Als Signal gegen Clankriminalität kontrollierten Polizei und Zoll mehrere Shisha-Bars in Kamen, Unna, Bönen und Selm. Nun spricht einer der Inhaber: „Mit kriminellen Clans habe ich nichts zu tun.“

Kamen

, 04.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Aydin Yildiz eröffnete vor zwei Jahren die Gaststätte „Prinz Lounge“ in der Kamener Fußgängerzone. Am vorigen Freitag erschienen plötzlich Polizei und Zoll in dem Wasserpfeifen-Café, notierten die Personalien der Anwesenden und beschlagnahmten Tabak. Auch Landrat und Polizeichef Michael Makiolla (SPD) war vor Ort und bezeichnete die massiven Kontrollen, die gleichzeitig in Kamen, Unna, Bönen und Selm stattfanden, als Signal gegen Clankriminalität.

„Ein bisschen sauer“ auf Landrat Makiolla

Nun hat Yildiz die Presse in sein Lokal eingeladen. Er meint, dass die Behördenaktion seine Gaststätte in ein falsches Licht rückte. An dem Abend, als Polizei und Zoll „die Aktion machten“, wie Yildiz sagt, habe er gedacht: „Was geht jetzt hier ab?“ Später habe er in der Zeitung die Worte des Landrats gelesen. Er frage sich jetzt, wieso sein Laden in einen Zusammenhang mit Clankriminalität gestellt werde. „Damit habe ich nichts zu tun.“ Deshalb sei er „ein bisschen sauer“ auf Makiolla. Er lebe seit 30 Jahren in Bergkamen, sei ein Unternehmer, der eine Geschäftslücke in der Gastronomie erkannt habe. „Ich mache was für Jugendliche, dass sie nichts Falsches rauchen“, sagt Yildiz. Der Landrat sei wohl „alt geworden“ und habe „von Jugendlichen keine Ahnung“.

Es ist früher Nachmittag, noch sind wenige Gäste da. Ein Stammgast sagt: „Das ist ein ordentlich geführter Laden.“ Es herrscht Lounge-Atmosphäre, dazu passt die Musik aus den Lautsprechern. Der Inhaber Yildiz betont, dass er nichts zu verbergen habe. Er finde Kontrollen gegen Clankriminalität gut, sagt er. Auf der Facebookseite der Bar bedankt sich sein Team bei den Beamten für die „Kontrolle an dem sonnigen Tag“. Dazu ein strahlendes Smiley mit drei Herzchen.

Jetzt spricht der Wirt der Shisha-Bar: „Mit kriminellen Clans habe ich nichts zu tun“

Romina Julia Fazakas demonstiert, wie eine Wasserpfeife bestückt wird. © Stefan Milk

Steuerzeichen auf der Tabakdose

Nacheinander präsentiert der Wirt die einzelnen Räume: Vorne die schick eingerichtete Cocktail-Bar mit Polstersesseln, links die geflieste Küche, wo die Wasserpfeifenköpfe gefüllt werden. Yildiz öffnet eine Tabakdose, sodass ein fruchtiger Geruch herausströmt. Auf der Dose ist ein Steuerzeichen zu erkennen. „Das ist ordentlicher Tabak, hier in Deutschland gekauft“, sagt der Inhaber. Weiter geht es in einen Raum, der sich als Außenbereich herausstellt. Oben und seitlich ist die Terrasse extrem gut vor Wind und Wind abgeschirmt. Yildiz sagt: „Wir haben alle Auflagen erfüllt.“

Nur draußen darf Tabak geraucht werden, weil das Nichtraucherschutzgesetz auch für Shisha-Bars keine Ausnahmen kennt. Die Alternative zum Tabak sind beispielsweise Dampfsteine oder getrocknete Früchte. Damit darf auch drinnen gepafft werden. Die Nachfrage danach gilt aber unter Wasserpfeifen-Fans als eher gering.

Jetzt spricht der Wirt der Shisha-Bar: „Mit kriminellen Clans habe ich nichts zu tun“

Wasserpfeifen in der Küche der Shisha-Bar „Prinz Lounge“ in Kamen. © Stefan Milk

Zollamtssprecher: Das ist keine Schikane

Die Zollbeamten trugen an dem Abend zwei Plastiktüten mit Tabakdosen aus der „Prinz Lounge“. Fast in allen kontrollierten Shisha-Bars in Kamen, Unna, Bönen und Selm wurde laut Polizei Tabak beschlagnahmt, was laut dem Dortmunder Zollamtssprecher Nicolai Prowe ein Beleg dafür ist, dass solche Kontrollen keine Schikane sind. Bar-Betreiber Yildiz sagt, sein Tabak sei bloß zur Untersuchung mitgenommen worden, und da es sich um versteuerten Tabak handle, werde er ihn wieder zurückbekommen.

Das ist aber eher unwahrscheinlich. Denn wenn der Zoll Tabak in Shisha-Bars beschlagnahmt, dann hat dies laut Zollamtssprecher meist zwei Gründe: Entweder es ist Tabak, der unversteuert nach Deutschland gelangt ist und verkauft wird. Oder der Tabak ist aus versteuerten Großpackungen portionsweise in Shisha-Köpfe gefüllt worden. „Das geht nicht, weil man sonst nicht nachvollziehen kann, ob er versteuert wurde“, sagt Prowe, der sich nur allgemein, aber nicht zu Einzelfällen äußert.

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Polizei und Zoll kontrollieren Shisha-Bars

Nicht jeder Steuersünder ist ein Krimineller

Für die kontrollierten Shisha-Bars, also auch die Prinz Lounge von Aydin Yildiz, ist die Kontrolle ein Warnschuss, keine Shishas aus Großpackungen zu befüllen. Nach Angaben der Steuerbehörden lassen sich Wasserpfeifen-Cafés kaum wirtschaftlich betreiben, wenn alle Steuervorschriften eingehalten werden. Im Wiederholungsfall drohen empfindliche Bußgelder. Dabei gilt: Nicht jeder augenscheinliche Steuersünder ist ein kriminelles Clanmitglied. Laut Landrat ist der Kreis Unna kein Schwerpunkt solcher Clans. Es gehe mit den Kontrollen darum, die Ausbreitung aus Städten wie Dortmund ins Umland zu unterbinden.

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