auf den Geschmack zu bringen: Durch die „Busschule“ etwa, durch bewährte Angebote wie das „Flash-Ticket“ oder durch das neue „Azubi-Ticket“ - das mit ähnlichen Inhalten ausgestattet wird, wie sie das Semesterticket für Studenten hat.

Kamen im Wandel – ein Blick ins Jahr 2040

Erfolgsmodell der VKU: Die Taktverdichtung für die Verbindung nach Unna überzeugte viele neue Fahrgäste. © Marcel Drawe

Es geht um „Gesamtmobilität“

Neue Wege geht die VKU auch erfolgreich mit Familien-Tickets für neue UKBS-Mieter und vor allem als Partner großer Arbeitgeber wie „Arvato“. Sehr erfolgreich sei auch die Einführung eines 15-Minuten-Takts für die Verbindung von Kamen nach Unna: „550 neue Kunden hat das gebracht“, berichtet Feld.

Kamen im Wandel – ein Blick ins Jahr 2040

Die gemeinsame Planung mit dem Unternehmen „Arvato“ funktioniert ebenfalls vorbildlich. © Marcel Drawe

Vielleicht könne die Bus-Gesellschaft auch durch die Umstellung auf E-Antrieb oder andere neue Antriebsarten Beiträge zu einer klimafreundlicheren Zukunft leisten - für wichtiger hält Feld aber „die Gestaltung der Gesamtmobilität“. Mit diesem Ziel beteiligt sich die VKU jetzt schon an Car-Sharing- und Leihrad-Angeboten. Und irgendwann werde sicher auch mal das Thema „Autonomes Fahren“ ein VKU-Thema. Nicht weil der Einsatz solcher Systeme in Linienbussen sinnvoll werden könnte - sondern weil sie in Taxis sehr viel mehr höhere Sparpotenziale entfalten und daher dem Bus viel stärkere Preis-Konkurrenz machen würden.

Bliebe für die VKU die Möglichkeit, Fahrgäste selbst individuell in autonom fahrenden Autos zu befördern. „Warum nicht“, findet Andreas Feld. „Wir wollen Menschen befördern“ – möglichst intelligent, möglichst preiswert, möglichst klimaschonend – und möglichst zukunftsweisend.

Ein Blick in die Zukunft der Stadt: Mit einer losen Artikelserie beleuchten wir die Herausforderungen, die sich aus der vorhergesagten Bevölkerungsentwicklung für das Jahr 2040 ergeben könnten.
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