Juniorwahl wird zur Klatsche für CDU und AfD

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Im „Wahllokal“ am Städtischen Gymnasium Bergkamen bildete sich eine lange Schlange. © SGB
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Viele junge Menschen in Kamen und Bergkamen haben ein großes Interesse an demokratischer Teilhabe – das ist eine erfreuliche Erkenntnis aus der Juniorwahl, deren Ergebnisse sowohl die Gesamtschule Kamen als auch das Städtische Gymnasium Bergkamen am Montag mitteilten.

351 junge Wählerinnen und Wähler (ab Jahrgangsstufe 10) zählte man an der Gesamtschule, 458 am Gymnasium (ab Jahrgang 7), was einer Wahlbeteiligung von 82 Prozent entsprach. Weitere Erkenntnisse aus der Juniorwahl in Fragen und Antworten.

Anders als bei Unionskanzlerkandidat Armin Laschet war bei diesen Schülern nicht sichtbar, wo sie ihre Kreuzchen auf dem Stimmzettel gesetzt haben. © SGB © SGB

Wer hat die Juniorwahl gewonnen?

Wie bei der eigentlichen Bundestagswahl war Oliver Kaczmarek (SPD) der klare Sieger bei den Erststimmen. Für den Kamener entschieden sich 38,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Bergkamen sowie 36,9 Prozent an der Gesamtschule Kamen. Bei den Zweitstimmen lag die SPD ebenfalls vorn, wenn auch längst nicht so klar mit 24,0 Prozent am Gymnasium und 28,3 Prozent an der Gesamtschule.

Wie haben die Grünen abgeschnitten?

Wer im Lichte der Bewegung „Fridays for Future“ glaubt, dass den Grünen die Herzen der meisten Schülerinnen und Schüler zufliegen, der irrt. Die Partei lag mit 19,0 Prozent am Gymnasium zwar vor der FDP mit 14,6 Prozent, an der Gesamtschule aber hinter den Liberalen. Dort gaben 21,7 Prozent ihre Stimme der FDP und nur 14,7 Prozent votierten für die Grünen.

Für den reibungslosen und korrekten Ablauf sowie die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln am Gymnasium Bergkamen zeichnete der Q2-Grundkurs Sozialwissenschaften von Matthias Fahling verantwortlich. © SGB © SGB

Und was ist mit der CDU?

Die Partei, die 16 Jahre lang die Kanzlerin stellte, kassierte von den jugendlichen Wählerinnen und Wählern eine deutliche Abfuhr. Nur 9,8 Prozent wählten an der Gesamtschule die Union, während es am Gymnasium immerhin noch 11,4 Prozent waren. Chancen auf das Kanzleramt hätte die CDU an den Schulen definitiv keine.

Welche Rolle haben die anderen Parteien gespielt?

Die Tierschutzpartei würde den Einzug in den Bundestag schaffen, wenn das Schüler-Votum am Gymnasium Bergkamen dafür ausschlaggebend wäre. 6,3 Prozent stimmten für die Tierschützer, an der Gesamtschule waren es 3,4 Prozent. Die AfD wäre mit 3,1 Prozent (Gymnasium) bzw. 4,2 Prozent (Gesamtschule) hingegen nicht im Parlament vertreten, wenn es nach den Schülerinnen und Schülern ginge. Klar „drin“ wäre indes die Linke mit 9,0 Prozent (Gymnasium) bzw. 8,4 Prozent (Gesamtschule).

Bei der Juniorwahl geht es um das Üben und Erleben von Demokratie. Das Projekt soll Schülerinnen und Schüler frühzeitig an das Thema Wahlen und Politik heranführen und sie auf die Partizipation im politischen System vorbereiten. © SGB © SGB

Welches Fazit lässt sich daraus ziehen?

Vor allem FDP und Grüne, aber auch die SPD und die Linke schnitten bei der Juniorwahl in Kamen und Bergkamen besser ab als bei der Bundestagswahl. Die CDU und die AfD bekamen indes deutlich weniger Stimmen als bei der „echten“ Wahl. Ein Jamaika-Bündnis wäre an den Schulen damit keine Option – sehr wohl aber eine Ampelkoalition mit starken Liberalen und Grünen.

Die Juniorwahl fand bundesweit statt – mit welchem Ergebnis?

Insgesamt nahmen knapp 1,4 Millionen Jugendliche an 4500 Schulen an der Juniorwahl teil. Das Endergebnis im Bund sieht die Grünen mit 20,6 Prozent knapp vor der SPD mit 19,4 Prozent und der FDP mit 18,5 Prozent. Auf den Plätzen folgen CDU/CSU (13,5), die Linke (7,6) und die AfD (5,1).