Junge Rebhühner im Revier Westick ausgesetzt

dzNaturschutz und Artenvielfalt

Fasane sieht man öfter, doch Rebhühner gibt es kaum noch. Sie sind so selten geworden, dass Jäger sie nicht mehr jagen. Im Gegenteil: Um die Art zu erhalten, setzten sie jetzt Jungtiere aus.

Kamen

, 19.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spürbar aufgeregt sind die zehn Rebhühner in zwei eigens gezimmerten Holzkisten, in denen Heiner Pappenborg sie ein Stück lang vom Auto bis zum Körnebach-Ufer trägt. Der Mann ist es nicht minder: Er will den Versuch starten, das in der Region typische Feldhuhn wieder im Revier Westick anzusiedeln.

Der passionierte Jäger und Betreuer der Rollenden Waldschule des Hegerings Kamen/Bergkamen hat dafür einen besonderen Weg gewählt: Vor rund eineinhalb Jahren hatte Poppenborg auf einem Viehmarkt in Kaunitz bei Gütersloh ein Hebhuhn-Pärchen erworben. Dessen Eier ließ er im Frühjahr ausbrüten und zog die Küken auf, um sie nun auszusetzen.

Neues Leben mitten im Naturschutzgebiet

Mit den zehn ersten Jungtieren machten sich Heiner Poppenborg und Hans-Albert Pöll, Obmann für jagdliches Brauchtum beim Hegering, nun auf den Weg zur Körne im Revier Westick. In dem dortigen Dreieck zwischen Westick, Afferde und Wasserkurl haben die Tiere nur natürliche Feinde. Die viel befahrenen Straßen sind weit weg.

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26 Eier waren von dem Rebhuhn-Pärchen in der großen Voliere ausgebrütet worden - und die Nestflüchter konnten auf Poppenborgs Voliere sicher und geschützt aufwachsen. In der freien Natur wären sie so jung kaum gegen Fressfeinde geschützt gewesen. Doch sie wuchsen auch so wild und ungestört auf. „Menschlichen Bezug hatten die nie. Ich hab nur für das Futter gesorgt“, erklärt der Züchter.

Die Rebhühner vor der Freilassung: Für den Transport hatte Heiner Poppenborg eigens Holzkisten gebaut.

Die Rebhühner vor der Freilassung: Für den Transport hatte Heiner Poppenborg eigens Holzkisten gebaut. © Stephanie Tatenhorst

Daher nehmen die Jungtiere auch sofort reißaus, als die Kisten an einer für passend auserkorenen Stelle abgesetzt werden und Hans-Albert Pöll den Deckel zur Seite schiebt. Dass sie davonfliegen und nicht zu Fuß ins Dickicht eilen, überrascht die beiden Hegeringmitglieder zwar, doch es freut sie auch. „Jetzt sind nur noch die Greifvögel eine Gefahr, dem Fuchs können sie entkommen“, erklärt Poppenborg strahlend. Dass es den dort gibt, zeigt ein paar Meter weiter seine Fährte im Uferschlamm.

Jungtiere könnten im nächsten Jahr drei Paare bilden

Sieben Hennen und drei Hähne sind nun im Revier Westrick in freier Natur, an anderer Stelle werden Poppenborg und Pöll den zweiten Teil der geschlüpfen Tiere aussetzen. Denn: „Die Tiere halten Abstand zueinander“, weiß Poppenborg. Im Revier Westick könnten sich im kommenden Frühjahr aber drei Pärchen bilden, wenn alle Jungtiere den Winter überleben. Da sie dann auch geschlechtsreif sind, stehen die Chancen gut, dass es im kommenden Jahr ein natürliches Gelege und neue Jungtiere geben wird.

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Doch nachvollziehbar wird das für den Hegering Kamen/Bergkamen nicht sein. Die Vögel tragen zwar Ringe, aber keinen Sender, um ihren Weg genau nachvollziehen zu können. Doch mit einem geschulten Ohr können die Jäger zumindest feststellen, ob sich die Rebhühner noch im Revier aufhalten. Denn deren Ruf ist unverkennbar, und zur Balzzeit wird es bei drei Hähnen und sieben Weibchen hoch hergehen.

Auf dem Acker sind die Tiere für die Jäger sofort im Bereich der Treckerspur auszumachen.

Auf dem Acker sind die Tiere für die Jäger sofort im Bereich der Treckerspur auszumachen. © Stephanie Tatenhorst

Gute Lebensbedingungen

Weit geflogen sind die Rebhühner nach ihrer Freilassung übrigens nicht, bemerkten die Fachmänner sofort, als sie zurück am Auto sind. Der markante Ruf ist zu hören - und das geschulte Auge der Jäger macht die Vögel sofort in einer Treckerspur auf dem Acker aus. Dabei ist ein Tiere gerade mal so groß wie zwei Fäuste aneinander und so grau-braun wie der feuchte Erdboden. „Hier haben die Tiere großartige Ausbreitungsmöglichkeiten“, freut sich Poppenborg, dass Dietrich Buschmann das Revier Westrick für das Projekt zu Verfügung stellte - und auch die Untere Jagdbehörde beim Kreis Unna grünes Licht für die Aktion gegeben hatte.

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