Jugendliche blicken auf die demolierten Fenster ihrer Schule. Am Abend zuvor waren vom Schulhof aus Pflastersteine geflogen, die zahlreiche Scheiben zerstörten. © Stefan Milk
Vandalismus am Gymnasium

Jugendliche werfen Pflastersteine auf den Ordnungsdienst

Das Gymnasium, ein Trümmerfeld, nachdem am Dienstagabend zahlreiche Pflastersteine in die Fensterscheiben fliegen. Die Täter bewerfen auch den Ordnungsdienst. Eine Heckscheibe geht zu Bruch.

Blanke Zerstörungswut am Gymnasium Kamen. Mit Pflastersteinen und anderen Wurfgeschossen werden am Dienstagabend fast 30 Scheiben des Schulgebäudes zerstört. Auch das Büro des Schulleiters Lars Wollny ist betroffen. Als er am Mittwochmorgen seinen Dienst antritt, ist er fassungslos. Drei Fenster seines Büros sind zu Bruch gegangen, die Splitter verteilen sich im ganzen Raum. „Ich habe meine Tastatur schütteln müssen, damit die Splitter herausfallen. Vorher ging sie nicht.“

Pflasterstein fliegt auch auf den Ordnungsdienst

Die Bilanz des Abends ist erschreckend: 26 Fensterscheiben sind komplett durchschlagen oder angeknackst. Ein Pflasterstein fliegt auf den Ordnungsdienst, der von Anwohnern alarmiert wurde. Die Heckscheibe des Dienstfahrzeuges geht zu Bruch. „Glücklicherweise ist niemand verletzt worden“, sagt der Schulleiter am Morgen danach. Er benötigt zwei Stunden, bevor er sein Büro wieder nutzen kann. Und als er mit dem Aufräumen beginnt, hatte der Reinigungsdienst den Boden schon gefegt.

Blanke Zerstörungswut am Gymnasium Kamen. Die Splitter der Fenster landen auf Tischen Druckern und Tastaturen.
Blanke Zerstörungswut am Gymnasium Kamen. Die Splitter der Fenster landen auf Tischen Druckern und Tastaturen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Zeugen sichteten etwa zehn Jugendliche

Laut Zeugenaussagen, so Vera Howanietz von der Kreispolizei Unna, habe es sich um etwa zehn Jugendliche gehandelt, die mit gezielten Würfen die Fensterscheiben zerstörten. Dabei wurden auch schwere Betonsteine genutzt, die als Abstandshalter für Blitzableiter auf dem Dach dienen. Die Polizei, die gleichzeitig mit dem Ordnungsdienst anrückte, sah noch, wie ein letzter Stein auf das Auto des Ordnungsdiensts flog. Als die beiden Kräfte ausstiegen, schlug der Stein in die Heckscheibe ein, während die Steinewerfer schon flüchteten. Stadtsprecher Peter Büttner ist fassungslos über derlei Gewaltbereitschaft. „Es gibt dafür einfach nur großes Unverständnis.“ Die Stadt Kamen erstattete Anzeige.

Prüfende Blicke auf den Schaden, den mehrere Täter am Dienstagabend am Gymnasium Kamen anrichteten. 26 Fenster gingen zu Bruch.
Prüfende Blicke auf den Schaden, den mehrere Täter am Dienstagabend am Gymnasium Kamen anrichteten. 26 Fenster gingen zu Bruch. © Stefan Milk © Stefan Milk

Zwei Jugendliche stehen unter Verdacht

Diese Anzeige könnte zwei mutmaßliche Täter erreichen, die die Polizei zurzeit unter Verdacht hat. Darunter ein Jugendlicher, der, so Howanietz, „im Umfeld angetroffen“ wurde. Eine weitere Person konnte namentlich ermittelt werden. Die Stadt Kamen entsandte am Mittwochmorgen vom Bauhof an der Gutenstraße die Kehrmaschine, um die Splitter vom Schulhof zu fegen. Der Unterricht der Abschlussklassen, die zurzeit allein im Präsenzunterricht sind, war davon nicht betroffen.

An dem Fenster neben der Atom-Binär-Uhr sind gleich mehrere Steine eingeschlagen.
An dem Fenster neben der Atom-Binär-Uhr sind gleich mehrere Steine eingeschlagen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Bücherei hat es schwer getroffen

Die Steine waren nicht nur auf Fenster des Erdgeschosses, sondern auch auf welche im ersten und zweiten Obergeschoss geworfen worden und hatten die Doppelverglasung durchschlagen, von der nur noch Scherben im Rahmen steckten. Betroffen waren Fenster des Konzertaula-Foyers und der Bücherei im Erdgeschoss, des Verwaltungstrakts im ersten Obergeschoss und Fachräume für Naturwissenschaften wie Chemie im zweien Obergeschoss. „Die Bücherei hat es richtig schlimm getroffen“ ärgert sich der Schulleiter. „In anderen Räumen waren Drucker nicht zu benutzen, weil sie von Scherben übersät waren.“

Die Pflastersteine haben die Doppelverglasung am Gymnasium Kamen  durchschlagen und richteten auch im Inneren der Schule Schaden an.
Die Pflastersteine haben die Doppelverglasung am Gymnasium Kamen durchschlagen und richteten auch im Inneren der Schule Schaden an. © Stefan Milk © Stefan Milk

Schadenshöhe geht wohl in die Tausende

Wie hoch der Schaden ist, konnte am Mittwochmorgen noch niemand beantworten. „Er geht wohl in die Tausende“, vermutet Wollny. Die Stadt hat ihre Versicherung eingeschaltet und will sich jetzt Angebote für neue Scheiben erstellen lassen. Kräfte des Bauhofs setzen teilweise schon eine Notverglasung ein und beseitigten Scherben, die aus den Fensterrahmen noch hätten zu Boden fallen können.

Es waren nicht die ersten Scheiben, die zu Bruch gingen, zuletzt waren laut Wollny im November zwei Scheiben eingeworfen worden. Wollny ist entsetzt. „Das ist pure Zerstörungswut.“

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke
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