Jörg Kachelmann: „Einen Holzofen zuhause zu haben ist wie Rauchen im Kinderzimmer“

dzÄrger um Kaminöfen

Der Nachbarschaftsärger um Kaminofen-Rauch an der Grillostraße in Kamen berührt ein Umweltproblem, vor dem Experten warnen. Meteorologe Jörg Kachelmann ist einer der prominentesten Kritiker.

Kamen

, 13.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der bekannte Meteorologe Jörg Kachelmann dürfte den Bewohnern eines Mehrfamilienhauses an der Grillostraße in Kamen aus der Seele sprechen. In diesen Tagen hat er im Kurznachrichtendienst Twitter mal wieder vor Umweltgefahren durch Kaminöfen gewarnt und den „Irrsinn der Holzverbrennung“ angeprangert.

Der prominente Wetterexperte gilt als scharfer Kritiker der oft als Kuschelgefühl-Garanten beworbenen Öfen. Bei Twitter hat der 62-Jährige in diesen Tagen unter anderem Feinstaubdaten und kritische Kommentare zu diesem Thema veröffentlicht.

Damit spricht er genau ein Thema an, das auch Hans Muermann und Siegfried Kant aus Kamen berührt. Die beiden Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Grillostraße in Kamen haben eine Geruchsbelästigung durch Kaminofen-Rauch aus Reihenhäusern in der Umgebung öffentlich gemacht.

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Meteorologe Kachelmann schreibt am 9. November unter anderem: „Man kann das tollstmögliche Holz nehmen, das Ergebnis beim gemütlichen Waldverbrennen ist immer noch vielhundertfach bis vieltausendfach dreckiger als Öl/Gas.“

Am selben Tag veröffentlicht der Schweizer Wetter-Unternehmer Feinstaubdaten aus Salzburg und fügt hinzu: „Wenn man erwartungsvoll eine Luft-Messstation an die Stadtautobahn stellt und leider doch nur die Holzöfen der nahen wohlstandsverwahrlosten Stinkbürger vom Einfamilienhäusl-Stadtrand registrieren darf.“

Eine Frau legt ein Stück Holz in den Kaminofen eines Einfamilienhauses. (Symbolfoto)

Eine Frau legt ein Stück Holz in den Kaminofen eines Einfamilienhauses. (Symbolfoto) © picture-alliance/ dpa

In einer Deutschlandkarte ebenfalls vom 9. November sind Feinstaub-Werte abgebildet, darauf ist auch der Raum Dortmund zu erkennen. „Die Holzöfen haben jetzt Deutschland immer mehr flächendeckend eingesaut“, erläutert Kachelmann die Werte.

Gemünzt auf ein Argument, das Verkehr ein großer Feinstaubverursacher sei, schreibt der Meteorologe: „Das Umlügen in Richtung Verkehr, dessen Anteil bei der gegenwärtigen Belastung bei rund 5% liegt, funktioniert jetzt besser, weil man den typischen Tagesgang mit der Abendspitze weniger gut sieht.“

Auf Fotos, die Kachelmann twittert, sind Häuser in einem Bergtal mit Rauch- oder Nebelschwaden zu sehen. Dazu kommentiert er ironisch: „Holzofenglück in den Bergen“.

Wer einen Kaminofen anschaffen will, soll ein Modell mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ nehmen, heißt es oft. Kachelmann ordnet das so ein: „Auch Holzöfen mit dem Heuchelkleber sind vielhundertfach bis vieltausendfach dreckiger als normale Gas-/Ölheizungen. Die „Reduzierung“ ist nur von monumental dreckig zu unglaublich dreckig. Den @umweltengel

einfach ignorieren.“

Kaminofen-Besitzer findet Kachelmann rücksichtslos, wie ein Tweet vom 11. November zeigt. „Einen Holzofen zuhause zu haben ist wie Rauchen im Kinderzimmer – bei sich und bei Nachbarn. Die MenschenverachterInnen mit dem Hang zu kartoffeliger Gemütlichkeit ohne Rücksicht auf Andere.“

So hart im Urteil sind Hans Muermann und Siegfried Kant allerdings nicht. Sie appellieren an ihre Nachbarn, nur ausreichend getrocknetes Holz zu verbrennen – in der Annahme, dass das schon reicht, um die Geruchsbelästigung abzustellen.

Jörg Kachelmann hat den Kamener Kachelofen-Ärger zumindest zur Kenntnis genommen. Er retweetete den entsprechenden Artikel des Hellweger Anzeigers mit dem Hinweis auf die „dümmste Energie- und Umweltpolitik ever“, die Kaminöfen fördert.

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