Junge Cellosterne glänzen in Kunstgalerie „Zeitlos“

dzCelloherbst in Kamen

Mayumi Kanagawa an der Violine und Konstantin Bruns am Cello debütieren in der Kamener Galerie „Zeitlos“ als Grenzgänger zwischen Klassik und Moderne.

von Rainer Ehmanns

Kamen

, 16.11.2018, 15:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im anregenden Ambiente der Galerie „Zeitlos“ sind die Stühle zu einem Halbkreis auf eine Ecke fokussiert. Dort warten ein Notenständer und ein Klavierhocker auf die beiden Solisten.

Mayumi Kanagawa, die erst vor wenigen Tagen in Frankreich einen Preis gewonnen hat, spielt eine Violine von Petrus Guarneri aus dem 17. Jahrhundert. Konstantin Bruns, ebenfalls mehrfach ausgezeichneter Preisträger, spielt als Leihgabe des Ehepaars Roos aus Unna ein Cello von Paul Bailly.

Schon in Haydns Duo D-Dur korrigieren die beiden jungen Solisten den Konzerttitel „Junge Cellosterne“ mit ihren absolut gleichwertigen Parts in den drei Sätzen des munteren Stücks. Frisch, lebendig und mit sehr präsentem Klang gibt zuletzt das Rondo mit seinen Variationen einen Vorgeschmack auf das weitere virtuose Spiel.

Expressive Eruptionen

Zoltan Kodalys Duo für Violine und Cello op. 7 lässt unschwer die Bezüge zur ungarischen Volksmusik erkennen, die Kodaly zusammen mit Bartók vor 1910 untersucht hatte. Authentisch, direkt und mit expressiven Eruptionen formen beide Instrumente ein enormes Klangvolumen, das man eher einer größeren Anzahl von Instrumenten zuordnen würde.

Im Rollentausch nähern sich Geige und Cello in der Klanggestaltung bis zur Übereinstimmung an, andererseits erblüht in den drei Sätzen Allegro serioso, Adagio und Maestoso - Presto Reichtum an folkloristischen Klangfragmenten, eine überbordende Fülle an Farben zwischen zart-fragilen Höhen und satten, schweren Tiefen beider Instrumente, ja sogar ein einziger Ton gewinnt unter Konstantin Bruns Spiel eine stupende Vielfalt. Die setzt sich in der virtuosen Spieltechnik beider Solisten fort und endet turbulent in einem wilden Presto.

Tschechische Volksmusik

Ervín Schulhoffs Duo ist von tschechischer Volksmusik geprägt. Ähnlichkeiten zu Kodalys Duo liegen nahe, weil beide Duos auch pentatonische Elemente enthalten. Unüberhörbar ist auch der derbere, volkstümliche Ton, der in der Zingaresca zunehmend wilder wird. Mayumi Kanagawa und Konstantin Bruns spielen hier ihre gestaltenden Fähigkeiten mit einer mühelos scheinenden Leichtigkeit aus. Das Andantino ist dagegen ein Ruhepunkt mit ineinander verschmelzenden Stimmen, bevor im Presto fantastico beide jungen Sterne bravourös all ihre spieltechnischen Register ziehen.

Mit Johan Halvorsens Bearbeitung der bekannten Passacaglia von Händel setzen Kanagawa und Bruns in den kontrastreichen Variationen mit Cello-Tremoli, rasanten Läufen und schnellen Flageolets auf der Violine ein hochvirtuoses Highlight, lassen mit zwei Kompositionen Mark O´Connors, dem „Appalachia waltz“ und „Chief sitting in the rain“ amerikanischen Fiddle-Folk und Square Dance anklingen und verabschieden sich augenzwinkernd mit dem wunderbar jazzig gespielten „St. Louis Blues“ und nehmen begeisterten Applaus mit nach Hause.

Diese beiden „Jungen Sterne“ sind eine herzerfrischende Offenbarung.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Voice of Germany

Zweiter Auftritt vor Mark Forster, Sido und Rea Garvey: Dieser Kamener will weiter

Hellweger Anzeiger Kostenloses Jugendprojekt

Manche Männer lieben Männer: Das sollen Kamener Jugendliche verstehen und respektieren

Hellweger Anzeiger Kettler Alu-Rad besteht weiter

Das Aus für Kettler ist nicht das Aus fürs Kettler-Rad: Warum die Räder weiter laufen

Hellweger Anzeiger Winterwelt-Auslosung

Borussenhuskies und die Bouletten: Alle Termine, Gegner und Bahnen für 180 Mannschaften

Meistgelesen